Rheinfelden-Adelhausen - Frust beim Gastgeber, schelmisches Grinsen beim Gast. Über das erste Halbfinale im Kampf um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft zwischen dem TuS Adelhausen und dem SV Wacker Burghausen wird sicherlich noch lange gesprochen werden. Nicht so sehr über das Ergebnis, sondern über den Auftritt des amtierenden Deutschen Mannschaftsmeisters aus Oberbayern.

13:13 trennten sich Gastgeber TuS Adelhausen und der SV Wacker Burghausen am Samstag in der mit über 1000 Zuschauern brechend vollen Dinkelberghalle. So weit so gut. Doch der Halbfinal-Hinkampf könnte für die Burghausener noch ein Nachspiel haben.

Fotostrecke 4 Fotos

Nur die Einheimischen an der Waage

Was war geschehen? Der Kampf sollte eigentlich um 19.30 Uhr beginnen. Die Regel schreibt vor, dass 45 Minuten zuvor das obligatorische Wiegen stattfindet. Um 18.45 Uhr fanden sich aber nur die Einheimischen an der Waage ein. Vom SV Wacker Burghausen keine Spur. Zu diesem Zeitpunkt war der Wacker-Tross mit dem Bus noch auf der A5 unterwegs, traf erst kurz nach 19 Uhr auf dem Dinkelberg ein. Der letzte Gäste-Ringer war um 19.05 Uhr in der Dinkelberghalle.

Die Gäste erklärten ihre Verspätung mit der Tatsache, dass sie am Samstag in Burghausen trotz der in den Medien prognostizierten Schneewalze erst um 8 Uhr losgefahren sind. Ein solches Gebaren würde man dilettantisch nennen, wenn es keinen sportlichen Hintergrund gegeben hätte. Denn: Früher wären die ausländischen Ringer des SV Wacker nicht verfügbar gewesen, wie es von Seiten der Gäste TuS-Trainer Bernd Reichenbach zugetragen wurde.

Sei’s drum. Wacker Burghausen war nicht rechtzeitig zum Wiegetermin erschienen. Das Regelwerk des DRB sieht in diesem Fall vor, dass die Burghausener eigentlich eine halbe Stunde nach dem offiziellen Wiegetermin, also um 19.15 Uhr zum Wiegen hätten antreten müssen, wenn es zuvor keinen triftigen Grund (zum Beispiel Unfall) gegeben hatte. Das lag aber nicht vor, obwohl die Gäste Stauprobleme als Ursache für die Verspätung angaben. Gewogen wurden die Burghausener Ringer aber erst um 19.45 Uhr. „Ich glaube, da mussten noch einige Gewicht machen“, mutmaßte Reichenbach.

Ein weiterer Nachteil war, dass Adelhausen die personellen Karten in diesem Halbfinalkampf ohne die Aufstellung Burghausens zu kennen, beim Wiegen auf den Tisch legen musste. „Wir hätten dann sicherlich noch reagiert und beispielsweise in der Freistilklasse bis 57 Kilogramm anstelle von Beka Bujashvili Nick Scherer gebracht und in der Freistil-Klasse bis 66 Kilogramm Manuel Wolfer anstelle von Björn Schuster, wenn wir die Aufstellung gekannt hätten“. ärgerte sich Coach Reichenbach.

Der gesamte Kampfablauf wurde anschließend von den drei Kampfrichtern in einem Wettkampf-Protokoll festgehalten. Das letzte Wort hat nun zeitnah der Deutsche Ringer-Bund. Tatsache ist, dass der SV Wacker Burghausen zu spät zum Wiegen erschienen ist. Solches Gebaren wird normalerweise mit einer 0:40-Niederlage geahndet.

Wacker-Mann Maasch im Rückkampf gesperrt

Auf der Matte ging es anschließend auch rund. Nach vier Mattenduellen waren die TuS-Fans bester Laune. Die Gastgeber führten nach nicht einmal 16 Minuten reiner Kampfzeit mit 13:0.

In den beiden leichtesten Gewichtsklassen feierten Beka Bujiashvili (bis 57 kg, Freistil) gegen Manzur Dakiev und Ivo Angelo (bis 61 kg, Greco) technisch-überhöhte Punktsiege. Auch Greco-Schwergewichtler Christian John spielte mit seinem Wacker-Gegner Ramsin Azizsir auf der Matte, feierte nach 4:16 Minuten ebenfalls einen technisch-überhöhten Punktsieg. Mehr erwartet hatten die TuS-Verantwortlichen von Freistil-Halbschwergewichtler Zbigniew Baranowski bei seinem Saison-Debüt im TuS-Dress. In einem aktionsarmen Duell gegen Erik Thiele setzte sich der Pole am Ende mit 2:0-Punkten durch, holte lediglich einen Mannschaftspunkt.

Das war’s dann aber schon in Sachen Erfolge aus Adelhausener Sicht an diesem Abend. Fortan dominierte der amtierende Titelträger auf der Matte. In der Freistil-Klasse bis 66 Kilogramm war Jörn Schubert bei seiner technisch-überhöhten Punktniederlage gegen Burghausen-Ass Cengizhan Erdogan chancenlos.

Auch nach der Pause ging’s mit der Burghausener Erfolgsserie weiter. Tamas Lörincz, der ehemalige Adelhausener beherrschte TuS-Mann Roland Schwarz in der Greco-Gewichtsklasse bis 86 Kilogramm, feierte einen ungefährdeten 8:0-Sieg. Und der TuS-Vorsprung schmolz weiter, weil sich Matthias Maasch auf Seiten der Gäste gegen Danijel Janecic nach einem 0:2-Rückstand wegen der letzten Wertung hauchdünn durchsetzte. Maasch wird aber im Rückkampf fehlen, weil er später vehement gegen eine Mattenleiter-Entscheidung reklamierte und Gelb/Rot sah.

Grandioser Auftritt von Freistil-Weltergewichtler Stephan Brunner

Dass der TuS Adelhausen am Ende nicht sogar als Verlierer dastand, war dem grandiosen Auftritt von Freistil-Weltergewichtler Stephan Brunner zu verdanken, der gegen Burghausens Top-Mann Magomedmurad Gazhiev nur mit 0:3 verlor und lediglich zwei Mannschaftspunkte abgab. Da auch Georgh Harth (80 kg, Freistil) gegen Benjamin Sezgin mit 2:4 den Kürzeren zog, führte der TuS Adelhausen vor dem letzten Mattenduell nur noch mit 13:11. Diesen Vorsprung gab dann Greco-Weltergewichtler Sascha Keller mit seiner 3:6-Punktniederlage gegen Michael Widmayer noch aus der Hand.