Nichts als Ärger mit dem Personal! Diesen Dienstboten ist alles zuzutrauen. Der Beruf der Dienstmädchen ist es, die Herrschaft zu rupfen und auszunehmen, meint Komödiendichter Carlo Goldoni. Die Hausmädchen wollen sich an ihrem freien Tag beim Karneval in Venedig ins Vergnügen des Korso stürzen. Sie haben es satt, die Demütigungen ihrer Gnädigsten und die anzüglichen Belästigungen der Herren. So werden sie bei der Maskerade zu wahren Amazonen: „Nieder mit der Ausbeutung!“

Von Jürgen Scharf

Rheinfelden. Dass Goldonis Komödie „Die Dienstmädchen“ („Le Massere“) gesellschaftskritisch ist, aber auch poetisch und surreal, das zeigt die Inszenierung der Theatergruppe „Querfeldrhein“ auf der Bühne des Campus in Rheinfelden. Die Figuren bewegen sich teils in Kostümen aus der Szene der Commedia dell’Arte, anderseits tragen die Damen prächtige Kleider mit Reifröcken - ein wahrer Kostümrausch. Das Bühnenbild ist schlicht gehalten und funktional.

Was sind sie nicht alles, diese Hausmädchen, in den Augen ihrer Herrschaften: Zimmermädchen, Gesellschafterin, Zofe, Krankenschwester, Dienstmagd, Dienstbote, sogar fast eine heilige Madonna. Für diese Komödie mit ihrer lokalen venezianischen Eigenart, in der sich Rede und Gegenrede abwechseln, hat Regisseur und Theaterleiter Wolfgang Dreiser geeignete Neuformulierungen und Anpassungen ans Heute geschaffen, kräftig den Staub aus dem Stück geklopft, Text und die ohnehin schwache Handlung modernisiert sowie den moralisch nicht mehr zeitgemäßen Schluss umgeändert. Bei ihm kriechen die Titelheldinnen nicht mehr zu Kreuze und zeigen keine Reue, sondern sind kämpferisch mit geballter Frauenpower und solidarisieren sich gewerkschaftlich.

Die Inszenierung ist turbulent, komödiantisch und unterhaltsam. Das Publikum schaut gerne zu, wie die Dienstmädchen, allen voran die aufmüpfige Zanetta (Barbara Fleck),die bei der resoluten Signora Dorotea (Martina Rauscher) angestellt ist, nicht nur in den Sog des Karnevals auf Straßen und Plätzen der Lagunenstadt gezogen werden, sondern sich auch von ihren launischen Arbeitgebern emanzipieren.

So frech und gewieft wie sie sind, wissen sie sich das nötige Kleingeld zu beschaffen und zwei Tattergreise (Matthias Lentz und Rudi Oberscheidt) gehörig an die Nase herumzuführen.

Nach dem Motto „Dienstboten aller Länder vereinigt euch“ heißt es zum guten Ende: „Es steht im Haushalt alles still, wenn unser starker Arm es will!“

Weitere Informationen: Weitere Aufführungen am 23., 24. und 25. März