Rheinfelden Zu Tod, Trauer und Testament

„Sarggeflüster“ mit dem Schauspieler Falk-Willy Wild (links) und dem Moderator Oliver W. Schulte im Bestattungshaus Frank. Foto: Jürgen Scharf

Von Jürgen Scharf

Rheinfelden. „Nicht den Tod fürchten wir, sondern die Vorstellung des Todes“. Da hat der römische Philosoph Seneca nicht mit dem Schauspieler Falk-Willy Wild und dem Moderator Oliver („Olly“) W. Schulte gerechnet, die im Bestattungshaus Frank fröhlich in zwei Särgen liegend über Leben und Tod plauderten.

Eigentlich eine makabre Sache. Und so war es denn auch für Hausherr Bernd Mattes „eine skurrile Veranstaltung“: „Sarggeflüster“ habe man sonst weniger im Haus, eher Ruhe. Zuerst werden für diesen Schauspieltalk in der Trauerhalle vor laufenden Kameras feierlich die Kerzen angezündet, bevor die beiden Protagonisten die Särge begutachten, die sie bei der „Möbelausstellung“ ausgewählt haben. Es folgt ein erstes gemütliches Probeliegen im Sarg.

„Das sieht ja aus wie ein Bett!“ Er habe kein so schönes Kopfkissen daheim, staunt Falk-Willy Wild stellt fest, „fast wie ein Fernsehsessel“. Olly Schulte findet die Matratze erstaunlich bequem. In diesem Stil geht es bei „Sarggeflüster“ weiter, einer Fortsetzung der Reihe „Bettgeschichten“ von Schulte.

Fühlen sich die beiden in dem hellem und dunklen letzten Ruhelager schon wie zuhause? Und wie ist es, wenn man den Deckel schließt? „Huch! Ich bin Phobiker“, mimt der prominente Film- und Fernsehschauspieler Erschrecken. Für dieses Spiel braucht man eine ordentliche Portion Mut, und beide gehen einen gewagten Schritt: „Tschüss, Olly!“. Mit Headset lässt es sich im geschlossenen Sarg weiter reden oder schnarchen. Fehlt bloß noch das Glöckchen wie früher, um nicht lebendig begraben zu werden... Aber das sei heute nicht mehr Usus, bestätigt der Bestatter.

Natürlich hat die schwarzhumorige Gesprächssituation auch ernsthafte Züge. Da werden Gedanken angesprochen, die man sich zu Lebzeiten macht: (See-)Bestattung, Testament, Flugangst, den letzten Willen, Trauerarbeit, Leben nach dem Tod (Wild: „wunderbare Vorstellung“), Grabreden, Nachrufe, die letzte Mahlzeit, Demut, Altersheim und Sargnagel.

Was soll denn auf dem Grabstein stehen? Talkgast Falk-Willy Wild wie aus der Pistole geschossen: „Bin mal kurz weg“ oder noch besser: „Ich komme gleich wieder“. So schlägt dieser etwas andere Talk immer wieder von ernsten Themen den Bogen zur lustigen Trauerveranstaltung. Nicht zuletzt ging es um Werte, Vermächtnis, Rückblick auf das eigene Leben, um die Angst, nein, weniger vor dem Tod als vor dem 50. Geburtstag. Und um den Lockdown, dass man in der Schauspielerbranche „eineinhalb Jahre ruhiggestellt war“.

Falk-Willy Wild musste schon mal eine Leiche spielen. Keine lustige Sache am Set. Leiche spielen sei sehr undankbar. Und auf Nachhaken von Olly: Er musste noch nie in einem Sarg dafür liegen. Da kommt man bei diesen gewieften, schlagfertigen TV-Machern leicht ins Witzeln: „Nur über meine Leiche!“

Die wenigsten Fernsehzuschauer dürften wissen, dass Falk-Willy Wild Botschafter des Kinderhospizes Berlin ist. Das Thema Tod ist ihm also nicht fremd. Er moderiert dort Feste oder liest den Kindern Geschichten vor, was ihn emotional „ausfüllt“. Mit seinen Großeltern sei er als Kind oft auf den Friedhof gegangen, aber das habe ihm immer Angst gemacht. Sagte doch Oma zu ihrem Enkel: „Sei nicht so laut, die wachen sonst auf“.

Der Abend war auch ein Gedenken an den kürzlich verstorbenen Schauspieler Peter Schell, der sich für den geplanten Auftritt schon viele philosophische Gedanken gemacht und bereits eine Urne gekauft hat. Doch dann ist er gestorben und in dieser Urne bestattet worden. Es war nicht leicht, jemanden zu finden, der für ihn einspringen konnte, um so locker über den Tod zu sprechen. Wild fand es „eine tolle Idee“, für seinen Kollegen hier zu stehen, zumal er in der gleichen Serie wie Schell mitgespielt hat, aber viel später, und ihm nie begegnet ist.

Die Zuschauer erlebten einen wortwitzigen Schlagabtausch bei dieser etwas morbideren Art der „Bettgeschichten“, die von Olly Motions, dem Kamerateam des Moderators, aufgezeichnet wurde und auf Youtube gestellt wird.

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