Rheinfelden Wenn Kinder Trauer tragen

Die Oberbadische
Trauerbegleiterin Nina Thömmes, hier mit ihrem Hund Pekko, arbeitet mit Kindern und Jugendlichen. Foto: zVg Foto: Die Oberbadische

Weihnachten ist ein Fest der Freude, besonders für Kinder. Doch leider nicht für alle: Für manche Kinder ist es sehr belastend, weil sie den Tod eines Elternteils verkraften mussten. Sie finden Hilfe bei Nina Thömmes, die Kinder und Jugendliche durch Zeiten von Abschied und Trauer begleitet. Der Träger des Angebotes ist vom kommenden Jahr an das St. Josefshaus in Herten.

Rheinfelden-Herten. „Besonders das erste Weihnachtsfest ohne den verstorbene Elternteil ist das schwierigste“, weiß Thömmes. Die Diplom-Pädagogin ist ausgebildete Trauerbegleiterin für Kinder und Jugendliche. Sie betreut zurzeit 14 Kinder im Alter zwischen vier und 15 Jahren in einer Kindergarten-, einer Grundschul- und einer Jugendgruppe.

Erinnergsgruppen statt Trauergruppen

In all diesen „Erinnerungsgruppen“ ist deshalb Weihnachten ein Thema. „Für die Kinder ist es ganz wichtig, dass sie immer noch eine Nähe zu dem verstorbenen Elternteil haben“, berichtet Thömmes. So spüren viele Kinder diese Nähe auch ganz konkret in bestimmten Situationen. Sie erzählen dann, als sie sehr traurig waren, hätten sie das Gefühl gehabt, dass sie ganz nah bei dem verstorbenen Elternteil waren. Darum arbeitet Thömmes in den Gruppen auch ganz bewusst die Erinnerungen heraus, weshalb sie auch von „Erinnerungsgruppen“ und nicht von Trauergruppen“ spricht. „Kein Kind will in eine Trauergruppe“, sagt sie. „Denn die Kinder wollen auf keinen Fall noch mehr traurig sein“.

„Die Kinder sind generell immer gleich von zwei Problemen betroffen, wenn ein Elternteil gestorben ist.“ Sie haben einmal die eigene Trauer und vermissen denjenigen. Aber sie sind auch extrem hellhörig und achten darauf, wie es den anderen Familienmitgliedern geht. Die Kinder haben ein ganz feines Gespür dafür, wenn beispielsweise die Mutter um ihren verstorbenen Mann trauert. Dann wollen sie auf keinen Fall die Mutter noch trauriger machen – und haben so keinen Ort für die eigene Trauer.

Wenn sie dann zu Thömmes kommen, spüren die Kinder, dass dort Raum für sie ist, da sie keine Rücksicht mehr nehmen müssen. Die Diplom-Pädagogin spricht die Themen dann offen an, und die Kinder merken sehr schnell, dass sie hier erzählen können, wie es ihnen geht. Mit dabei ist auch Hund Pekko, ein ausgebildeter „Sozialhund“. Er ist extrem umgänglich und kinderfreundlich. Gerade wenn ein Kind zum ersten Mal kommt, ist Pekko derjenige, der die Brücke zu dem Kind baut, indem er es sofort begrüßt und rasch eine Bindung zwischen Hund und Kind entstehen lässt. „Die Kinder kommen eigentlich zu Pekko und nicht zu mir“, lächelt Thömmes.

Einzelbetreuung ist zunächst wichtig

Ganz wichtig ist, dass die Kinder zunächst eine Einzelbetreuung erhalten und nicht sofort in eine Gruppe kommen. „Gerade wenn ein Kind ganz plötzlich von einem Todesfall betroffen ist, kann es die Situation gar nicht an sich heranlassen“, erzählt Thömmes. Das Kind ist dann wie im Schock. Erwachsene trifft das zwar genauso, aber sie können die Situation mit ihren Verstand verarbeiten, nicht so Kinder. Darum ist es wichtig, dass es nicht gleich mit Erinnerungen konfrontiert wird, sondern die Möglichkeit erhält, sich behutsam dem Thema zu nähern.

St. Josefshaus arbeitet als Träger mit

Diese Einzelbegleitung konnte im letzten Jahr jedoch nicht mehr in dem Maße finanziert werden, wie es nötig gewesen wäre. Zudem war die Nachfrage von Jahr zu Jahr sehr gewachsen. Darum sah sich Nina Thömmes nach einem Träger um, der das Angebot in seiner Breite unterstützt. Den hat sie jetzt im St. Josefshaus Herten gefunden. „Wir halten das Angebot für so wichtig, dass wir es weiterverfolgen möchten“, sagt Birgit Ackermann, Vorstandsmitglied der Hertener Einrichtung, dazu. Das St. Josefshaus wird mit Unterstützung der Hospizstiftung Lörrach dazu die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen.

Weitere Informationen: Die Trauerbegleitung für Kinder wird ausschließlich über Spenden finanziert. Kontakt aufnehmen können Interessierte per E-Mail an: nina.thoemmes@gmail.com. Wer spenden möchte, kann das auf das Konto IBAN: DE 51 6835 0048 0002 0019 23, BIC: SKLODE66, Kennwort „Erinnerung“. tun

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