Rheinfelden Er ist „ein unheimlich sympathischer Mensch“

Rund 200 Zuschauer erlebten die Aufführung des afghanischen Films „Verbotene Liebe“ in der Reihe „Begegnung in der einen Welt“. Foto: zVg/Artur Spengler

Rheinfelden - Rekordbesuch beim zweiten Film der dreiteiligen besonderen Film-Reihe „Begegnung in der einen Welt“: Rund 200 Zuschauer fanden sich zu Präsentation des Films „Verbotene Liebe“ des afghanischen Drehbuchautors, Produzenten und Protagonisten Sayed Islam Sadat im Rheinfelder Pfarreizentrum St. Josef ein, darunter fünfzig Afghanen oder persisch sprechende Personen. Mit einem solchen Andrang hatten die Veranstalter nicht gerechnet – fleißig wurde nachgestuhlt und schließlich noch die Empore geöffnet.

Für die Veranstalter begrüßte Jörg Hinderer, Kirchenbezirksbeauftragter für Flucht und Migration sowie Koordinator im Freundeskreis Asyl Rheinfelden, die Anwesenden. Er und das Publikum beklatschten lautstark die drei Frauen, die das schmackhafte afghanische Essen gekocht hatten: Kimia Kohistani mit ihrer Tochter Fereshta sowie Farideh Noori. Hinderer verwies darauf, dass der afghanische Drehbuchautor und Hauptdarsteller extra aus Nordrhein-Westfalen angereist sei, um seinen Film „Verbotene Liebe“ zu zeigen – dessentwegen er aus Afghanistan habe fliehen müssen.

Liebesgeschichte zwischen jungem Moslem und Hindu-Frau

Der Film erzählt eine Liebesgeschichte zwischen einem jungen Moslem und einer Hindu-Frau – eine verbotene Liebe, der zudem Intrigen, Korruption und Gewalt zusetzten. Hinderer, der den Film zuvor nicht hatte ansehen können mangels DVDs oder Internetvideos, zeigte sich vom typisch afghanischen Action-Filmstil und der dargestellten Brutalität überrascht, was im Kontrast zu den üblicherweise als Film des Monats gezeigten Filmen stand. Er könne verstehen, dass dies einzelnen Besuchern zu viel gewesen sei und sie den Film frühzeitig verließen – dennoch lohne es sich, durchgehalten zu haben und nun mit Sayed Islam Sadat ins Gespräch zu kommen.

Der begrüßte seine Landsleute in seiner Muttersprache. In ausgezeichnetem Deutsch dankte er für die Möglichkeit, seinen Film zu zeigen, da er ihn in Afghanistan nur einmal habe zeigen können. Die Drohungen, die er danach von Seiten der Taliban erhielt, ließen ihn 2015 nach Deutschland flüchten. Grund der Drohungen war die – aus Sicht der Taliban – nicht tolerierbare Liebe eines Moslem zu einer Person anderen Glaubens. Keine Polizei oder Regierung könne ihn dort schützen, sagte Sadat. „Die Darstellerin der Hindu-Frau ist spurlos verschwunden. Ein anderer Darsteller ist bei einem Bombenanschlag der Taliban vor wenigen Monaten getötet worden“, trauerte er.

„Keine Abschiebungen nach Afghanistan“

Daraus leitete er seine persönliche Forderung an die Politik ab: „Keine Abschiebungen nach Afghanistan.“

Fragen aus dem Publikum zu Lösungsansätzen der afghanischen Situation, aber auch zur Entstehung des Filmes und den Reaktionen aus seiner Familie schlossen sich an. Eine Eidgenossin lud ihn mit dem Film spontan in die Schweiz ein. Kontaktdaten wurden ausgetauscht, wenngleich Sadat sagte: „Ich darf nicht in die Schweiz einreisen. Mein Asylantrag wurde abgelehnt, ich habe bisher nur eine Duldung.“

Noch lange fand man Sadat nach Veranstaltungsschluss im Gespräch mit zahlreichen Personen, mal auf persisch, meist auf deutsch. Viele äußerten sich begeistert über Sadat, wie zurückhaltend, klar und sprachlich überzeugend er wirke. „Ein unheimlich sympathischer Mensch“, befand ein älterer Besucher.

  • Als drittes wird am Montag, 11. März, ab 19.30 Uhr ein arabischer Film gezeigt – welcher, wird noch bekannt gegeben.

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