Ringen Aus der Pause direkt auf die Matte

Zweimal TuS: Kampfrichter Torsten Baumgartner (l.) trifft in Kiew Ivo Angelov.Fotos: zVg Foto: Die Oberbadische

Das war eine echte Mammutaufgabe, die Torsten Baumgartner vom TuS Adelhausen dieser Tage zu bewältigen hatte. Der 37-Jährige war für das internationale Turnier des Weltverbandes in Kiew nominiert worden. Und so stieg einer der besten Kampfrichter Deutschlands mit voller Vorfreude in den Flieger.

Von Mirko Bähr

Rheinfelden-Adelhausen. Die verstaubte Pfeife hatte der Referee erst kürzlich aus der Sporttasche gekramt, als er am Olympiastützpunkt Freiburg einige Trainingskämpfe leitete. Quasi zum Wiederreinkommen, als Generalprobe für den Hochkaräter im Sportpalast der ukrainischen Hauptstadt.

Der letzte Ernstkampf liegt aufgrund der Corona-Pandemie schon länger zurück. Es war im Herbst, als Baumgartner beim Aufeinandertreffen zwischen Tennenbronn und Taisersdorf das Regelwerk überwachte. „Seither war’s ruhig“, meint der ringkampfverrückte Adelhausener, der nach einer schweren Knieverletzung 2002 die Seiten wechselte und Kampfrichter wurde.

Viele Wettkämpfe auf Weltniveau hatte es in diesem Jahr noch nicht gegeben. In Kiew hatten die Top-Ringer aus aller Herren Länder nach dem Re-Start erst das dritte Mal die Chance, ihren Leistungsstand auf der Matte zu überprüfen. Für Baumgartner war es die Premiere. Und dann gleich in diesem Rahmen.

„Ein Mörderturnier“, wie der 37-Jährige feststellt. 700 Teilnehmer aus 35 Nationen duellierten sich über drei Tage auf vier Matten. Für die Kampfrichter bedeutete das Schwerstarbeit. „Am Freitag waren es elfeinhalb Stunden, am Samstag 14 und zum Abschluss am Sonntag dann acht“, schnauft Baumgartner tief durch. Lange Pausen auf den Matten gab es keine, nach nur kurzen Erholungsphasen waren die Referees wieder am Start. „Das war sicherlich anstrengend, aber andererseits hatte ich viele Einsätze. Das ist es doch, was ich möchte. Ich hatte immer etwas zu tun. So waren es am Ende bestimmt 60 Kämpfe, in denen ich involviert war.“

Unter anderem leitete er zwei Frauen-Finale, bei einem wirkte er als Punktrichter mit, dazu kamen neun Einsätze im Kampf um den dritten Rang. „Das darf man dann schon als Anerkennung für gute Leistungen sehen. Hätte ich etwas verbockt, wäre ich in den entscheidenden Kämpfen wohl eher weniger im Einsatz gewesen“, stellt Baumgartner zufrieden fest. Überhaupt seien die Leistungen der Referees „außergewöhnlich gut“ gewesen, wie der Kampfrichter-Chef seine Mannschaft in Kiew lobte.

Baumgartner, der seit 2017 die internationale Lizenz besitzt, war einfach nur froh, wieder dabei sein zu können. „Ich war schon aufgeregt. Es war ja nach einem halben Jahr ohne jeden Wettkampf gleich ein richtiger hochkarätiger. Für viele Ringer war es eine echte Standortbestimmung in Richtung Olympia“, weiß der stellvertretende Kampfrichterreferent des Südbadischen Ringerverbandes. Und so begleiteten ihn eine gewisse Anspannung und Nervosität, aber auch eine große Portion Vorfreude. „Wichtig war, dass es nicht gleich im ersten Kampf zu strittigen Szenen kam. Es hat richtig viel Spaß gemacht, es war nie langweilig“, resümiert Baumgartner den Ausflug in die Ukraine.

Zusammen mit der Nationalmannschaft ging es von Frankfurt aus mit dem Flugzeug nach Kiew, wo man ein Hotel bezog, das nur zehn Minuten vom Sportpalast entfernt lag. „Das war ideal. Alles war top organisiert. Bis auf die tägliche Wettkampfdauer. Da hätte man vielleicht einen Tag mehr einplanen sollen“, so Baumgartner, der bereits im Vorfeld das Hygienekonzept zugeschickt bekam. In der Halle hatte er die Schutzmaske auf, bei den Mattenduellen selbst trugen die Kampfrichter ein Visier.

Als nächstes stehen für ihn, wenn alles planmäßig verläuft, die Deutschen Meisterschaften im Juli auf dem Programm. Auf internationaler Ebene ist bislang noch kein weiterer Einsatz fix. Das könnte sich aber ändern, wenn Turniere außerplanmäßig über die Bühne gehen sollten.

Und auch auf Funktionärsebene strebt Baumgartner eine Veränderung an. Wenn es die Delegierten so wollen, könnte der Adelhausener nach dem nächsten Verbandstag im Mai schon als Chef der Kampfrichter aus Südbaden fungieren.

Dass „Fuxx“, wie er in Ringerkreisen bestens bekannt ist, Kampfrichter wurde, sei das Beste gewesen, was ihm passieren konnte, stellt er fest. „Ich habe tolle Leute kennengelernt, viele Freunde gefunden und konnte mich stetig weiterentwickeln. Das alles will ich nicht mehr missen.“ Auch wenn für dieses besondere Hobby natürlich viel Freizeit drauf geht.

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