Rheinfelden Krankenhaus-Gebäude: Zukunft bleibt weiter offen

Das Schicksal des Kreiskrankenhauses Rheinfelden bleibt weiter offen. Ein Telnutzung, wie vom Förderkreis immer wieder vorgeschlagen, erscheint eher unwahrscheinlich. Foto: Ulf Körbs

Rheinfelden - Was passiert mit dem Gebäude des Kreiskrankenhauses Rheinfelden, wenn das Zentralklinikum in Lörrach seine Pforten öffnet? Eine Antwort des Fördervereins lautet: Ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) wäre eine Perspektive. Doch ist das die richtige Lösung?

Es gibt verschiedene Gründe, die dagegen sprechen. Da ist zum einen der Zustand der Bausubstanz des Gebäudes. Laut Armin Müller, Geschäftsführer der Kreiskliniken-GmbH, wäre nach dem Auszug des Kreiskrankenhauses eine Generalsanierung notwendig, die das Leitungssystem, andere Infrastruktur und vor allem den kostenträchtigen Brandschutz umfassen müsste. Was einen hohen Investitionsbedarf bedeutet. In der Presse machte Müller auch deutlich, dass die GmbH nach Schließung – laut derzeitiger Planung wird sie jenseits des Jahres 2025 erfolgen – die Immobilie einschließlich Grundstück zu verkaufen.

Mit dem ehemaligen Schwesternwohnheim ist das schon geschehen, hier ist die Stadt der neue Eigentümer. Es wurde mittlerweile auf Kosten der Kliniken-GmbH abgebrochen (wir berichteten). Eine künftige Nutzung steht noch in den Sternen. Über eine spätere kommunale Nutzung des Hauptgebäudes ist man sich ebenfalls noch nicht im Klaren. Sie erscheint aber eher unwahrscheinlich.

Haltung der Stadt

Rheinfeldens Oberbürgermeister Klaus Eberhardt sperrt sich gegen eine Übernahme durch die Stadt, wie er mehrfach erklärte. So auch bei einer Informationsveranstaltung für die Öffentlichkeit zur künftigen medizinischen Versorgung am Hochrhein Anfang dieses Jahres. Dabei betonte er, ein MVZ nicht in Trägerschaft der Stadt zu sehen. Was auch nachvollziehbar ist. Denn aus zahlreichen Gesprächen mit Projektentwicklern hat der Rheinfelder Verwaltungschef als Erkenntnis gewonnen: „Manche Einrichtungen lassen sich nicht rechnen“, wie Eberhardt in den Medien zitiert wird. Zudem vertrat er in der erwähnten Informationsveranstaltung die Meinung, ein MVZ solle näher an den Patienten, also in der Innenstadt, angesiedelt werden.

Und genau das ist mittlerweile geschehen. Seit Anfang Juli hat die Praxis von Tibor Bojti an der Karl-Fürstenberg-Straße mitten in der Fußgängerzone ihre Rechtsform geändert und firmiert jetzt als Versorgungszentrum mit zwei Standorten. Denn auch die ehemalige Praxis von Heike und Welf Dieterich, die zum Jahreswechsel von Adam Molnar übernommen wurde, gehört als Zweitpraxis zum Zentrum.

Ausflug in die Geschichte

Damit wurde der Fortbestand der ältesten Praxis Rheinfeldens gesichert. Bekanntlich wurde sie im Jahre 1913 von Therese Herzog-Rennau gegründet, die zu den ersten Frauen gehörte, der es im damaligen Königreich Preußen erlaubt war, Medizin zu studieren. Herzog-Rennau wurde von der Ärztekammer mit der Albert-Schweitzer-Medaille ausgezeichnet und 1961 für ihre Verdienste von der Stadt Rheinfelden mit der Ehrenbürgerschaft gewürdigt. Doch Herzog-Rennau hat als Mutter Hadumoth Dieterich-Herzog noch eine weitere historischen Bedeutung für die Löwenstadt. Denn die Tochter führte nicht nur die Praxis fort, sondern war auch Ehefrau von Gerhard Dieterich, dem Gründer der ehemaligen Frauenklinik Rheinfelden.

MVZ Rheinfelden

Zurück zum MVZ Rheinfelden. Unter der Leitung von Bojti sind an den beiden Standorten – Karl-Fürstenberg-Straße 6-8 und Therese-Herzog-Weg 1 – 18 Mitarbeiter, darunter fünf Ärzte, tätig. Die Schwerpunkte liegen bei der Inneren und der Allgemeinmedizin. Das MVZ soll im kommenden Jahr im Hochrheincenter II konzentriert werden. Dort soll insbesondere der Patienten-Empfang deutlich mehr Platz bekommen.

Alternativen

Ein innenstadt-nahes MVZ gibt es also schon in Rheinfelden. Was also soll mit dem Kreiskrankenhaus werden? Friedrich Hauß, Vorsitzender des Förderkreises und selbst im Haus als Arzt tätig, beschrieb alternative Überlegungen der Krankenhausfreunde unlängst bei einer Spendenübergabe an das Pflegepersonal. Danach wäre in seinen Augen eine Nachnutzung im geriatrischen Bereich denkbar, aber auch ein Hospiz oder ein Angebot für betreutes Wohnen vorstellbar.

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