Rheinfelden Kein Bild ohne Geschichte

Die Oberbadische
Zwischen Jetztzeit und Vergangenheit bewegen sich die Frauenbilder von Beate Fahrnländer.                 Foto: Jürgen Scharf

Von Jürgen Scharf

Rheinfelden. Vergangenheit und Neuzeit treffen in den Porträtserien von Beate Fahrnländer aufeinander. In der repräsentativen Werkschau im Haus Salmegg, der bis jetzt größten Einzelausstellung der Künstlerin, hängt im Hauptraum, welcher der Ausstellung den Titel „Zeitlos“ gegeben hat, eine Reihe gemalter Skulpturenporträts nach historischen Vorlagen.

Es sind Schutzmantelmadonnen und Heiligenfiguren oder Frauen aus der Renaissance, wie die Skulptur einer jungen Frau aus dem 15. Jahrhundert aus bemaltem Terrakotta. Sie wirken auf den heutigen Betrachter, als wären es Menschen aus unserer Zeit.

Entdeckt hat die Malerin, die aus Leipzig stammt, diese klassischen Skulpturen in Museen, Kirchen und Schlössern, vor allem im Bode-Museum Berlin. In anderen Bildern beruft sie sich auf alte Fotos als Bildquellen, die sie in ihrem typischen expressiv-figurativen Malstil umsetzt. Dabei scheint immer ein Stück Modernität und Experimentierfreude durch, etwa in den Gesichtern, die „Richter-mäßig“, also verwischt im Stil von Gerhard Richter gemalt sind.

In diesem Hauptraum, in dem sich die Jetztzeit und die frühere Zeit unter dem erwähnten Motto vermischen, fallen auch Filmstills wie der zu Wim Wenders Roadmovie „Paris, Texas“ ins Auge.

Fahrnländer arbeitet gerne seriell, hat viele Bilderserien gemalt, und es existieren ganze Familienserien, in denen manches Autobiografisches steckt. So sieht man ihre Tochter als Kind auf der Schaukel, ein Erinnerungsbild. Sie habe hier wohl selbst eine „Familienaufstellung“ gemacht, merkt die Künstlerin dazu an.

Im Lockdown hat sich Beate Fahrnländer ins Atelier zurückgezogen, sich mit der Pandemie auseinandergesetzt und viel gemalt. Extra für die Rheinfelder Schau entstanden sind die Bilder von der Sehnsucht nach Wasser, Meer und Natur, die gleich im Eingangsbereich hängen, wohl Kindheitserinnerungen an die Ostsee.

Es ist ein analytischer Blick zurück in die eigene Jugend und noch viel weiter zurück in die Geschichte. Da wird die Frau in dem Renaissancegewand oder die Person im Burkini in Verbindung gebracht mit einem früheren Badehäuschen für Frauen.

In solchen spezifischen Zeit- und Frauenbildern bringt Beate Fahrnländer die Frühzeit mit der Jetztzeit in einem erzählerischem Stil zusammen, einer Mischung zwischen Illustration und Malerei, der einerseits auf die eigentliche Illustratorin hinweist, aber auch auf die Herkunft von der Leipziger Schule. Es gibt bei Fahrnländer kein Bild ohne Geschichte(n).

Das trifft vor allem auf die schon 2014 in Lörrach ausgestellten Kriegsbilder „100 Jahre Welt im Krieg“ (nach Schwarz-Weiß-Fotografien aus den 1920er Jahren) zu, die ein besonderes Augenmerk auf Kinder legen, die als Opfer und Mitläufer missbraucht wurden.

Nach den düsteren Kriegsthemen in diesem Raum eröffnen sich im folgenden „Kindheitsraum“ sowohl Erinnerungen an schöne Kindheit als auch an traumatische Ereignisse. Auch hier sind wieder Familienbilder zu besichtigen.

Jeder Raum hat ein anderes Thema. So gibt es einen „Schönheitssaal“ mit Werkbeispielen aus der Serie „Engel im Alltag“: Da wird ein Engel in einer Kirchenraumsituation angelegt, der Rest ist für Bildnisse schöner Damen reserviert.

In einem kleinen Grafikkabinett sollte der Besucher auch die kleinformatige Serie von Siebdrucken beachten, die Motive der Malerei in anderer Technik mit unterschiedlichen Farbeffekten aufgreift. Und in der ehemaligen Küche wird ein weiteres Mal auf Porträts und Menschenbilder sowie auf ein technisches Experiment mit Stencil-Schablonen hingewiesen: In einer Hommage auf Persönlichkeiten, die dieses Jahr 100 wurden, erscheinen Joseph Beuys und Sophie Scholl als Graffiti auf Karton. Auch wieder eine Art zeitloser Erinnerung.  Bis 7. November, Sa und So 12-17 Uhr. Die Künstlerin ist meistens anwesend.

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