Rheinfelden Löwenstadt schrieb „Stromhistorie“

Ohne Kraftwerk kein Badisch-Rheinfelden und ohne Konzession kein Kraftwerk. Sie wurde dieses Jahr 125 Jahre alt.

Von Ulf Körbs

Rheinfelden. Doch es gab kein Jubelfest. Von Energiedienst als Nachfolger des ehemaligen Lizenznehmers Kraftübertragungswerke Rheinfelden (KWR) war zu erfahren, geplant habe man nichts. Und dem Vernehmen nach hat das Rathaus vor, das Ereignis im Zuge des Stadtjubiläums im Jahr 2022 zu würdigen. Was auch daran liegen mag, dass der Kanton Aargau die Konzession bereits fünf Jahre früher als Baden erteilt hatte. Die ersten Pläne für ein Flusskraftwerk sind sogar noch älter.

Baugesichte

Sie stammen vom Neffen des Revolutionärs Gustav Struve, der im Jahr 1848 in Lörrach die erste deutsche Republik ausrief. Georg von Struve hatte nämlich bereits im Jahr 1872 einen Entwurf mit einem Maschinenhaus auf der Schweizer Seite skizziert und ein Jahr später auch eine Lizenz dafür erhalten. Doch er verstarb im Jahre 1876, und sein Plan wurde nie verwirklicht.

Übrigens soll die Idee, den Rhein für die Stromgewinnung von Emil Rathenau zu nutzen, dem späteren AEG-Gründer, stammen. Verbirgt zumindest ist sein Studium in Zürich. Angeblich hat Rathenau das Schweizer Rheinfelden besucht und die Situation bei einem Rheinspaziergang erkannt.

Errichtet wurde dann das Kraftwerk nach den Plänen des Architekten Conradin Zschokke. Rund 700 Arbeiter – unter ihnen vielen Italiener, die später auch dauerhaft im badischen Rheinfelden ansässig wurden – gruben einen 800 Meter langen Kanal parallel zum Rhein und schütteten quer zum Fluss ein 360 Meter langes Stauwehr auf.

Technikgeschichte

Mit dem Bau des Kraftwerks wurde auch Technikgeschichte geschrieben. Es war nämlich das erste Niederdruck-Wasserkraftwerk der Welt. Zudem wurde zum ersten Mal im großen Stil die Drehstromtechnik verwendet. Außerdem bildete Rheinfelden die Keimzelle des heutigen europäischen Stromnetzverbundes.

Baugeschichte

Bereits Mitte der 1980-er Jahre wollte der damalige Betreiber KWR ein neues Kraftwerk an der Stelle des ursprünglichen errichten. Doch die Liberalisierung des Strommarktes machte diesen Plan zunichte. Die Konzession für das alte wurde verlängert mit der Vorgabe, ein neues müsse gebaut werden mit einer größeren Energieerzeugung. Diese Vorschrift bedeutete auch das Ende eines Wahrzeichen der badischen Stadt Rheinfelden. Denn mit ihm waren die Auflagen nicht zu erfüllen. Etwas oberhalb entstand daher ein neues Wasserkraftwerk. In der Baugenehmigung war der Abbruch des ursprünglichen Gebäudes einschließlich des beliebten Eisenstegs festgeschrieben.

Protestgeschichte

Beiderseits des Rheins regte sich Widerstand. Die „IG Steg“ gründete sich, mit dem ehemaligen Schweizer Gemeinderats Peter Scholer an der Spitze. Die Bürgerbewegung versuchte mit Eingaben unter Verweisen auf die historische Bedeutung des Ensembles das Ende zu verhindern. Auch das Bemühen, es auf die Liste der Weltkulturerbestätten aufzunehmen zu lassen, scheiterte. Denn dieser Antrag hatte keine aufschiebende Wirkung. Zudem stand des Gebäude nicht unter Denkmalschutz. Obwohl das Landesamt für Denkmalpflege eine andere Auffassung in einem Gutachten vertrat, ordnete das Regierungspräsidium Freiburg an, das Kraftwerk sei im Herbst 2010 abzureißen.

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