Rheinfelden Jugendhaus schreibt Erfolgsgeschichte

Die Oberbadische, 14.11.2017 20:43 Uhr

Von Ulf Körbs

Der Rheinfelder Sozialausschuss zog am Montag seinen Hut vor der Mannschaft des Jugendhauses am Tutti-Kiesi-Areal: Sie betreute im zurückliegenden Jahr beinahe 9400 Besucher. Und das, obwohl eine 100-Prozent-Stelle derzeit nicht besetzt ist.

Rheinfelden. Das Jugendhaus erfreue sich einer „abartigen Beliebtheit“, fasste Leiterin Anna Hinnah ihren Bericht zusammen, den sie ausgesprochen engagiert vorstellte. Ganz offensichtlich gehen sie und ihre Mannschaft mit viel Herzblut zur Sache, denn wie Bürgermeisterin Diana Stöcker festhielt, hätte der an vier Tagen in der Woche geöffnete Jugendtreff wegen der seit einem halben Jahr bestehenden Vakanz eigentlich an zwei Abenden geschlossen werden müssen.

Da es sich aber um ein „verlässliches Angebot der offenen Jugendarbeit“ handelt, haben Hinnah und ihre Mitarbeiter den Betrieb trotzdem aufrecht erhalten. „Wir arbeiten im Schichtbetrieb“, stellte sie fest. Dabei orientieren sie sich an fünf Prinzipien, wie sie erklärte: Offenheit, Freiwilligkeit, Partizipation, Lebensweltorientheit und Geschlechtergerechtigkeit.

Die Offenheit wird gewährleistet, weil alle Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 21 Jahren Zutritt haben. Dabei können sie alle Angebote freiwillig nutzen, aber auch einfach nur „abhängen“. Sinnbild für die Partizipation ist auch der neu geschaffene Jugendhausrat mit den unter den regelmäßigen Besuchern gewählten Mitgliedern. Die Orientierung an der Lebenswelt der Jugendlichen wird hergestellt, indem sich die Mannschaft gezielt an den Themen und Bedürfnissen der Jugendlichen orientiert. Und durch die Geschlechtergerechtigkeit wird garantiert, dass das Jugendhaus kein Ort der männlichen Dominanz ist. Dies zeigt auch die Tatsache, dass – im Gegensatz zu anderen Einrichtungen dieser Art – rund ein Viertel der Besucher Mädchen sind. „Darauf sind andere neidisch“, erklärte Hinnah auf Nachfrage von SPD-Stadträtin Regina Wessely.

Die Jugendhausleiterin berichtete auch, wie es zugeht, wenn abends geöffnet wird: „Da stehen die Jugendlichen schon wartend vor der Tür. Manche betteln sogar, schon früher rein zu dürfen.“ Und wird aufgeschlossen, dann drängeln sie hinein. „Aber jeder gibt uns die Hand zur Begrüßung“, staunte selbst Hinnah.

Sie schilderte auch einen besonders wichtigen Bestandteil der Tätigkeit von ihr und den anderen Betreuern: Beziehungsarbeit. Diese sei jegliche Basis der offenen Jugendarbeit. Dabei müssten die Jugendlichen als eigene Individuen aner­kannt und ihnen authentisch und wohlwollend begegnet werden. Das bedeute auch, ihnen zuzuhören und zu begleiten.

Hinnah gab auch einen Ausblick auf das kommende Jahr. Ein wichtiges Ereignis wird dabei am Samstag, 3. März, stattfinden: Das Jugendhaus feiert seinen fünften Geburtstag: „Merken Sie sich schon den Termin vor, es gibt ein Riesenfest“, forderte sie die Ausschussmitglieder auf. Zudem wolle man durch eine noch stärkere Kooperation mit den Schulen die Kapazitäten des Hauses am Vormittag nutzen, „auch wenn wir schon jetzt manchmal gar keinen freien Termin mehr haben“, wie die Leiterin festhielt. Was vielleicht auch daran liegt, „dass die richtige Frau am richtigen Platz“ ist, wie Stadträtin Rita Rübsam lobend feststellte.

 
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