Rheinfelden Künstlerische Flora

Die virtuelle Foto-Ausstellung mit experimentellen Arbeiten zum Thema Flora, hier von Gabriele Quay. Fotos: zVg/Petra Böttcher Foto: Die Oberbadische

Von Jürgen Scharf

Rheinfelden. Sie duften nicht, sie brauchen kein Wasser, man kann sie in keine Vase stellen, aber sie sehen schön aus: digitale Blumen.

In Zeiten von Corona, wo man keine realen Ausstellungen machen darf, weichen Künstler und Volkshochschul-Dozentinnen wie Petra Böttcher auf virtuelle Räume aus; da werden die Blumenfotografien eben ins Netz gestellt. Am Beispiel der VHS-Schau „Im Garten der Fantasie“ sieht man, dass dies in einer aufwändigen und effektvollen 3D-Präsentation möglich ist.

Nun könnte man bei Blumenfotos an sich – wie ein Kommentar aus dem Internet – reflexartig erst mal skeptisch reagieren. Sind Blumen doch ein schwieriges Terrain für künstlerische Fotografie, das weiß die Fotografin Petra Böttcher aus Efringen-Kirchen natürlich selber. Und sie ist zugegebenermaßen eigentlich keine Freundin der Blumenfotografie. Hoch begeistert ist sie allerdings davon, wie unkonventionell die Teilnehmer zweier Online-Fotokurse der VHS Rheinfelden das Thema Flora umgesetzt haben: so vieldeutig, wie man Blumen selten sieht. Die Website beschreibt es so: „gefroren oder verbrannt, gescannt oder doppelt belichtet“.

Böttcher tat gut daran, den Teilnehmern zu raten, die Pflanzen so abzulichten, wie man normalerweise Menschenporträts fotografiert – mit ganz eigenem Ausdruck. Dazu erfordert es den richtigen Blick. Aber wenn man sich diese Fotokunst anschaut – man muss gar nicht viel klicken, man kann die Bilder in einem professionell gemachten geführten Ausstellungsrundgang an sich vorüberziehen lassen –, ist man angenehm überrascht über die erstaunliche Bandbreite dieser etwas anderen Blumen- und Pflanzenfotografie.

Bei den 60 in einem imaginären Galerieraum mit Stellwänden „ausgestellten“ Werken von zwölf Fotografinnen und Fotografen herrscht ein großer Facettenreichtum an fotografischen Techniken und Gestaltung und viel Experimentierfreude. Petra Böttcher hat als Kuratorin die Arbeiten ausgewählt und die virtuelle Präsentation erstellt.

Für sie ist es ein tolles und geeignetes Mittel, in diesen Zeiten wenigstens online eine Ausstellung zeigen zu können. Und die ist nun wirklich schön ausgefallen, mit Arbeiten auf hohem fotografischem Niveau. Die Aufnahmen überzeugen, sprechen einen sehr an. Dank des digitalen Mediums lassen sich die einzelnen Bilder anklicken, heranzoomen, man kann den „Rundgang“ immer wieder starten oder seinen Favoriten auswählen.

Man muss schon genau hinsehen

Das ist gar nicht so einfach, denn die Fotografien sind sehr verschiedenartig, man muss schon genau hinsehen. Da erblickt man vertrocknete, verblühende, welkende, aber auch wie unter einer Eisschicht gefrorene Blüten und welche in Flammen. Einige sind mit Zucker bestreut und karamellisiert, andere sehen aus wie Figuren. Manche haben etwas Surreales, gehen ins Abstrakte.

Das Projekt ist ambitioniert, die Sichtweise auf die Flora künstlerisch, wie sie sonst bei Blumenfotografie nicht so gängig ist. Um nur einige Beispiele zu nennen: Etwas Unwirkliches, ja Gefrorenes, in Eis Erstarrtes haben die Eisblumen von Martin Dietsche und Markus Becker. Doris Norbert gibt welkenden Tulpen eine gestalthafte Form und ein Gesicht. Angelika Ehlers wartet mit hauchzarten schwarz-weißen Blütengebilden und besonderen Mohn-Variationen auf. Das ist wirkliche Kunstfotografie.

Vieles ist arrangiert, inszeniert und verfremdet, so wie ein Maler ein Stillleben komponiert. Susanne Kirschneck und Juliane Vier haben das so gemacht mit Topflianen, Steinpilz und Paprika, originell bevölkert mit kleinen Figürchen. Einer schönen Blumenästhetik huldigt Gabriele Quay mit geheimnisvollen Blütenaufnahmen. Auch „Makromagie“ ist dabei und hebt die Schönheit der Natur noch heraus.

Dozentin Petra Böttcher freut sich, dass die VHS für diese außergewöhnliche Online-Ausstellung die Software zur Verfügung stellt und die Sparkasse Lörrach-Rheinfelden das Projekt unterstützt. Böttchers Fotokurse kommen sehr gut an. Die vier Online-Seminare, die im neuen Semester ab 22. Februar angeboten werden, sind schon ausgebucht.

Das Feedback zu dieser fantasievollen digitalen Fotoschau ist groß. Zwar gibt es kein Gästebuch auf der VHS-Seite, aber als Reaktion bereits viele begeisterte Stimmen, darunter eine aus Sinsheim: „Ohne ’Corona’ gäbe es vielleicht diese virtuellen Ausstellungen nicht. Das ist doch was Positives“.   Bis 18. März, Infos unter www.vhs-rheinfelden.de

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