Rheinfelden Neues Forum für Jungtalente

Die Oberbadische, 16.05.2018 04:08 Uhr

Von Jürgen Scharf

Rheinfelden-Beuggen. Neben der etablierten Reihe der Schlosskonzerte Beuggen gibt es seit kurzem die Reihe „Junge Klassik“. Am Sonntag war bereits die dritte Folge „Kammermusik mit Harfe“ zu hören, und der Bagnato-Saal platzte aus allen Nähten; es gab ein großes Stühlerücken, damit alle Interessierten Platz fanden.

Die neue Konzertreihe ist also auf Anhieb ein Erfolg, vielleicht auch deswegen, weil die Initiatorin, die Cellistin Natalia Dauer aus Bad Säckingen, Erfahrung mit solchen Veranstaltungen hat. Organisiert sie doch in Laufenburg das gleichnamige Festival „Junge Klassik“. Es ist das Anliegen der Cellostudentin, die junge Musikergeneration zu fördern und zusammen mit Gleichaltrigen und Gleichgesinnten Kammermusik zu machen.

Sie hat eine Plattform für junge Künstler zwischen 19 und 24 Jahren gesucht, die großteils noch studieren oder am Anfang ihrer Laufbahn stehen, und diese im schönen Ambiente von Schloss Beuggen gefunden, wobei ihr sogar für die Klavierkonzerte ein neuer Steinway-Konzertflügel zur Verfügung gestellt wird.

Beim jüngsten Konzert traten einige in der Region bekannte Jungmusiker an, der Schopfheimer Geiger Gregor Hänssler und die 22-jährige Pianistin Mirjam Katharina Wagner aus Weil am Rhein, die seit sieben Jahren ein Duo bilden, das sogar Bundespreisträger von „Jugend musiziert“ ist. Dass beide ein eingespieltes Team sind, zeigte sich in den Klammerwerken des zweistündigen Konzerts, einem frühen und einem späten Debussy, vorgetragen in der umgedrehten Reihenfolge der Entstehungszeit.

Zuerst stand das Spätwerk Debussys auf dem Programm mit der 1917, mitten im Ersten Weltkrieg komponierten und noch von ihm selbst uraufgeführten Violinsonate. Ein Werk, das dem Vergleich klassischer Violinsonaten standhält und über wunderbare Klangqualitäten verfügt. In der Wiedergabe durch Hänssler und Wagner dominierte anfangs der Violinton, das Klavier trat im zweiten Satz („Intermède“) klar artikulierend in Erscheinung.

Der junge Geiger versteht es, die melodischen Gesten und die für Debussy typischen Wendungen in kraftvollem Tonfall deutlich zu machen, während die Pianistin eher die poetische Seite dieser musikalischen Prosa beleuchtet. So blieb vor allem der fantastische Tonfall im Intermezzo im Ohr haften, wenn auch die Intimität des Dialogs generell bei den beiden jungen Künstler noch zunehmen könnte.

Interessant war auch die Begegnung mit Debussys lange verschollenem und erst 100 Jahre später wiederentdecktem frühem Klaviertrio G-Dur, seinem ersten bekannten Instrumentalwerk überhaupt. Hänssler, Wagner und Natalia Dauer am Cello spielten das Werk des damals 18-jährigen Debussy mit großer Verve und Prägnanz. Das war sehr beeindruckend, ähnlich wie auch andere Werke an diesem Abend, etwa die Passacaglia für Geige und Cello von Johan Halvorsen oder das Instrumentalquintett von Heitor Villa-Lobos, bei dem Hänssler, Dauer, Iliyana Kazakova (Bratsche), Anna-Lena Rupp (Querflöte) und Marie Noirjean an der Harfe viel Gespür für die impressionistischen Anteile dieser brasilianischen Kunst-Folklore-Musik zeigten.

In derselben Besetzung erklang Natalia Dauers gelungenes Arrangement für Harfenquintett von Faurés „Pavane“. In Marcel Tourniers „Féerie“ für Soloharfe schaffte es die Harfenistin, die klanglichen und dynamischen Ausdrucksmöglichkeiten ihres Instruments auszuloten.

Die Reihe setzt auf Vielfalt. Wie Natalia Dauer sagt, sei es für die Zuhörer interessant, diese wechselnden Besetzungen zu erleben, die das Programm farbig und abwechslungsreich machen. Auch vom Repertoire her haben die jungen Musiker ein breites Spektrum und spielen auch unbekanntere Werke, die man nicht so häufig hört. Die Initiatorin hofft, dass die Reihe „Junge Klassik“ eine Zukunft hat, und plant schon einige Konzerte für die nächste Saison.  Nächstes Konzert: Sonntag, 8. Juli, 17 Uhr, mit Natalia Dauer (Cello) und Julia Pleninger (Klavier), Rittersaal, Schloss Beuggen, Rheinfelden