Rheinfelden Zwischen Hochbarock und Wiener Klassik

Das soeben mit dem Opus Klassik-Preis ausgezeichnete Ensemble Capricornus Consort Basel sorgte bei den Eichsler Silvesterkonzerten für einen festlichen Jahresausklang. Foto: Jürgen Scharf

Rheinfelden-Eichsel - Es muss sich herumgesprochen haben, dass das Ensemble Capricornus Consort Basel im Oktober den ersten „Opus Klassik“-Preis, den offiziellen Nachfolgepreis des „Echo Klassik“, erhalten hat und sich damit in prominenter Gesellschaft weltberühmter Klassikstars befindet. Das Barockensemble bekam den Preis in der Kategorie „Sinfonische Einspielung des Jahres (18. Jahrhundert)“ für seine jüngste CD mit Instrumentalwerken von Franz Xaver Richter.

Die Triosonate aus Op.4 Nr. 6 für zwei Violinen und Cello von Richter, einem wichtigen Vertreter der Mannheimer Schule, stand mit auf dem Programm des Silvesterkonzerts in der Eichsler Dorfkirche St. Gallus. Dass dieser festliche Jahresausklang für viele Besucher aus nah und fern zur lieben Tradition geworden ist, war allein schon daran zu erkennen, dass die Kirchenbänke nicht ausreichten. Das war ein Volltreffer, den die Eichsler Silvesterkonzerte, die zum 33. Mal stattfanden, landen konnten.

Kein Wunder, denn wie sich die Basler Alte-Musik-Spezialisten der Epoche zwischen Hochbarock und Wiener Klassik, einer im Konzertbetrieb vernachlässigten Zeit des Übergangs, widmen, ist ein musikalisches Ereignis. Dies verschafft einem Franz Xaver Richter einen höheren künstlerischen Stellenwert.

Das in Basel beheimatete Spezialensemble mit dem Gründer und Leiter Péter Barczi, der Geigerin Eva Borhi, dem Cellisten Daniel Rosin und dem Cembalisten David Blunden spielt präzise und zupackend, sodass man als Zuhörer gut nachvollziehen kann, warum diese Musiker den neuen deutschen Musikpreis bekommen haben. Welch eine prachtvoll ausgespielte Phrasierungs- und Vortragskunst ziert etwa eingangs schon die berühmte Aria quinta sopra la Bergamasca von Marco Uccellini.

Das ließ sich noch toppen mit komödiantischer Musik des Barock. Heinrich Ignaz Franz Bibers außergewöhnliche „Sonata Representativa“ für Violine solo und Continuo ist ein barockes Kuriosum mit Tierstimmen-Imitationen. Und da man besser hört, wenn man etwas weiß, war es willkommen und hilfreich, von dem künstlerischen Leiter und Primgeigers kurze Werkeinführungen und Klangbeispiele vorab zu erhalten. Bei Biber waren das lustige Motive: Von der stillen Nachtigall, die ihr Lied singt, dem Kuckuck, der gackernden Henne und dem stolzen krähenden Hahn, die musikalisch zu Wort kommen, bis zur miauenden Katze und den Fröschen, die zu erheblichen violinistischen Missklängen beitragen dürfen.

Für den Geiger, in diesem Fall Barczi, ist das Stück sehr anspruchsvoll durch seine extreme Lage, die Doppelgriffe und die Skordatura, deren Geheimnisse dieser Forscher und Vermittler historischer Musik kundig, stilsicher und mit Witz beherrscht. Barczi inszenierte diese klingende Menagerie tierischer Lautmalerei sehr unterhaltsam als „Spaziergang nach Eichsel“.

Burlesk war auch die Orchestersuite „Gulliver“ von Georg Philipp Telemann, barocke Programmmusik über zwergenhafte Leute (Chaconne) und Giganten (Gigue). Dass Telemann die humorvolle Liliput-Suite nach dem Buch „Gullivers Reisen“ von Jonathan Swift als Tanzsuite mit charakteristischen Episoden aus den abenteuerlichen Reisen gestaltet, wurde von den Barockgeigern Borhi und Barczi ungezwungen in einem inspirierten und lebendigen Aufführungsstil nachvollzogen.

Die exzellenten Musiker gehören zwar der „Historiker-Partei“ an, aber ihr Barockverständnis geht darüber hinaus; in die „Klangrede“ legen sie Gefühl und Ausdruck. So ist es sehr affektreich und wirklich hörenswert, wie sie die Tonmalerei in Klanggemälde umsetzen und mit aller denkbaren Drastik in diese Musik kommen. Auch welche Klangfarben und glutvolle Intensität sie der Ciaccona von Corelli mit ihren Barockbögen auf den warm klingenden Darmsaiten entlocken, war höchst brillant und preiswürdig!

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