Rheinfelden Karsau versteht Welt nicht mehr

Die Halle beim alten Sportplatz des SV Karsau darf künftig für Feste und ähnliche Aktivitäten nicht genutzt werden. Das hat die Stadtverwaltung jetzt verfügt. Beim SV Karsau versteht man die Welt nicht mehr. Foto: Gerd Lustig Foto: Die Oberbadische

Beim Spotverein Karsau (SVK) versteht man die Welt nicht mehr. Monatelang hatte der Vorstand um den seit elf Jahren amtierenden Vorsitzenden Alexander Loritz versucht, in Verhandlungen mit der Stadt einen Kompromiss zur weiteren Nutzung der Halle beim alten Sportplatz auf den Weg zu bringen. Doch jetzt kam das endgültige Aus.

Rheinfelden-Karsau. Und das heißt: Die Halle neben dem alten Vereinsheim des SVK darf ab sofort nicht mehr für Feste und ähnliche Aktivitäten, bei denen sich Menschen versammeln, genutzt werden. Bereits seit dem Sommer vergangenen Jahres, als die „Wilden-Clique“ ihr Jubiläum feiern wollte, dies jedoch von der Verwaltung abgelehnt wurde, schwelte das Problem der Nutzung der fast 60 Jahre und regelmäßig als Festschopf genutzten Halle. Statik, mangelnder Brandschutz sowie die fehlende Baugenehmigung waren als Gründe ins Feld geführt worden.

Am Rande der Behördenwillkür

„Das ist ein echtes Ärgernis, das ist schon am Rande der Behördenwillkür“, kommentierte in einer ersten Stellungnahme Ortsvorsteher Jürgen Räuber, der im Sinne des SVK bis zuletzt auf eine Einigung gehofft hatte. Die Entscheidung lasse jegliches Fingerspitzengefühl vermissen. „Wir akzeptieren die Entscheidung, sind aber sehr enttäuscht“, gab der Vorsitzende Alexander Loritz zu Protokoll. Und sogleich hatte er sich daran gemacht, einen persönlichen Brief an Oberbürgermeister Klaus Eber­hardt in dieser Angelegenheit zu schicken. Darin heißt es unter anderem, dass seit fast 60 Jahren die Halle in Karsau als Treffpunkt für einheimische und auswärtige Besucher als gerne angenommener Treffpunkt zur Verfügung stehe. Die Stadt selbst habe dort gut und gerne gefeiert.

Dass sich Vorschriften im Laufe der Jahre ändern, sei ihm bewusst. „Aber ich denke, dass seitens der Stadt sicherlich Spielraum für solche Fälle vorhanden wäre“, meint Loritz. Wenn man im Verein nicht Menschen hätte, die Verantwortung auf sich nehmen würden wäre der Club schon lange nicht mehr da.

Konsequenz der jetzigen Entscheidung sei unter anderem, dass spontan bereits drei Mitglieder mitgeteilt hätten, dass sie künftig nicht mehr zur Verfügung stehen, alleine aus Protest. Schlussendlich gab er sich kämpferisch und betonte: „Wir werden ab heute zwar mehr Aufwand betreiben müssen, aber wir werden das wegstecken und versuchen die Menschen, die sich auf uns verlassen, nicht zu enttäuschen.“

Auch Uwe Wenk, Ortschaftsrat, Gemeinderat und Mitglied des Vorstandes des Fördervereins vom SV Karsau, hat ebenfalls an Eber­hardt aus „Frust über diese Hiobsbotschaft“ geschrieben. „Dies ist kein ehrlicher Umgang miteinander“, verschaffte er seiner Enttäuschung Luft. Bei der am 20. April durchgeführten Vor-Ort-Besprechung, an der die Herren Rooks und Burger vom Baurechtsamt teilgenommen haben, habe sich Burger als Sachbearbeiter geäußert, dass die Verkleinerung der Festhalle auch in den damaligen Diskussionen mit der Nutzung der Halle anlässlich des Wilden-Festes sein Vorschlag gewesen war. Warum der Vorschlag des SV Karsau, die Halle zu verkleinern und zu ertüchtigen, jetzt einfach so abgelehnt werde, könne er nicht begreifen. Der Argumentation, „dass dieses nicht genehmigte Vorhaben im Außenbereich, insbesondere bei öffentlichen Veranstaltungen, als Vorbild für andere öffentliche Veranstaltungen in ähnlichen Gebäuden dienen könnte,  und gegebenenfalls zur Nachahmung animiert“, könne er nicht folgen.

„Für mich ist der Eindruck entstanden, dass es nur darum geht, ein Exempel zu statuieren“, ärgert sich Wenk und fährt fort: „Im Umgang mit den jeweils verantwortlichen Ehrenamtlichen der Vereine hätte ich mir grundsätzlich mehr Bürgerfreundlichkeit gewünscht.“

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