Rheinfelden Ein Akt der Selbstjustiz

Die Oberbadische, 15.05.2018 17:06 Uhr

Rheinfelden (dr). Vor dem Schöffengericht Lörrach begann am Montag eine Verhandlung, in der ein 45 Jahre alter Mann der Geiselnahme und eine 78 Jahre alte Frau der Beihilfe dazu beschuldigt werden. Die langwierige Beweisaufnahme war geprägt in ständigen Widersprüchen und Merkwürdigkeiten.

Täter und Opfer stammen aus Rheinfelden. Während der beschuldigte Mann keinerlei Angaben zur Sache und zur Person machte, gab die Frau umfänglich Auskunft.

Am 9. April 2015 soll der Angeklagte zwei Männer „von weit her“ engagiert haben, um den später geschädigten älteren Mann „ernsthaft zu befragen“. In einer längeren Vorgeschichte seien der Frau aus ihrer Wohnung 35 000 Euro Bargeld und Tafelpapiere – das sind anonyme Wertpapiere in Form einer Inhaberschuldverschreibung – im Wert von 350 000 Euro gestohlen worden sein. Einbruchsspuren hatte die Polizei keine gefunden - es müsse ein Schlüssel verwendet worden sein. Die Ermittlungen verliefen im Sande.

Die Frau hatte zusammen mit ihrem bereits verstorbenen Mann zwei Autohäuser in Rheinfelden betrieben. Eines davon hatte der mitangeklagte Mann erst gepachtet und später gekauft. Der 45-jährige Mitangeklagte wohnte von 2014 bis 2016 im Haus der Angeklagten. Immer wieder hat die Frau dem Mann Geld geliehen, wenn er für die Lohnzahlung einmal wieder keine flüssigen Mittel hatte. Es seien so 100 000 Euro zusammengekommen, die der Mann nicht zurückgezahlt habe.

Durch gezielte Bemerkungen kam der Verdacht auf, dass ein gemeinsamer, älterer Bekannter der Dieb seien könnte. Aber statt der Polizei diesen Verdacht zu melden besorgte der 45-Jährige die zwei Schlägertypen. Um diese zu bezahlen ließ er sich von der Frau 4000 Euro geben.

Am Tattag wurde der verdächtigte Mann in die Wohnung der Frau bestellt. Kaum war er angekommen, wurde er von den beiden, namentlich unbekannten, Männern überwältigt. Sie hätten ihn gepackt und an einen Stuhl gefesselt. Der Mund sei mit Klebeband zugeklebt worden.

In der Zeit waren die 78-jährige Frau, der 45-jährige Mann und dessen Schwägerin in die Wohnung des Opfers gefahren und hätten dort die Tafelpapiere gesucht, sie aber nicht gefunden.

Drei Stunden wurde der Geschädigte befragt. Seine Angaben waren sehr ungenau. Immer wieder hieß es: „Das könnte möglich sein.“ Ferner kam heraus, dass der Geschädigte darauf abzielte, eine Entschädigung und Schmerzensgeld von 15 000 Euro zuzüglich einer monatlichen Rente zu bekommen. Merkwürdig auch, dass der Geschädigte erst 15 Monate nach der Tat diese zur Anzeige gebracht hatte. Nach vier Tagen hätte er die Anzeige zurückgezogen.

Die durchaus vermögende angeklagte Frau hat inzwischen erneut geheiratet. Wie eine Zeugin aus dem entfernteren Familienkreis der Angeklagten berichtete, hätten einige männliche Bekannte der Frau durch die neue Liaison „ihre Felle wegschwimmen sehen“.

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