Rheinfelden Oper mit Charme

Foto: Jürgen Scharf Foto: Die Oberbadische

Von Jürgen Scharf

Rheinfelden. Wie klingt es, wenn Putin und Trump auf zwei Schlitten zu Macron kommen? Na, eben wie ein Mix aus „Petersburger Schlittenfahrt“ und „Ein Amerikaner in Paris“. Derlei musikalische Parodien, heiter-bekömmlich und gut verdaulich, wurden vom Basler Palast Ensemble mit lockerer Hand im gut besuchten Rheinfelder Bürgersaal serviert.

Da liegen selbst schwere Opernarien nicht schwer im Magen, heißt das Programm ja doch „Oper frisch gestrichen!“. Bekanntlich ist das Leichte das Schwere, und das trifft besonders auf den Humor in der Musik zu. Aber was die Geigerin Michaela Hüttich, der Cellist Wolfgang Lehner, Aline König am Klavier und die Schauspielerin, Sängerin und Musikkabarettistin Regina Leitner als Frontfrau so alles parodieren, kommt charmant rüber.

Natürlich ist dieses satirische Programm frei nach Werner Thomas Mifune, der lange der musikalische Begleiter von Top-Kabarettist Dieter Hildebrandt war, nicht ganz ernst gemeint und ziemlich schräg. Aber passend für die neuen „20er Jahre“ besonders am Schluss des Programms, wenn Leitner im Charleston-Look herantänzelt, mit Stirnband, Federbusch und Fransenkleid.

Das Palast Ensemble – nicht zu verwechseln mit dem Palast Orchester, aber wohlgemerkt doch ein kleiner Ableger, denn Hüttich war die ehemalige Leiterin und Sologeigerin in Max Raabes Orchester – spielt locker und lustig, macht die musikalischen Späßchen hörbar gerne mit. Das geht über reine Salonmusik und bloße Gemütlichkeit hinaus, ist ein pointierter Musikkommentar und wirklich eine „musikalische Reise von Mozart bis Gershwin“.

Wer geht heutzutage eigentlich noch in die Oper? Das ist die Frage, die sich das Ensemble augenzwinkernd durchs Monokel stellt. Ihr schiefer Blick durchs Opernglas auf die gesamte (!) „Zauberflöte“ dauert nur ein paar Minuten, dann ist die Geschichte schon gelaufen. Ähnlich (er)geht es anderen Komponisten, die im Schnelldurchgang passiert oder wie mit dem Dampferhitzer aufgekocht werden.

Oper, auf das Wesentliche gestrichen, ist das witzige Motto. Die Technik dazu ist ein genialer Verschnitt. Da spielt Rossinis „Wilhelm Tell an der schönen Donau“, wird das Liebesleben der Komponisten verulkt: „Lohengrins Fehltritt“ nach Richard Wagner wird zu einem kabarettistischen Kabinettstückchen im Stil einer Berliner Moritat, und Lehárs schmalziges „Dein ist mein ganzes Herz“ mit Schweizer Kuhglocke wieder auf den Teppich zurückgeholt.

Gespickt ist das Programm mit vielen Musiker-Anekdoten und Sprüchen berühmter Dirigenten, die nur zeigen, was für egozentrische Musikdarsteller sie waren. Das Publikum wird mit einbezogen und darf im Opernchor singen. Alle Augen sind aber immer auf Regina Leitner gerichtet, sie ist der „Star“ des Ensembles, sehr verwandlungsfähig in immer neuen Rollen und Verkleidungen, kabarettistisch wie musikalisch, schauspielerisch wie pantomimisch bestens aufgelegt.

Ein Beispiel gefällig? Das berühmte Katzenduett nach Rossini, das Leitner als Solo miaut – und die instrumentale Palast-Revolution untermalt das mit Motiven aus Pink Panther bis Cats. Eine der besten Nummern ist auch gleich der Höhepunkt im Programm: die „O sole mio“-Parodie im Stil von Peter Alexander, Pavarotti bis Elvis Presley. Nach dem Finale im Stil der wilden „Roaring Twenties“ und zum Evergreen „Ich brauche keine Millionen“ setzt die Sängerin noch das I-Tüpfelchen aufs Parodieprogramm mit Leroy Andersons Stück für Solo-Schreibmasche und Orchester „The Typewriter“ als umwerfend komische Tierstimmen-Imitation.

Auf ein „Best of“ dieser heiteren Mini-Operngala darf man sich bei der kommenden Kulturnacht im Mai in Rheinfelden freuen. Und im Herbst kommen sie mit einem neuen Programm wieder.

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