Rheinfelden Der Hüter der Erinnerung

Petra Wunderle
Wohl kaum jemand weiß über Eichsel, die Menschen und Ereignisse derart gut bescheid wie Hans Roniger. Foto: Petra Wunderle

Hans Roniger ist der Dorfchronist von Eichsel. Der 77-Jährige ist sowohl dem Dinkelbergdorf als auch ganz Rheinfelden sehr eng verbunden. Deutliches Zeichen hierfür ist seine ausführliche Bibliografie, die zahlreiche Werke aufweist, die sich vor allem mit der Heimat und den Menschen beschäftigt.

Von Petra Wunderle

Rheinfelden-Eichsel. Wer das kleine Büro im Dachgeschoss des Hauses Roniger in Nieder-Eichsel betritt, fühlt sich, als stünde er in einem Archiv. Regale sind mit Ordnern gefüllt, Dokumente stapeln sich, an den Wänden reiht sich Foto an Foto. Die beiden Laptops lassen erahnen, dass sich im Inneren unzählige Dateien und Bilder verstecken.

Nimmermüder Archivar

Auch wenn Roniger seine Schreibtätigkeit und die Sammelleidenschaft schon ein wenig zurückgefahren hat, bleibt der ehemalige Ratsschreiber nicht tatenlos. Während der Corona-Pandemie hat er seine Autobiografie verfasst, und im kommenden Winter sollen Hunderte von Dias und Fotos für die Nachwelt digitalisiert werden. Ein weiteres Ziel ist es, einen Flyer über die Kapelle in Eichsel zu gestalten.

Außerdem will er rechtzeitig zum 1. Januar 2024 ein Werk mit Bildern und Texten anlässlich „50 Jahre Eingemeindung von Eichsel zu Rheinfelden“ realisieren. Dazu ruft er schon jetzt die Bevölkerung auf: „Wer schöne Bilder von größeren Baumaßnahmen und Ereignissen in Eichsel aus den letzten fünf Jahrzehnten hat, bitte bei mir melden“.

Landwirt und Ratsschreiber

Hans Ulrich Roniger wurde 1944 in Schopfheim geboren. Schon der Vater, der ein Jahr nach seiner Geburt in französischer Kriegsgefangenschaft gestorben ist, war Ratsschreiber und Landwirt, die Mutter Hausfrau. Hans Roniger besuchte die Volksschule in Eichsel, die landwirtschaftliche Berufsschule und dann die landwirtschaftliche Fachschule. Die Arbeit als Landwirt hat ihm zwar gefallen, doch im Alter von 18 Jahren erkannte er im Schreiben seine wahre Berufung.

Er begann auf dem Rathaus in Eichsel als Hilfsschreiber, stieg auf zum Ratsschreiber und war nach der Gemeindereform auf dem Rheinfelder Rathaus im Grundbuchamt tätig. Roniger hat insgesamt mit vier Eichsler Ortsvorstehern zusammengearbeitet.

In etlichen Vereinen engagierte er sich – bei einigen natürlich auch als Schriftführer. „Ich habe in meinem bisherigen Leben mindestens 900 Protokolle über Sitzungen und Versammlungen geschrieben“, blickt er lachend zurück. All dieses berufliche und ehrenamtliche Schreiben haben seinen Werdegang zum Hobbychronisten maßgeblich beeinflusst.

Wandelndes Dorfarchiv

Außer ihm sind mit Sicherheit nur wenige Menschen in Eichsel mit den Geschehnissen und Ereignissen in und um das Dinkelbergdorf so vertraut. Roniger befasste sich mit menschlichen Schicksalen, dem, wie er sagt, „Hick Hack um die Autobahn“, Baugeschehen und Einweihungen von öffentlichen Einrichtungen. Er organisierte mit Leidenschaft Vereinsausflüge, versendete die Einladungen zum legendären Silvester in Eichsel – um nur wenige Beispiele zu nennen. Zu den Ereignissen sammelt er noch immer die Zeitungsberichte. Ganze Bücher sind zum Beispiel aus den einstigen Altenkreisnachmittagen entstanden, mit Bildern, Namen der Teilnehmer und Protokollen. Roniger präzisiert sie als „Schätze“. Generell gibt es mindestens ein Buch von jedem Eichsler Verein.

Vor kurzem hat Roniger in einer alten Schuhschachtel ein Gedicht aus dem 18. Jahrhundert entdeckt. Ein Schriftstück, welches sein Alter nicht leugnen kann und „geschrieben zur Zeit des Vollmondes“ wurde.

Gerne befasste er sich auch mit der Vita seiner Tante Margaret, die als junges Mädchen ins Kloster ging, um dann als Ordensschwester Luitgardis im Jahre 1930 auf eine Mission in Südafrika auszuwandern.

Ausstellung liegt parat

Doch Ronigers konstruktives Wirken wäre nicht vollständig, wenn man nicht weitere Tätigkeiten erwähnen würde. So hat er bei der Herausgabe der Eichsler Ortschronik zusammen mit Gottfried Kähny, dem Adelhausener Dorfchronisten, den zweiten Teil „Das Vereinsleben in Eichsel“ geschrieben, und er hat zu „500 Jahre Eichsler Umgang“ an einer erfolgreichen Ausstellung mitgewirkt. Diese Ausstellung wollte er eigentlich 2020 noch einmal wiederholen, sie ist aber der Pandemie zum Opfer gefallen. Aber, so der Eichsler Dorfchronist: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, schließlich habe ich die Ausstellung jederzeit griffbereit.“

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