Rheinfelden Klingendes Jubiläum in St. Josef

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Es war wohl eher Zufall als Fügung, dass im Jahr der Stadterhebung, also vor 100 Jahren, am 18. Juni 1922, in der katholischen Pfarrei St. Josef ein bedeutendes Ereignis stattfand: die Weihe von vier sehnlichst erwarteten Glocken. Gestern wurde das klingende Jubiläum im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes gewürdigt.

Rheinfelden. Ursprünglich hätte die Glockenweihe bereits sieben Jahre früher stattfinden sollen – hätte nicht 1914 der Erste Weltkrieg begonnen. Zwar konnte ► die weitgehend fertiggestellte St. Josefs-Kirche ab 1915 genutzt werden; die Ausstattung mit einem Geläute jedoch war wegen der im Rahmen der Kriegswirtschaft verhängten Maßnahmen nicht möglich. Die von Glockengießereien benötigten Metalle wie Kupfer und Zinn wurden in der Rüstungsproduktion, für Patronen, Granaten und sonstige Geschosse gebraucht.

So also blieb die Glockenstube im Turm der Josefskirche bis auf Weiteres mehr oder weniger leer; man konnte sich notgedrungen nur mit der relativ kleinen Glocke der abgebauten und nach Albbruck verkauften Notkirche behelfen.

Ihre traurige Aufgabe bestand in den Jahren 1915 bis 1918 unter anderem darin, die steigende Zahl der Gefallenen der Stadt zu beklagenDiese „Totenglocke“ erfüllt auf dem Stadtfriedhof vor der Kapelle in ihrem kleinen, stählernen Turm noch immer ihren Zweck.

Die wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse ließen eine Glockenbeschaffung in angemessenem Umfang auch nach dem Ersten Weltkrieg erst einmal nicht zu. Zudem führte die Frage nach dem Material der gewünschten neuen Glocken zu kontroversen Diskussionen unter den Verantwortungsträgern: Jahrhunderte lang wurden Glocken aus Bronze (einer Legierung aus 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn) gegossen. Diese Metalle aber waren nach ihrem Missbrauch im Krieg rar und teuer. Nach zahlreichen Diskussionen fiel aus finanziellen Überlegungen die Entscheidung, die neuen Glocken nicht in Bronze, sondern in Gussstahl herstellen zu lassen, eine Methode, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfunden wurde, aber bis auf den heutigen Tag von den Experten als Notlösung und zweitklassig bewertet wird.

Den Auftrag für vier Glocken im Wert von 57 525 Reichsmark erteilte die Pfarrei im Oktober 1921 der Firma „Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation“.

Das neue Geläute umfasste vier Instrumente mit folgenden Namen und Klängen: St. Josef (Schlagton b, 3290 Kilogramm Gewicht), Ave-Maria, (Schlagton d, 1708 Kilo), St.Konrad (Schlagton f, 1212 Kilo) und Heilige Anna (Schlagton g, 895 Kilo).

Am 18. Juni 1922 wurden sie von Dekan Klär aus Öflingen geweiht; die Festpredigt hielt damals Pfarrer Schmidt aus Rheinfelden/CH.

In der Pfarrei St. Josef freut man sich, dass man die Erinnerung an die Glockenweihe im gleichen Jahr wie die Stadterhebung feiern kann, zumal es wegen der Pandemie 2021 nicht möglich war, die Kirchenkonsekration durch den damaligen „Rheinfelder“ Erzbischof Carl Fritz (geboren 1864 in Adelhausen) am 19. Juni 1921 gebührend wachzurufen.

Im Rahmen des gestrigen Festgottesdienst unter Leitung von Pfarrer Andreas Brüstle, mit Erinnerung an die Glockenweihe und Impuls zur Geschichte der Glocken von Paul Schmidle, wurde das Jubiläum nun gewürdigt.

Die kirchliche Erwachsenenbildung lädt zudem am Montag, 27. Juni, 19.30 Uhr, zu einem Vortrags-, Film- und Klang-Abend „Glocken seit 5000 Jahren“ ins Pfarreizentrum St. Josef ein. Referent wird der international bekannte frühere Glockensachverständige der Erzdiözese Freiburg, Kurt Kramer, sein. Der Vortrag spannt einen Bogen über einen Zeitraum von 5000 Jahren, von China über die Länder an Euphrat und Tigris ins Land der Bibel und nach Europa, und wird Klangbeispiele aus aller Welt präsentieren – von fast 3000 Jahre alten chinesischen Glocken bis zu den bedeutendsten Glocken Europas. Der Eintritt ist frei - Spenden sind willkommen.

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