Rheinfelden Klare Mozart-Interpretation

Überzeugte mit klassischer Musik: der junge japanische Pianist Ryo Yamanishi bei den Rheinfelder Meisterkonzerten.Foto: Jürgen Scharf Foto: Die Oberbadische

Von Jürgen Scharf

Rheinfelden. Mit einem echten Wettbewerbsprogramm im Notenkoffer kam der junge japanische Pianist Ryo Yamanishi am Sonntag zum Auftakt der Meisterkonzerte nach Rheinfelden. Vor einem Jahr musste sein Auftritt verschoben werden, jetzt klappte es.

Ohne Pause spielte der aus Tokio stammende Pianist, der in Freiburg studiert, aber schon verschiedene Wettbewerbe gewonnen hat, darunter den ersten Preis beim Internationalen Bodensee-Musikwettbewerb 2019, der ihm auch den Weg zu diesem Auftritt ebnete. Schließlich sitzt der Veranstalter der Meisterkonzerte in der dortigen Jury.

Yamanishi, Mitte 20, konnte nicht nur die Juroren jenes Wettbewerbs überzeugen, sondern auch das Rheinfelder Publikum, das sich zwei Zugaben erklatschte.

Der junge Meisterpianist beginnt sein Recital mit Mozart. Für einmal nicht mit der berühmten A-Dur-Klaviersonate, „mit dem türkischen Marsch“, die sonst bei Klavierabenden gern ihren musikalischen Reiz entfaltet; er fängt mit der ungleich ernsteren c-Moll-Sonate KV 457 an, die keinen solchen Ohrwurm wie das Schwesterwerk in A-Dur hat, dafür aber stark berührt durch ihre Verinnerlichung.

Yamanishi zeigt eine klare und lautere Mozart-Interpretation. Die Musik wird nicht überfrachtet, sondern recht differenziert dargebracht, was Feinfühligkeit für Mozart beweist. Vor der großen Schubert-Sonate, der letzten von dessen Klaviersonaten, gab es wie gesagt keine Verschnaufpause. Auch der Zuhörer wurde gleich in die Welt der Abgründigkeit und Erregtheit der B-Dur-Sonate hineinversetzt.

Manche Klavierfreunde werden die berühmte Aufnahme von Svjatoslav Richter im Ohr haben, der dieses Großwerk betont langsam interpretierte, mit starken Akzenten. Längst nicht so breit und intensiv wie der große Richter spielt sie der junge Japaner, pianistisch und musikalisch aber gleichermaßen untadelig.

Gespannt wartet man auf den tiefen Triller am Schluss des Hauptthemas, aber dieser kommt eher unpathetisch und ohne viel Expression. Yamanishi legt mehr Wert auf eine austarierte Innenspannung, bleibt streng am Text und im Zeitstil Schuberts und zeigt ein akkurates Spiel bis in den Schlusssatz. Die lyrischen Momente im abgeklärten langsamen Satz hätten ruhig etwas stärker hervortreten dürfen, mit mehr Wehmut und Tristesse.

So bleibt die Musik an diesem Abend vollkommen schlicht. Und das ist durchaus anrührend, wie dieser hochtalentierte Nachwuchspianist die Schubert-spezifische Fragilität konturiert herausarbeitet und Schuberts Melos gestaltet: organisch und tragend.

Am lebendigsten legt er das Scherzo auf die Tasten; aber auch die Stockungen im Finalsatz sind präsent und zeugen von musikalischem Verständnis. Alles in allem gelingt es Yamanishi, die Größe Schuberts beispielhaft zu zeigen, ohne allzu tiefgründig zu schürfen. Dafür gibt er dem Zuhörer eine gewisse Geborgenheit.

Mit einer Schumann/Liszt- und einer Scarlatti-Zugabe bedankt sich Ryo Yamanishi beim Rheinfelder Publikum für die Aufmerksamkeit.

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