Rheinfelden Sensibles Saitenspiel

Foto: Jürgen Scharf Foto: Die Oberbadische

Von Jürgen Scharf

Rheinfelden. Das Schild „ausverkauft“ macht sich bei Kulturveranstaltungen gut – allerdings unter den herrschenden Einschränkungen ist es viel weniger Publikum. Platzangst musste man also auch beim Auftritt des englischen Gitarristen Rossini Hayward im luftig bestuhlten Haus Salmegg nicht haben.

Wer das Glück hatte, das Konzert beim Gitarrenfestival „Akkorde“ zu hören, war sicher beeindruckt, denn der Londoner, der in Freiburg seine höheren Gitarrenweihen erhalten hat, zeigte ein seriöses, nobles Gitarrenspiel mit einem ebenso ungewöhnlichen wie ansprechenden Programm.

Erkennen Sie die Melodie? Wann hat man jemals schon die zentralen Leitmotive aus Richard Wagners „Rheingold“ auf den Saiten einer Gitarre gehört? Das war ein klanglich sehr reduziertes „Bühnenereignis“, an dem der Gitarrenfan teilhaben konnte. Hayward hat 40 solcher Urmotive aus dem Vorabend des „Ring des Nibelungen“ zusammengestellt: ein gitarristisch aufbereitetes Klangpanorama.

Das gab Einblicke in Wagners Werkstatt. Vom anfänglichen Wellenmotiv über das Fafner-, Schwert-, Ring-, Schatz- und Wehe- bis zum Walhall-Motiv fügt der Gitarrist Wagners „Gefühlswegweiser“ zu einem musikalischen Ganzen zusammen. Die Rheintöchter schwammen quasi nahe am Rhein vorbei. Da vermisst man das Riesenorchester auf einmal gar nicht, zumal Hayward Sinn für die melodischen Ideen und Harmonien zeigt.

Ohne Wagner gäbe es auch keine Filmmusik. Das wird klar an ein paar angespielten Klangbeispielen aus „Star Wars“ und „Herr der Ringe“. Und so gab es an diesem Abend einiges fürs Kopfkino. Hayward ist überhaupt ein genialer Bearbeiter, selber Komponist, und seine beide neuesten Eigenkomposition „Prelude & Prayer“, zwei Stücke, die gut in diese ungewöhnliche Zeit passen und erst vor zwei Wochen als Noten veröffentlicht wurden, klingen melodisch frisch, unspektakulär und kontemplativ.

Drei schwierige Etüden von Fernando Sor bieten dem virtuosen Solisten Hayward reichlich Gelegenheit zum Brillieren. Exakt gezupft, mit Eleganz, guter Ton- und Farbgebung. Da hätte man gern noch mehr aus diesem Zyklus der 24 Sor-Etüden gehört.

Der gute Bearbeiter spricht auch in drei Arrangements von Kinderliedern (seine erste CD) aus Hayward. Über der Melodie von „Hänschen Klein“ macht er lustige Synkopen, zu „Schlaf, Kindlein, Schlaf“ viel Tremolo und „Danny Boy“ wird zur traurigen Ballade – alles gespielt mit Hingabe, Stilempfinden und geschlossenen Augen. Auch der altehrwürdige Kanon von Pachelbel erfährt eine Neubearbeitung mit markant herausgearbeitetem „Walking Bass“.

Dieser einzige Abend beim Festival „Akkorde“ in Rheinfelden war also eher besinnlich, ruhig, in sich gekehrt, kein oberflächlich virtuoses Gitarrenfeuerwerk, sondern ein sensibel vor sich hin glimmendes gitarristisches Feuer. Da passte es, dass Rossini Hayward seine brandneue CD mit 18 Bearbeitungen von Weihnachtsliedern vorstellte und daraus ein Stück sehr stimmungsvoll als Zugabe spielt.

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