Rheinfelden Nicht dem „Groschengrab“ verfallen

Die Spielautomaten verlieren zwar immer mehr an Bedeutung, stattdessen rückt das Online-Glückspiel immer mehr in den Fokus. Prävention tut dennoch Not. Foto: Die Oberbadische (Archiv)

Rheinfelden - Um „Groschen“, also Zehn-Cent-Stücke, geht es schon lange nicht mehr. Der Glückspielmarkt ist in Deutschland längst ein Milliarden-Geschäft. Und immer mehr Jugendliche werden davon abhängig.

Diese traurige Tendenz erfuhr der Sozialausschuss am Montag von Lena Wehrle, Projektleiterin des Zentrums für Suchtprävention Villa Schöpflin. Sie ist in der Löwenstadt für Prävention gegen die Spielsucht – Fachleute sprechen von „pathologischem“ oder „zwanghaftem“ Spielen – von Jugendlichen zuständig. Das Projekt kam bereits vor drei Jahren zustande und wird finanziert durch Einkünfte aus der Vergnügungssteuer, die sich im Jahr 2016 auf 1,6 Millionen Euro belief, zum Teil auch durch eine Erhöhung der Sätze.

Wehrle berichtete dem Ausschuss, dass von der Spielsucht besonders jüngere Männer betroffen sind, die aus einem eher bildungsfernen Milieu stammen und einen Migrationshintergrund besitzen. Oftmals sind in diesem Klientel auch Menschen, die in Anschlussunterbringung leben. Die Präventionsfachfrau erläuterte diesen Umstand mit dem Hinweis: „Zeit sowie Geld sind vorhanden, und es tritt schnell Langeweile auf.“ Sie betonte auch, dass Glückspielautomaten immer weniger eine Rolle spiele bei Jugendlichen, vielmehr auch hier das „Online-Gambling“, also das Glückspiel im Internet, auf dem Vormarsch ist.

Um dieser Entwicklung gegenzusteuern, veranstaltete die „Villa“ im vergangenen Jahr einen Informationsabend, an dem rund zehn junge Männer im Alter zwischen 17 und 19 Jahren teilnahmen. Auch während des Sommerfests der IG Spielplatz Schwedenstraße wurde Aufklärungsarbeit geleistet. Kooperationen bestehen mittlerweile mit dem SAK bei der mobilen Jugendarbeit und der städtischen Nachtsport-Aktion.

Wehrle musste aber auch einen Misserfolg einräumen: Die Informationsveranstaltung für Wirte, bei der auch über den Jugendschutz aufgeklärt werden sollte, war ein Schlag ins Wasser: Nur ein Gaststättenbetreiber hatte sich zur Teilnahme bereit erklärt. Was aber nicht bedeutet, dass Gastronomen und Spielhallenpersonal nicht aufgeklärt werden. Dies geschieht mit einer „aufsuchenden Arbeit“, wobei die Schöpflin-Mitarbeiter von der Polizei und dem Ordnungsamt begleitet werden.

In diesem Jahr will Wehrle einen Kooperation mit zwei Sportvereinen eingehen, wobei die Zusammenarbeit mit dem SV Nollingen bereits besteht. Auch auf Religionsgemeinschaften will die „Villa“-Mitarbeiterin zugehen. Zudem wird sie gemeinsam mit dem städtischen Integrationsmanagement die Reihe der Informationsabende für jugendliche Bewohner der Flüchtlingsunterkünfte fortsetzen. Auch ein schulübergreifender Elternabend wird angeboten werden.

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