Rheinfelden Neues Fragezeichen bei der Alu

Die hochwertigen Gusslegierungen mit ihren Patenten dürften mitentscheidend gewesen sein beim Verkauf der Aluminiumhütte. Noch fehlt die Genehmigung für den Verkauf an Rusal durch das Bundeswirtschaftsministerium. Foto: Gerd Lustig

Rheinfelden - Mit dem russischen Konzern Rusal als Investor und Käufer soll das Traditionsunternehmen Aluminium Rheinfelden, das im Herbst vergangenen Jahres in ein Insolvenz- und Rettungsschirmverfahren involviert war, in eine zuversichtliche Zukunft gehen.

Betriebsrat, Belegschaft, Gewerkschaft IG BCE und auch der Gläubigerausschuss hatten sich für eine Lösung mit Rusal ausgesprochen und sich hinter die Pläne gestellt, den Standort zu erhalten und auch die zunächst im Insolvenzverfahren gekündigte Mitarbeiter nahezu komplett wieder einzustellen (wir berichteten). Nach dem grünen Licht vom Kartellamt wartete man eigentlich nur noch auf das Okay aus dem Bundeswirtschaftsministerium.

Jetzt aber ist auf den letzten Drücker ein weiterer Rettungsversuch für die Alu aufgetaucht. Erika Zender, die Geschäftsführerin des Bereichs Alloys, hat mit der Euro Atlantic Group, einer international operierenden europäischen Investorengruppe, einen Insolvenzplan beim Amtsgericht Lörrach eingereicht.

Die Euro Atlantic Group konzentriert sich nach eigenen Angaben unter anderem auf Investments mit Fokus auf Immobilien, Künstliche Intelligenzsysteme sowie erneuerbare Energien. Ulrich Schumacher, Sprecher von Euro Atlantic, betont, die Investorengruppe stehe dafür ein, dass die Gläubiger der Aluminiumhütte zu 100 Prozent bedient werden. Man wolle indes nicht nur die Arbeitsplätze in Rheinfelden für die Zukunft erhalten, sondern auch das Abwandern von Know-How verhindern.

Sollte das Geschäft zustande kommen, wolle man die strategische Produktentwicklung vorantreiben, Eigenprodukte stärken und vor allem das Angebot im Bereich Automotive ausbauen.

Der Sachwalter des Amtsgerichts Holger Leichtle bestätigt zwar den Eingang des Plans, macht aber deutlich, dass dieser „nicht über wenig konkrete Absichtserklärungen hinauskomme“ und er ihm nicht allzu große Chancen einräume.

Auch der aktuelle Betriebsratsvorsitzende Wilhelm Tholen weiß von diesem Plan, favorisiert aber eindeutig die Lösung mit dem russischen Alu-Riesen. „Der Betriebsrat der Alu Rheinfelden begrüßt grundsätzlich die Übernahme durch Rusal. Wir sind froh und erleichtert, dass es im Rahmen der Investorensuche gelungen ist, einen Interessenten zu finden, der langfristig und strategisch orientiert ist und der auch die Interessen der Arbeitnehmer vor Ort im Blick hat. Die Lösung mit Rusal sichert unsere Arbeitsplätze. Daher wünschen wir uns natürlich einen positiven Ausgang der Prüfverfahren Bundeswirtschaftsministerium und hoffen, dass uns keine Steine in den Weg gelegt werden. Das Kartellamt hat bereits zugestimmt. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verbinden mit der Übernahme durch Rusal die große Hoffnung, dass sich die Alu Rheinfelden mit dem neuen Partner wieder voll auf seine Zukunft konzentrieren kann. Diese Hoffnung auf eine gute Zukunft war unter der bisherigen Geschäftsführung nicht mehr vorhanden. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hatten zunehmend das Vertrauen in diese Geschäftsführung verloren. Frau Zender hat einen Insolvenzplan für die Rheinfelden Alloys beim Gericht vorgelegt, bislang aber nicht für Carbon und Semis.“

Grundsätzlich sagt Tholen: „Der Betriebsrat der Alu Rheinfelden begrüßt grundsätzlich die Übernahme durch RUSAL. Wir sind froh und erleichtert, dass es im Rahmen der Investorensuche gelungen ist, einen Interessenten zu finden, der langfristig und strategisch orientiert ist und der auch die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor Ort im Blick hat. Die Lösung mit Rusal sichert unsere Arbeitsplätze. Daher wünschen wir uns natürlich einen positiven Ausgang der Prüfverfahren Bundeswirtschaftsministerium und hoffen, dass uns keine Steine in den Weg gelegt werden.“

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