Rheinfelden Hunger auf Kultur sättigen

Die Rheinfelder Kulturamtsleiterin Henrike Fuder lässt in ihrem engagierten Wirken für die Kultur nicht nach.Foto: zVg Foto: Die Oberbadische

Seit 1. Mai ist Henrike Fuder Kulturamtsleiterin in Rheinfelden als Nachfolgerin von Claudius Beck. Die 40-Jährige, die viel Kulturerfahrung aus verschiedenen Sparten mitbringt, startet gut vorbereitet und mit viel Enthusiasmus in ihren neuen Job. Corona allerdings hat auch hier alles auf den Kopf gestellt.

Rheinfelden. Viel schlimmer hätte es eigentlich kaum kommen können. Nach nur wenigen Monaten einigermaßen „normalen“ Kulturlebens mussten auch in Rheinfelden Schritt für Schritt Veranstaltungen gemäß neuer und sich ständig verschärfender Hygienemaßnahmen umgeplant und später auch gestrichen beziehungsweise verlegt werden. „Wer glaubt, wir haben angesichts Corona wenig zu tun, der irrt gewaltig“, sagt Henrike Fuder im Gespräch mit unserer Zeitung. Es sei ein enormer Aufwand gewesen, Platzkontingente der Konzerte oder Kabarett-Veranstaltungen umzuorganisieren, Abo-Inhaber anzuschreiben oder zu versuchen, einiges nach draußen zu verlegen. Streaming, Autokino, ein Foto-Marathon oder Tempus fugit-Stücke, dazu statt Vernissage eine Midissage in Haus Salmegg, nennt Fuder als Beispiele. „Für die Umorganisation eines Meisterkonzerts im September hatten wir beispielsweise den vier- bis fünffachen Aufwand.“ Auch jetzt raucht ihr zuweilen der Kopf. „Das ist ähnlich wie in den Reisebüros: Jede Menge Rückabwicklungen“, stöhnt sie. Verträge müssen umgeschrieben werden, die Änderungen gilt es bei all dem Corona-Wirrwarr entsprechend zu kommunizieren.

Bislang hofft sie auf die Realisierung geplanter Februar-Veranstaltungen, es wären die ersten seit dem Lockdown, darunter Kabarett, Konzert und Kindertheater, alles natürlich wieder entsprechend reduziert.

Schwer im Magen liegt das Thema Finanzen

Das Rheinfelder-Kulturjahr 2021 ist komplett durchgeplant. Ob und wie das funktioniert, fragt sich auch die Kulturamtsleiterin. Schwer im Magen liegt ihr das Thema Finanzen. „Angesichts der Haushaltsplanungen, die massive Einsparungen auch im Kulturbereich vorsehen – besonders bei den freiwilligen Leistungen – wird das Jahr sicher heftig.“ Frustrierend sei das schon. Schließlich hat sie ihren Job mit dem Ziel begonnen, Kultur aufzubauen, und nicht, um Einsparungen vorzunehmen. „Da muss man die Nerven bewahren“, macht sie sich und allen Kulturfreunden Mut. Mit Geldknappheit kann sie jedenfalls gut klarkommen. Da sie jahrelang alleinerziehend zwei Kinder großzog, weiß sie, wovon sie spricht.

Henrike Fuder hat schon jede Menge gewuppt. Die studierte Germanistin hat zudem Pädagogik, mündliche Kommunikation sowie Bühne/Film/Medien studiert, absolvierte berufsbegleitend ein Kulturmanagement-Studium. Sie hat Erfahrungen in verschiedenen Sparten gesammelt, im Rundfunk sowie im Fernsehen. Verantwortlich war sie für Veranstaltungsformate für Kinder und Jugendliche, sie kennt sich in Marketing und Pressearbeit aus, und sammelte internationale Erfahrung als Projektmanagerin am Festspielhaus Baden-Baden und verfügt somit über ein breites Netzwerk.

Kein Wunder, dass sie trotz zahlreicher qualifizierter Bewerbungen auf die Kulturamtsleiter-Stelle im Januar die Stadtspitze sowie den Rheinfelder Gemeinderat überzeugen konnte.

Was könnte man verbessern?

Als sie Anfang des Jahres die Zusage bekam, stürzte sie sich mit Begeisterung in die Kulturlandschaft der Regio, insbesondere natürlich der Rheinfeldens. „Was könnte man hier verbessern, was ergänzen, was gilt es unbedingt zu bewahren – nach diesen Kriterien ging sie die Thematik an. „Ich wollte ja nicht alles auf den Kopf stellen. Eines meiner Ziele ist aber beispielsweise, im Kinder- und Jugendbereich die Musikvermittlung auszubauen.“

Rheinfelden findet Henrike Fuder eine „spannende Kombination“. Auf der einen Seite die industrielle Prägung, auf der anderen Seite die schöne Altstadt auf Schweizer Seite – und auf beiden Seiten unterschiedliches Publikum. Natürlich könne man die hiesige kulturelle Infrastruktur nicht mit Lörrach oder gar Basel vergleichen, betont sie. Dennoch habe Rheinfelden Potenzial: Große Orchester mit Meisterkonzerten, Kammermusik, Straßentheater, Kindertheater, die Kabarett-Reihe oder schöne Ausstellungen in der Rathaus-Galerie und natürlich im Kleinod Haus Salmegg, nennt sie beispielhaft. Ihre Erfahrungen im kulturellen Austausch mit den Schweizer Nachbarn sind bestens. Sie sei sehr herzlich begrüßt worden. Die Zusammenarbeit beispielsweise bei der Produktion des gemeinsamen Heftes „2 x Rheinfelden‘ sei bisher auf Augenhöhe gelaufen.

Henrike Fuder freut sich und hofft auf das Jahr 2021. „Diese Stadt ist superbunt, eine tolle Spielfläche.“ Diese endlich ohne das bremsende Virus bespielen zu können, darauf arbeitet sie hin.

Jetzt gelte es, die Nerven zu bewahren. Dafür hat sie ihre eigenen Strategien entwickelt.Wandern hilft, kreatives eigenes Schreiben, Raku-Brand und Holzbildhauerei gehören dazu. Und die Gewissheit, dass sie sich selbst trotz allem in einer privilegierten Situation befindet. „Man denke nur, an die vielen anderen Kulturschaffenden, aber auch an Veranstalter, Grafiker, Kostümschneiderinnen und und und...Sie alle sind extrem bedroht.“ Sie hofft auf den Kulturhunger der Rheinfelder nach der Krise. „Diesen Hunger möchte ich dann gerne sättigen.“

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