Rheinfelden Ein Fenster zur Welt

Jürgen Scharf
Mit „Ausblicken aus ihrem Fenster“ schuf die Malerin Jeannette Frei aus Grenzach-Wyhlen ein bemerkenswertes Malprojekt. Foto: Jürgen Scharf

Zimmer mit Aussicht: Wenn die Malerin Jeannette Frei von ihrem Schreibtisch aus im ersten Stock ihres Hauses durch das Fenster schaut, erblickt sie eine verwilderte Wiese voller Brombeergestrüpp, am Rand einen Apfelbaum, den Nachbarzaun, das Gartenhaus, weiter hinten Hütten, Büsche und Bäumen.

Jürgen Scharf

Rheinfelden. Eigentlich ein ganz unspektakulärer Ausblick aus ihrem Fenster. Aber Jeannette Frei wäre keine Malerin mit dem siebten Sinn für Farben und Stimmungen, wenn ihr diese Aussicht nicht künstlerische Einsicht gegeben hätte.

Eine Fensterschau ist aus diesem Fensterblick geworden. Sie ähnelt der „Fensterschau“ im naturalistischen Drama, wo sie ein theatertechnisches Mittel ist, um gleichzeitiges Geschehen darzustellen.

Bei Freis Bilderserie, die auf Fotos basiert, die während eines ganzen Jahres zu verschiedenen Tageszeiten von ihrem Schreibtischfenster aufgenommen wurden, handelt es sich aber um eine malerische Fensterschau in die Natur.

Fenstermotiv in der Kunstgeschichte beliebt

In der Kunstgeschichte ist das Fenstermotiv ja beliebt, angefangen von Caspar David Friedrich über Matisse und Dali bis zu Gerhard Richter.

Jedes der über 30 Bilder von Jeannette Frei, die zurzeit in der Rheinfelder Rathausgalerie hängen, ist ein kleiner Ausschnitt der äußeren Welt, je nach Jahreszeiten, Lichtverhältnissen und Stimmungen. Der Blick aus diesem einzigen Fenster diente der Malerin als Vorlage für ein spannendes Malprojekt, für das sie ein Kunststipendium des Landes erhalten hat. Mit Farbe hielt sie die Lichtstimmungen der Fotos fest. Sie ist ein richtiges Schauspiel der Jahreszeiten und unterschiedlichen Atmosphären, diese Serie mit schönen Aussichten, und sie öffnet auch ein Fenster der Erkenntnis und ein Fenster als Experimentierfeld.

Der Fensterblick beschränkte die Wahrnehmung auf die Landschaft, den Himmel und auf die Natur im Wandel von Frühling bis Winter. So sieht man Bäume im leuchtenden Morgenlicht, bei gleißendem Sonnenschein, bei rot glühendem Sonnenuntergang, unter zartem rosa Abendhimmel, unter dramatisch dunklen Gewitterwolken, bei Vollmond, aber auch ein Ausblick, der ganz in Nebel verhangen ist, oder ein winterlicher bei Schneefall, bei Frost und Raureif, wenn die Welt wie verzaubert ist.

Auch die Vogelwelt, die sich beim Blick durchs Fenster auftat, hat Jeannette Frei festgehalten, die Krähenschwärme, ein Mäusebussard auf dem Apfelbaum. Ihre Bilder, die aus dem „Fenster-Rahmen“ fallen, hat die Künstlerin als Annäherung an dieses Stück Landschaft empfunden und als eine Hommage an ein Gebiet, das irgendwann einer Umgehungsstraße weichen soll.

Überraschende Ein- und Ausblicke

Von Bild zu Bild ist es interessant zu sehen, wie sich die Fensterblick-Motive ändern, mal expressiv gemalt sind, mal naturalistisch, mal gestisch. Es ist eine wunderbare Illusionsmalerei, die die gesehene äußere Welt zweidimensional auf Bildträger bannt, und überraschende Einblicke in die Vielfalt eines einzigen Fensterausblicks ermöglicht. Mit diesem will die Malerin zeigen, dass es auch in der nahen Umgebung, direkt vor der eigenen Haustür, Schönes zu entdecken gibt: ein Fenster zur Welt.

 Bis 9. September, zu den Öffnungszeiten des Rheinfeldener Rathauses – Mo-Do 9-12, Do 14-17, Fr 9-13 Uhr

  • Bewertung
    0

Umfrage

Wladimir Putin

Der russische Präsident Wladimir Putin droht im Ukraine-Krieg mit dem Einsatz von Atomwaffen. Wie schätzen Sie die Aussage ein?

Ergebnis anzeigen
loading