Rheinfelden Entzückender Edelsopran

Foto: Jürgen Scharf Foto: Die Oberbadische

Von Jürgen Scharf

Beuggen. Regula Mühlemann in Schloss Beuggen – das hat sich herumgesprochen, denn der Rittersaal war am Sonntag voll besetzt. Der junge Schweizer Edelsopran fasziniert nicht nur prunkvoll mit Schmuck behangen als schillernde Cleopatra in Barockarien, sondern auch in einer Art Land-Look, einem an ein ländliches Festgewand erinnernden Kleid und reizendem Kopfputz aus Blumen, im romantischen Liedgut.

Der Luzerner Sopran-Export ist aber nicht nur hübsch anzusehen, Mühlemann überzeugt auch sängerisch. Dieses Repertoire gestaltet sie so, dass es den Zuhörer von der Stimme und dem Ausdruck her entzückt: mit präziser Artikulation, schönen Legatobögen, substanzvollem Piano und bester Diktion. Ihr sehr persönliches, intimes Liederalbum, das sie mit liebenswürdigen verbindlichen Worten vorstellte, umfasste neben Franz Schubert Schweizer Komponisten in allen vier Landessprachen: Deutsch, Französisch, Rätoromanisch, Italienisch, als fünfte „inoffizielle“ Landessprache kam noch Schweizerdeutsch hinzu.

Ein „exotisches“ Programm mit unbekannten, aus Archiven ausgegrabenen Schweizer Komponisten, ein Programm auch, das von Heimat- und Naturverbundenheit zeugte. Einen größeren Liedblock war dem Spätromantiker und Wagner-Freund aus Zürcher Tagen, Wilhelm Baumgartner, gewidmet, der wie viele Komponisten seiner Zeit Heine, Mörike, Eichendorff vertonte. Diese Lieder haben Qualität und sind eine wertvolle Entdeckung. Mühlemann lässt bei diesen und anderen CH-Liedern nie den Eindruck kompositorischer Kleinmeisterei entstehen und begeistert als nuancierte Erzählerin.

Vom Aufführungsort sehr angetan

Natürlich durfte der wichtigste und sehr poetische Schweizer Liedkomponist Othmar Schoeck nicht fehlen. Seine frühe Eichendorff-Vertonung „In der Fremde“ war passend zum frühromantischen Fach bei diesem Liedrecital. In Schuberts „Auf dem Strom“, eigentlich mit Hornsolo (die Pianistin spielte zum Klavierpart noch die Hornpartie), war Regula Mühlemann sichtlich vom Aufführungsort und dem herrlichen Ausblick begeistert. Wo könnte man das Lied auch besser aufführen als hier, wo der Rhein am Fenster vorbeifließt?

Auch wenn man der Sprache nicht mächtig war – charmant klangen sie, das schwyzerdütsche Edelweiß-Lied, oder das rätoromanische Frühlingslied aus dem Bündnerland. Im Tessin wurden die Künstlerinnen musikalisch nicht fündig, so mussten sie beim Italienischen auf Schubert und Rossini zurückgreifen, um der vierten Landessprache gerecht zu werden. Rossinis „La Pastorella“ war in Mühlemanns charmanter Gesangsmanier, die auch dem Rossinischen Canto fiorito, mal ernst, mal spielerisch zu singen, entsprach, ein wahres Kabinettstückchen in der Art eines alpenländischen Koloratur-Jodlers.

Glänzend unterstützt wurde die sympathisch und sehr natürlich wirkende Sängerin von Tatiana Korsunskaya, die eine langjährige Zusammenarbeit mit der Sopranistin verbindet. Die Pianistin begleitet die Vokalsolistin nicht nur ebenbürtig und einfühlsam, sondern setzt auch solistisch Akzente. In Liszts „Au lac de Wallenstadt“ aus dem Schweiz-Kapitel der „Années de Pèlerinage“ differenziert sie die melancholische Harmonie mit sensiblem Anschlag aus.

Die beiden Künstlerinnen sind dabei, dieses romantische Liedprogramm auf CD aufzunehmen.

Sie möchten alle Nachrichten aus Ihrer Gemeinde lesen?
Dann testen Sie unser ePaper – 3 Wochen völlig gratis und unverbindlich! Klicken Sie HIER.

Newsticker

blank

Umfrage

fafe02b0-19df-11ea-8a47-8b6f47fa27ae.jpg

Beim vergangenen SPD-Parteitag wurden die Außenseiter Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans an die Spitze gewählt. Werden die Sozialdemokraten mit der neuen Personalie an Stärke gewinnen?

Ergebnis anzeigen
loading