Rheinfelden-Adelhausen - Es sollte ein echter Derby-Festtagsschmaus werden. Es sollte. Am Ende wurde in der Dinkelberghalle ein Gericht serviert, das die Klasse einer Tiefkühlpizza hatte. Kein Pfeffer, und das Endergebnis war bereits vor dem Ereignis klar. Die RG Hausen-Zell kam zum Abschluss der Quali-Runde in der Bundesliga Südwest nur mit neun Ringern, einer davon hatte Übergewicht. Das Resultat: ein 40:0-Erfolg für das Heimteam. Und das im Derby!

Es sollte der krönende Abschluss der Gruppenphase werden. Ein lockerer Aufgalopp ganz ohne Zwänge. Beide Teams hatten ihr Saisonziel bereits perfekt gemacht. Der TuS kämpft ab kommenden Samstag in den Playoffs um den Titel, die RG schaffte den Klassenerhalt und wird auch kommende Runde im Oberhaus zu Werke gehen.

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Immerhin 500 Fans kamen in die Halle, die Burger brutzelten vor der Halle und der „Dinkelberg-Klaus“ verteilte fleißig Süßigkeiten. Die Vorfreude war groß. Als die Aufstellung der Gäste dann bekannt und das Reglement erklärt wurde, herrschte ungläubiges Staunen, die einen oder anderen „Buhh“-Rufe gab es ebenfalls zu hören.

Die TuS-Verantwortlichen um Coach Florian Philipp hatten einen dicken Hals. „Ich fahre extra zum Flughafen nach Zürich, kassiere noch ein Knöllchen, damit Artem Gebekov gegen Ivan Guidea nochmals eine echte Standortbestimmung vor den Playoffs bekommt, und dann so etwas. Für uns ging es auch um nichts mehr. Das ist keine Werbung für unseren Sport, das ist respektlos den Zuschauern und dem Heimteam gegenüber“, sprudelte es aus ihm heraus. So mache man den Sport kaputt.

„Was soll ich denn machen?“, zuckte Zells Sportlicher Leiter Ralf Wagner mit den Schultern. „Oli Hassler liegt flach, hat Fieber, Ivan Guidea ist vom Verband nicht freigegeben worden, obwohl wir die Flugtickets bereits gebucht haben, Laszlo Szabolcs ist beruflich verhindert und Gergö Wöller verletzt“, zählte Wagner auf. „Ich verstehe die Enttäuschung natürlich, wir hätten wirklich gerne anders aufgestellt, aber uns waren die Hände gebunden.“

Der dünne Kader auf der einen und der entscheidende Kampf um die Bezirksliga-Meisterschaft in Tegernau haben den Derby-Zuschauern die Stimmung vermasselt. Florin Trifan konnte noch aus dem Team der Reserve losgeeist werden, Alexander Rümmele, ein weiterer Kandidat für die Erste, aber nicht. Nebenbei: die RG II sicherte sich die Meisterschaft.

Erste fünf Kämpfe dauern 12:39 Minuten

Gekämpft wurde auch in der Dinkelberghalle. Auf rein freundschaftlicher Basis. Das Endergebnis auf der Matte: 32:0 für den TuS. Der übrigens blieb ungeschlagen in der Südwest-Gruppe und muss jetzt im Viertelfinale nach Witten.

12:39 Minuten dauerten die einseitigen Duelle vor der Pause. Nick Scherer (57 kg-Greco) hatte Michael Denner nach 1:05 Minuten technisch-überhöht besiegt, Felix Krafft (130 kg-Freistil) musste erst gar nicht schwitzen, gewann kampflos, Artem Gebekov (61 kg-Freistil) hatte den sich wacker wehrenden Florin Trifan nach 3:55 Minuten mit 16:0 bezwungen, während Peter Öhler (98 kg-Greco) einen weiteren einseitigen Vergleich gegen Stefan Hau–schel in 1:38 Minuten mit 16:0 beendete.

Über volle Distanz ging das einzige interessante Aufeinandertreffen vor der Pause zwischen Zsolt Berki und Virgil Munteanu (66 kg-Greco). „Er hat einen schlechten Tag erwischt“, resümierte Adrian Recorean, der zusammen mit Michael Schwald die RG coachte. Gemeint war Munteanu, der Berki mit 1:2 unterlag. „Eine Super-Leistung“, lobte Philipp.

Recorean selbst hatte Gewicht gemacht und traf auf Michael Kaufmehl (86 kg-Freistil). Der behielt mit 5:1 die Oberhand, was „Bubi“ ziemlich aufregte. Beim Stand von 0:3 aus seiner Sicht beanspruchte er eine Zweier-Wertung für sich. „Es war meine Aktion“, ärgerte er sich über den Entscheid von Kampfrichter Sven Hilser.

Beruhigt hatte er sich einen Kampf später immer noch nicht, als sich Manuel Wolfer und Vladislav Wagner (71 kg-Freistil) gegenüberstanden. Eine Gelbe Karte war die Folge, und ein Schultersieg von Wolfer nach 4:04 Minuten, als er wie ein Bulldozer den RG-Mann auf die Bretter beförderte.

Das Duell zweier Top-Deutschen gab es in der Greco-Klasse bis 80 Kilo, als Roland Schwarz auf Florian Neumaier traf. Ein Konter des Dinkelbergers bei einem Aushebeversuch des RG-Akteurs brachte vor der Pause die Entscheidung. Am Ende gewann Schwarz mit 5:1 diesen Kampf auf Augenhöhe.

Sascha Keller (75 kg-Greco) war beim 12:4-Erfolg Simon Günter überlegen, während Stephan Brunner (75 kg-Freistil) Patrick Sutter nach 2:31 Minuten vorzeitig mit 15:0 besiegte. Letzterer hatte danach nochmals allen Grund zur Freude, staubte er doch mit einem breiten Grinsen den Pokal für den TuS-Ringer des Jahres ab.

Playoffs

Die Playoffs beginnen für den TuS Adelhausen beim Traditionsverein KSV Witten. Der Viertelfinalgegner hat sich als Dritter der Nordwest-Gruppe für die K.o.-Runde qualifiziert. Der Hinkampf steigt am Samstag, 22. Dezember, 19.30 Uhr, im Ruhrpott, der Rückkampf am 29. Dezember in Adelhausen. Gelingt der Sprung ins Halbfinale, trifft der TuS am 5. Januar zuhause entweder auf Meister Burghausen oder Vize Köllerbach. Am 12. Januar geht es in der Fremde zur Sache. Im Finale hätte der TuS im Rückkampf (26. Januar) Heimrecht.