Rheinfelden Reflexionen der Nachhaltigkeit

Jürgen Scharf
Der Maler Alek Slon vor seinem Zyklopen-Bild Foto: Jürgen Scharf

Der Samen ist ausgesät. Die Ausstellung „Seed 2.0 – Kunst für eine nachhaltige Zukunft“ geht im Rheinfelder Haus Salmegg den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen nach.

Von Jürgen Scharf

Rheinfelden. Acht Künstler aus vier Ländern und zwei Kontinenten versuchen diese 2015 verfasste „Agenda 2030“ künstlerisch umzusetzen und sich Gedanken über die Vorgaben dieses weltweiten Aktionsplans der UNO für nachhaltige Entwicklungen zu machen. Als da wären Armut, Hunger, Bildung, Geschlechtergleichheit, Menschenrechte, Klima, Umwelt und Meere.

Der im schweizerischen Rheinfelden lebende Kulturvermittler und Galerist Roy Hofer, der die Galerie „A-Space“ betreibt, hat als Kurator die Kunstschaffenden aus der Schweiz, Polen, Taiwan und Japan zusammengebracht. Für die beiden Schweizer Künstler Matthias Gubler und Michel Winterberg ist es eine Art Heimspiel, ihre Arbeiten nehmen auch den größten Raum in der Schau ein. Am nachhaltigsten wirken auf den Besucher sicher die kulturpolitischen Reflexionen von Matthias Gubler.

Der Zürcher, langjähriger Videojockey, der den Umgang mit dem bewegten Bild gewohnt ist, zeigt eine große Palette von Objektkunst bis zu Videoarbeiten. Es sind konzeptionelle Werke, bei denen der Künstler die Konfrontation und den Austausch mit dem Betrachter sucht. Man merkt aber auch, dass Gubler geübt ist in Interventionen mit gesellschaftspolitischen Fragen.

Der verständlichste Inhalt dürfte das Bündel mit Stoffresten sein, gestapelt und verschnürt auf einem Holzsockel, ein Quader aus weggeworfenen Kleidungsstücken in der japanischen Fesseltechnik zusammengehalten – ein kritischer Hinweis auf die von Konsumenten massenhaft gekauften und bald wieder weggeworfenen Billigtextilien und „Fast Fashion“, günstige Kopien von Designermode.

Spannend ist Gublers Bodeninstallation „Future Island“ aus vier Flatscreens. Die imaginäre Insel wurde aus Drohnenaufnahmen realer Küstenabschnitten zusammengesetzt; man sieht, wie sie vom Wasser ständig überschwemmt wird – eine Arbeit, die sich bildhaft mit dem steigenden Meeresspiegel und dem Klimawandel auseinandersetzt.

In einem Dunkelraum kann man kurz auf einem Stuhl verschnaufen und sich Gublers neue Projektion „Rhizom“ anschauen, eine digitale Collage, die etwas von der industriellen Revolution und „Modern Times“ hat.

Konfrontation und Austausch

Überhaupt ist das mediale Spektrum der Schau breit. Nicht nur Gubler visualisiert. die Nachhaltigkeitsthemen in Videoclips. Auch Michel Winterberg ist erfahren in neuen Medien und Sound-Performances. Seine Installation mit Audio „Bird Substitute Player“ beschäftigt sich mit dem Artensterben und lässt künstlich produziertes Vogelgezwitscher ertönen, das aus einem Gartenzwerg in einem Steingarten kommt. Den Künstler treibt die Schreckensvision um, dass man irgendwann keinen natürlichen Vogelgesang mehr hört.

Eine andere multimediale Installation von Winterberg führt drastisch das schnelle Schmelzen von gefrorenem Eis vor Augen und damit die Katastrophe der Gletscherschmelze.

Auch die weiteren Künstler der Schau, die schon in Budapest, Warschau, Taipeh und Tokio Halt gemacht hat, beteiligen sich mit Mixed-Media-Arbeiten, Malerei und Terrakotta-Skulpturen.

Der polnische Maler Alek Slon überträgt die mythologische Figur des einäugigen Zyklopen Polyphem in die heutige Zeit und symbolisiert die Schattenseiten von Flugzeugen und Industrialisierung. Hier wird der antike Mythos in die Gegenwart weitergedacht. Wird ein moderner Odysseus diesen Polyphem besiegen und das Schicksal wenden?

Das Thema Abfall und Vermüllung greifen wieder andere auf. Zum Beispiel Akira Sakashita, der kaputte Dinge und weggeworfene Gegenstände vom Boden aufliest und in Tonskulpturen „recycelt“, oder Magda Fokt in ihren Steinen aus Pappmaché. Der künstlerische Samen ist also ausgebracht – die Saat muss jetzt noch aufgehen.   bis 18. September, Sa. und So. 12 bis 17 Uhr. Zum Abschluss gibt es am letzten Ausstellungstag, 17 Uhr, eine Podiumsdiskussion über Kulinarik und Nachhaltigkeit.

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