Rheinfelden Reizvolle Entdeckungen

Die Züricher Vokalisten überzeugen mit Chorliteratur des 20. und 21. Jahrhunderts. Foto: Willi Vogl

Rheinfelden - Mit dem Mottokonzert „Gloria et Alleluia – Gregorianische Welten“ machten die Züricher Vokalisten unter der Leitung von Christian Dillig auf ihrer diesjährigen Frühjahrstour wieder in der Christuskirche Rheinfelden Halt.

Das Programm am Sonntag bezog sich auf die Ursprünge der westlichen Musik, die Werke waren durchgängig in der Kirchensprache Latein komponiert. Allerdings waren hier nicht Originalgesänge aus dem Mittelalter zu hören, sondern mannigfaltige Transformationen in das 20. und 21. Jahrhundert von ausschließlich noch lebenden Komponisten, alle geboren zwischen 1936 bis 1978. Dabei kamen vor allem Belcantoqualitäten im engeren Sinne zum Tragen.

Stephan Maier verwies in seiner informativen Werkeinführung auf die „beruhigende Wirkung der Gregorianik für Sinne und Seele“ hin. Mitunter beruhigend aber keineswegs einschläfernd entfalteten sich die Chorwerke in ihren unterschiedlichen Handschriften. Bereits Urmas Sisaks eröffnendes „Gloria in Excelsis Deo“ offenbarte sich als eine spannende Entwicklung von konzentrierten Liegetönen hin zu einem bunten Reigen jubilierender Muster. Colin Mawbys verinnerlichtes „Alleluia, Christus Resurrexit“ setzt auf einsame Melodielinien, die behutsam in dissonante Felder eingepasst sind. Emmanuel Robins technisch forderndes „Benedictus“ zeigt sich mit seinen warmen Harmonien und der vitalen Rhythmik als ein vom jubelnden Sopran bestimmter Lobpreis Gottes. Tongebundenes mystisches Murmeln mündet bei Javier Bustos „O Magnum Mysterium“ in vertraute Harmonieformeln.

Überwiegend traditionell Vertrautes gab es auch in Vytautas Miškinis „Ave Maria Nr. 3“, in Michael Waldenbys „Memento Creatoris Tui“ mit seinen weiten Melodiebögen oder in den übersichtlichen Wechselgesängen von Morten Lauridsens „Ubi Caritas et Amor“.

Die seit Jahrhunderten währende Gratwanderung zwischen konsonantem Wohlklang und dissonanter Einfärbung führt gerade heutige Chorkomponisten dazu, allzu schnell auf bewährte harmonische Modelle des 19. Jahrhunderts zurückzugreifen. Nicht selten entsteht dabei ein etwas beliebiger romantizistischer Singsang.

Als Entdeckung hingegen durfte Eriks Ešenvalds „Magnificat“ wahrgenommen werden. Der lettische Komponist beschränkt sich auf wenige Einfälle und schafft damit ein sensibles Klanggebilde mit attraktiven Dissonanzen in den Schlussklängen. Auch Ko Matsushita gelang mit seinem „Jubilate Deo“ ein erinnerungswürdiges Werk mit tonfixiertem Sprechgesang, kühnen Akkordabsackungen und impulsiven Klanggesten.

Der engagierte Chor war nach 70 Minuten ununterbrochenem Singens noch kein bisschen müde. Dies zeigte er in einem großartig flexibel federnden Forteklang bei Ola Gjeilos „Unicornis Captivatur“ und der Zugabe „Ubi Caritas“.

Die Pionierarbeit der Züricher Vokalisten und ihres inspirierenden Dirigenten Christian Dillig in Sachen aktueller Musik kann gar nicht hoch genug gelobt werden – bereitete sie nicht nur dem Chor, sondern auch dem Publikum in der voll besetzten Kirche enormes Vergnügen. Begeisterter Applaus für ein beeindruckend präzise und charakterstark gesungenes Programm mit dem Potenzial für reizvolle Entdeckungen.

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