Rheinfelden Wenn Senioren zusammen ziehen

Von Ulf Körbs

Rheinfelden. „Wie kann man im Alter selbstbestimmt wohnen“, fragte die Rheinfelder Stadt-SPD. Landtagsabgeordnete Sabine Wölfle, Mitglied der Enquetekommission „Pflege“ gab am Donnerstag Antworten.

„Mit dem Gesetz für unterstützende Wohnformen, Teilhabe und Pflege haben wir grundsätzlich drei Pfeiler geschaffen: die ambulante Pflege daheim, die selbst organisierte, ambulant betreute Wohngemeinschaft (WG) und die stationäre Pflege“, erläuterte die Sozialdemokratin aus Waldkirch. Dabei regelt das Gesetz auch den Rahmen für die immer stärker nachgefragten Form der Wohngemeinschaft: Es dürfen höchsten zwölf Mitglieder sein. Auch die Mindestgesamtfläche für eine solche „Alten-WG“ ist festgelegt. Zudem muss eine Betreuungskraft 24 Stunden am Tag verfügbar sein. Zudem dürfen nicht mehr als zwei solcher Gemeinschaften in der Nähe einer stationären Einrichtung sein und in ihrem Gebäude darf auch kein Büro eines Trägers sei. Damit soll verhindert werden, dass Träger gleichsam „Kleinheime“ schaffen, die dann nicht der Heimaufsicht unterstünden.

Im Hintergrund der Idee „Alten-WG“ steht die Erkenntnis, dass Senioren immer wieder – gerade in eher ländlicher Umgebung – sagen: „Wir möchten da nicht weg, weil wir hier die Strukturen kennen und auch unsere Kontakte haben“, wie SPD-Ortsvereinsvorsitzende Karin Paulsen-Zenke erkannt hat. Zugleich legten sie und Oberbürgermeister Klaus Eberhardt auch den Finger in offene Wunden: Eigentlich müsste die kommunale Stadtplanung auf die demografische Entwicklung eingehen, so Paulsen-Zenke. Da wäre die ambulant betreute Wohngemeinschaft durchaus eine „interessante Alternative“, deren bürokratischen Hürden aber zum Teil nur schwer überwindbar seien, wie Eberhardt festhielt. Auch die „Zimmergröße darf nicht das ausschließliche Kriterium sein“, meinte er. Schließlich sei das Rheinfelder Bürgerheim trotz kleinerer Zimmer vom Land gefördert worden.

Damit traf er auch die Meinung der Experten in der Diskussionsrunde. So klagte Bürgerheim-Leiterin Irene Lorenz, das Land habe zwar die WG-Möglichkeit geschaffen, aber alles andere wie Personalschlüssel oder Fachlichkeit des Personals werde vom Bund geregelt: „Wir müssen uns erst einmal über die Qualitätstandards einigen, sonst verzetteln wir uns“, mahnte sie.

Andere sahen auch Finanzierungsprobleme. So würden 2000 Euro pro Person, wie sie von der SPD-Landtagsfraktion laut Wölfle errechnet wurden, eher nicht ausreichen. Denn der Betreuungskraft sollte zum einen nicht nur Mindestlohn gezahlt und zum andern auch planbare freie Wochenende gewährt werden, wie von der Landtagsabgeordneten auch zur Aufwertung des Pflegeberufs gefordert wurde. Sie stellte auch fest: „Die alternde Gesellschaft ist eigentlich kein Problem, aber die Lösungen werden nicht einfacher. Wir wissen zwar nicht genau,wie das zu lösen ist. Aber wir wissen, dass es ohne bürgerschaftliches Engagement nicht geht“.

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