Rheinfelden Trompeten müssen „schwingen“

Toni Kostic

In der Innenstadt von Rheinfelden hat am Mittwoch der traditionelle Cityflohmarkt stattgefunden. Unsere Zeitung war dabei und hat sich bummelnd durch das Angebot treiben lassen und sich mit Kunden wie mit Marktbeschickern unterhalten.

Von Toni Kostic

Rheinfelden. Am Beginn der Karl-Fürstenberg-Straße, vor der Christuskirche, liegt auf dem Tisch eines Ausstellers zwischen Krummdolchen und Messern, alten Helmen und einer überdimensional großen Münze, die das Profil Alexanders des Großen trägt, eine alte Trompete. Ein Herr greift sie sich und probiert sie direkt aus. Die Tonleiter, die er spielt, klingt blechern, entgegen der Erwartungen aber keineswegs schief. Das Feilschen um den richtigen Preis mit dem Standbesitzer dauert ein wenig, schlussendlich kann der Kunde das Instrument aber ergattern. „Für 45 Euro kann ich mich nicht beschweren.“ Ob sie denn nicht verstimmt sei? „Die ist auf C gestimmt, da kann man nichts falsch machen.“ Auf die Bemerkung einer älteren Dame, dass er das Blechblasinstrument doch bitte putzen möge, entgegnet der Käufer, dass die Trompete gerade nicht geputzt werden solle. Stattdessen müsse sie „schwingen“.

Weniger Aussteller

Heute – es ist Mittwoch – ist der Himmel mit Wolken verhangen; nur vereinzelt scheint die Sonne durch. Es ist schwül. Augenscheinlich, weil Regen vorhergesagt worden war, hatten weniger Aussteller als sonst ihre Stände aufgebaut. Normalerweise sind es bis zu 100, die die Rheinfelder Innenstadt in eine bunte Marktgasse verwandeln, heute jedoch sind es geschätzte 30 bis 40 Anbieter.

Das Zurückgehen der Ausstellerzahl könnte aber auch damit zusammenhängen, dass Corona den Cityflohmarkt ab März 2020 zum Pausieren zwang. Heute findet er zum dritten Mal wieder statt. Einige Marktbeschicker bestätigen, dass es seit der Pandemie weniger Getümmel gebe, aber auch weniger Stände. Auch seien so manche Stammkunden verloren gegangen, was man nicht zuletzt auch an den eigenen Einnahmen merke.

Ein Anbieter ist Reiner Fricke. Er hat seinen Stand im Schatten aufgebaut, im Kastanienpark, und sticht mit seinem Angebot an Modelleisenbahnen hervor. Teils stammen die Loks und Wagen aus dem eigenen Bestand, teils sind sie über die Jahre zusammengekommen, erklärt der Neuenburger. Ihm zufolge gibt es zwei Typen von Flohmarkthändlern: die, die ihre Waren von Nachbarn und Verwandten geschenkt bekommen, und die, die ihre Stände als Zubrot zur Rente betreiben. Dazu kämen jene, die ihre Sachen auf Börsen und von gewerblichen Anbietern ergatterten. Der Mann mit dem vollen Haarschopf und markanten Schnauzbart erwirbt seine Modelleisenbahnen selbst bereits seit den 1990ern auf diese Weise. Seitdem bietet er sie auch regelmäßig auf Flohmärkten an.

Nicht nur klassischer Trödel

Dabei sind seine Angebote stets zielgruppenspezifisch sortiert. Neben den Modelleisenbahnen interessiert sich seine männliche Kundschaft nämlich, wie er festgestellt hat, überwiegend für Messer und Armbanduhren. Doch auch ein Tischmeter Tupperware ist in Frickes Angebotsbestand – neben Miniatur-Autos.

Klar, Fricke geht es auch um den Umsatz, wie er freimütig bekennt. Je Meter Standlänge bezahlt er acht Euro, insgesamt 65 Euro diesmal. Diese Summe gelte es am Markttag auch wieder reinzuholen.

„Suchard“-Box von 1910

Ein paar Meter neben Fricke hat Roland Beier aus Weil am Rhein seinen Stand aufgebaut. Normalerweise führt er Möbel, heute hat er aber Sammlerstücke im Angebot. Besonders eine grün-weiße „Suchard“-Box aus dem Jahre 1910 sticht aus seinem Sortiment hervor. Ein Passant sieht das antike Stück, hält inne und beäugt es genauer. „Haja, die hat nunmal Gebrauchsspuren. Dass sie Dellen hat und dass das Scharnier nicht mehr hält, gehört dazu.“ Wie viel Beier für die Box haben wolle, fragt der Interessent. Nach einer entspannten Verhandlung ist jener um 45 Schweizer Franken ärmer, aber um ein einzigartiges Küchendekostück reicher.

Feilschen gehört dazu

Mittlerweile dreht sich das Wetter mwerklich. Es wird frischer, Regen kündigt sich mit aufkommendem Wind an. Einige der Aussteller beginnen mit den ersten Nieseltropfen zusammenzupacken. Das Risiko, dass das Wetter umschlagen kann, ist ihnen dabei ständig präsent. Damit müsse man rechnen.

Lydia jedenfalls, eine Dame, die ihren Stand mit vorzugsweise Damen-Sommerkleidern direkt am Oberrheinplatz betreibt, lässt sich davon jedenfalls nicht den Spaß am Markttreiben und munteren Preisverhandlungen nehmen. Neu im Sortiment: ein roter Damen-Geldbeutel mit integriertem Smartphone-Fach. Gleich mehrere davon hat Lydia im Angebot.

Es ist Leben in der Stadt, Kunden und Händler haben Spaß – und das, so scheint es, ist mit das Wichtigste.

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