Rheinfelden Obdachlosigkeit belastet extrem

Die Oberbadische, 15.05.2018 22:58 Uhr

„Die Fachstelle Wohnungssicherung ist ein großer Erfolg“, wertete Rita Rübsam (Freie Wähler) in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses und sprach damit dem gesamten Gremium aus dem Mund.

Von Gerd Lustig

Rheinfelden. Seit knapp eineinhalb Jahren nämlich werden mit einer 40 Prozent-Stelle (etwa 16 Stunden pro Woche) betreut, die jeweils zur Hälfte aufgeteilt ist in eine Beratungsstelle im Büro im Sozialen Kompetenzzentrum an der Friedrichstraße – „Bürgertreffpunkt Gambrinus“ – sowie in mobiler aufsuchender Beratung in der Trägerschaft der AGJ (Fachverband für Prävention und Rehabilitation in der Erzdiözese Freiburg). Stefan Heinz und Slavica Stanojevic berichteten in der Sitzung über die geleistete Arbeit, deren Hauptaugenmerk in der Verhinderung von Obdachlosigkeit liegt und auch darin, was getan werden kann, wenn Räumungsklagen bereits zum Verlust der Wohnung geführt haben. Bis Ende des Jahres 2019 ist das Deputat mit dem Zuschuss der Stadt Rheinfelde abgesichert. Danach muss erneut beschlossen werden.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 47 Haushalte erreicht. Bei knapp der Hälfte wurde die Beratung abgeschlossen. In 13 Fällen gelang es, den drohenden Wohnungsverlust abzuwenden. „Hier hat sich die enge Vernetzung mit anderen Fachstellen wie Jugendamt, Sucht- und Schuldnerberatung oder Wohnbau bewährt“, berichtete Heinz dem Gremium.

In der mobilen aufsuchenden Obdachlosenbetreuung und Beratung wurden 23 Haushalte mit insgesamt 76 Personen erreicht. Von diesen Haushalten sind etwa die Hälfte bereits länger als fünf Jahre ordnungsrechtlich untergebracht. Andererseits sind aber auch sieben Haushalte in den vergangenen zwei Jahren obdachlos geworden. „Es ist also der Zeitraum, in dem die Mieten in Rheinfelden stark gestiegen sind“, sagt Stanojevic. Wie wichtig daher die Dienste der Fachstelle sind, betonte auch Bürgermeisterin Diana Stöcker. „Gäbe es eine 100-Prozent-Stelle, würden wir noch viel mehr Menschen und vermutlich alle Betroffenen erreichen können“, sagte sie.

Obdachlosigkeit entsteht zumeist durch Räumungsklagen, weil die Miete nicht mehr bezahlt werden kann, berichtete Stefan Heinz. Die Hälfte der Fälle machen Haushalte von Familien mit Kindern aus. Ein Drittel bezieht Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch. „Der Verlust der Wohnung ist extrem belastend, bedeutet sie doch ein großes Stück Heimat“, erklärte der Fachmann.

In der mobilen Beratungsarbeit geht es in erster Linie um den Aufbau von Vertrauen, das Kennenlernen der Betroffenen, dass ihnen hier geholfen wird. Man trete dabei aber nicht wie eine Behörde auf, sondern als eine Beratungsstelle, die Hilfestellung bietet und nach einvernehmlichen Lösungsmöglichkeiten sucht. „Wir können aber nur Hilfe anbieten und nicht verordnen“, erklären unisono die beiden Sozialarbeiter. „Die Vertrauensbildung ist bei der mobilen Beratung sehr, sehr wichtig“, betonte Stanojevic.

 
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