Ringen „Den Finger in die Wunde gelegt“

Markus Eichin sorgt im Südbadischen Ringerverband für Furore. Foto: Uli Nodler

Gresgen - Hohe Wellen haben vor vier Wochen die anstehenden Wahlen beim Verbandstag der südbadischen Ringer geschlagen. Quasi aus dem Nichts ist Markus Eichin vom SV Gresgen gegen den amtierenden Präsidenten Martin Knosp angetreten und ist bei der Abstimmung nur knapp unterlegen.

Die hauchdünne Wahlentscheidung hat gezeigt, dass viele Ringervereine in Südbaden mit der aktuellen Verbandsarbeit nicht zufrieden sind. Wie ist der „Bär vo Gresge“ rückblickend mit diesem doch überraschenden Wahlergebnis umgegangen? Unser Redakteur Uli Nodler hat sich mit Markus Eichin unterhalten.

Herr Eichin, Sie haben mit Ihrer Kandidatur jüngst beim Verbandstag des Südbadischen Ringerverbandes eine kleine Palast-Revolution ausgelöst. War für Sie die knappe Niederlage gegen den Amtsinhaber doch so etwas wie ein kleiner Sieg?

Fakt ist, dass ich verloren habe. Das knappe Ergebnis hat mir aber gezeigt, dass angesichts einer großen Unzufriedenheit bei den Vereinen im Verband auch personelle Änderungen notwendig sind. Jene, die ich vorher eingeweiht habe, rieten mir ab, weil sie der Meinung waren, dass ich so kurzfristig überhaupt keine Chance habe. Für mich war es aber angesichts der offenkundigen Missstände dringend erforderlich, bei diesem Verbandstag mit meiner Kandidatur ein Zeichen zu setzen, den Finger in die Wunde zu legen. Das ist mir, glaube ich, ganz gut gelungen. Ich hoffe, dass die Herren im Vorstand sich jetzt ernsthaft Gedanken machen, um die Sorgen und Nöte der Vereine bei ihren zukünftigen Entscheidungen zu berücksichtigen.

Nehmen wir mal an, Sie wären gewählt worden. Was hätten Sie dann als Präsident anders gemacht?

Ich hätte zunächst einmal veranlasst, dass die Richtlinien und Strukturen im Verband komplett überarbeitet und optimiert werden. Da liegt vieles im Argen. Zudem hätte ich auch die Vereine stärker in die Verbandsarbeit eingebunden, ihre Ideen und Verbesserungsvorschläge ernst genommen. Im sportlichen Bereich hätte es bei mir klare Richtlinien gegeben. Beispielsweise bei Nominierungen für die Deutschen Meisterschaften. In der Vergangenheit war es leider nicht immer so, dass der Südbadische Meister automatisch für die Deutschen nominiert worden ist. Zudem hätte der Verband, wie es eigentlich üblich ist, südbadische Ringerinnen und Ringer, die zu Lehrgängen auf nationaler Ebene eingeladen worden sind, finanziell unterstützt. Das ist in Südbaden nicht die Regel.

Glauben Sie, dass der aktuelle Präsident Martin Knosp nach diesem Denkzettel bei seiner letzten Amtsperiode auf die Bedenken und Anregungen der Vereine eingehen wird?

Ich glaube schon, dass meine Aktion beim Verbandstag auch in Vorstandskreisen Eindruck hinterlassen hat. Die Herren sind ins Grübeln gekommen, waren sichtlich überrascht, dass ich bei den Vereinen in kurzer Zeit so eine große Lobby habe. Der Verband hat ja schon reagiert und nach dem Verbandstag sämtliche Vereine angeschrieben. Da bewegt sich also etwas. Nun muss man abwarten, ob es die Verbandsspitze mit dem Erneuerungsprozess ernst meint.

Sie sind beim ersten Versuch, Präsident der südbadischen Ringer zu werden, nur knapp gescheitert. Wird es für Sie in zwei Jahren einen zweiten Anlauf geben?

Darüber nachzudenken ist vielleicht noch ein bisschen früh. Wenn ich aber in zwei Jahren den Rückhalt der Vereine spüre, dann werde ich mich nicht scheuen im Verband Verantwortung zu übernehmen. Das muss aber nicht unbedingt als Präsident sein.

Immerhin ist der Bezirk Oberrhein im neuen Verbandsvorstand nun durch die Wahl von Axel Asal zum Vizepräsidenten Sport vertreten. Was trauen Sie ihm in seinem neuen Amt zu?

Ich sehe seine Wahl sehr positiv. Der Axel hat bislang in Adelhausen als verantwortlicher Nachwuchstrainer und auch als Leiter des Bezirksjugendtrainings einen super Job gemacht. Da hat er gezeigt, dass er Führungsqualitäten besitzt. Deshalb traue ich ihm eine Menge zu. Er kann viel bewegen, wenn er die entsprechenden Kompetenzen hat.

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