Ringen Kommune der wichtigste Sponsor

Spektakulär war im DM-Viertelfinale der 57 Kilogramm-Kampf zwischen dem Adelhausener Beka Bujiashvili (rot) und Ahmet Peker (SV Wacker Burghausen).Foto: Archiv Foto: Die Oberbadische

Fällt der Name SV Wacker Burghausen, stellt sich der Ringer-Familie des TuS Adelhausen der Kamm. Der dominierende Ringer-Klub der letzten drei Jahre hat sich in den Playoffs um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft zweimal gegen den TuS Adelhausen durchgesetzt. Zumindest beim ersten Aufeinandertreffen musste der bayrische Erstbundesligist die Schützenhilfe des Deutschen Ringerbundes in Anspruch nehmen, um die Adelhausener auszuschalten. Das gelang Burghausen in erster Linie mit einer nicht unerheblichen finanziellen Unterstützung der Stadt Burghausen.

Burghausen. Auf der Trikotbrust des aktuellen deutschen Mannschaftsmeisters prangt das Wahrzeichen der alten oberbayrischen Herzogstadt. Es ist ein markanter Teil der laut Guinness-Buch mit 1015 Metern längsten Burganlage der Welt. Es ist kein ausgefallener Werbe-Gag, sondern es steckt Kalkül dahinter. Denn: Die Stadt mit ihren etwas mehr als 18 000 Einwohnern ist mit ihrem Tourismus-Zweig der größte Sponsor des aktuellen Deutschen Ringer-Mannschaftsmeisters SV Wacker Burghausen.

Nachdem der SV Wacker im Viertelfinale den TuS Adelhausen mit zwei klaren Siegen ausgeschaltet hatte, bezwang Burghausen im Halbfinale den ASV Mainz 1888 in Hin- und Rückkampf ebenfalls recht deutlich. In den beiden Finalkämpfen konnte der ASV Köllerbach den Burghausenern in ihrem Heimkampf Paroli bieten, war letztlich aber chancenlos. Schon vor Saisonbeginn waren die Top-Ringer aus der Kleinstadt an der Grenze zu Österreich die klaren Favoriten auf den DM-Titel. Burghausens 35-köpfiger Kader setzte sich in der vergangenen Saison aus acht deutschen Nationalmannschaftsringern und Weltklasse-Athleten aus dem Ausland zusammen. Da ist jede der zehn Gewichtsklassen jeweils dreifach und mehr besetzt.

Dass Burghausen in den vergangenen Jahren mit solch einem herausragenden Team antreten konnte, hat der Klub aus Oberbayern einer städtischen Zuwendung in sechsstelliger Höhe pro Saison zu verdanken. Gemunkelt wird von 200 000 Euro. Damit ist der SV Wacker Burghausen wohl der einzige Ringer-Verein in Deutschland, der von einer Kommune gesponsert wird.

Für die Stadt sind die Ringer-Erfolge ein nicht unerheblicher Imagegewinn. Zudem ist das Stadtsäckel Jahr für Jahr gut gefüllt. Kolportiert werden für den Industriestandort jährliche Gewerbesteuereinnahmen in Höhe von 50 bis 60 Millionen Euro. Zudem gibt es zudem ein Übereinkommen mit dem in Burghausen beheimateten Chemiekonzern Wacker, dass die Stadt als Gegenleistung für die vielen Millionen an Gewerbesteuer den Werksverein mit seinen 24 Abteilungen unterstützt. Zuletzt wanderte eine Million Euro aus dem städtischen Haushalt ins Vereinsbudget.

Zunächst war es vor allem die Schwimmabteilung, die dank dieser Unterstützung im Verein Olympia-Starter hervorbrachte. Unter ihnen dürfte Nicole Hetzer, die bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften auf den Startblock ging, die bekannteste sein. Später waren es die Tennisspieler und Fußballer, die im Fokus standen. Nun sind es also die Ringer. Der größte Sportfan in Burghausen ist Bürgermeister Hans Steindl. Der heute 70-Jährige hält zwar die Außenwirkung der Wacker-Ringer im Gegensatz zu den Fußballern, die einst in der 2. Bundesliga und aktuell in der Regionalliga spielen, eher als gering an, doch dafür bringe – so Steindl in einem Interview – das Ringen mit vergleichsweise geringen finanziellen Mitteln große nationale Erfolge und versammle viele Menschen in der Halle. Zudem sehe er in der seriösen Abteilungsleitung durch Jürgen Löblein Möglichkeiten, Burghausener Talente an die nationale und internationale Spitze zu führen. So hat die Stadt entschieden, die bestehende Ringerhalle aus den fünfziger Jahren durch ein modernes Trainingszentrum für zweieinhalb Millionen Euro Baukosten zu ersetzen.

Allerdings hat das Ringer-Schlaraffenland jüngst einen Dämpfer erhalten. Der Solarmarkt bereitet Wacker Chemie Schwierigkeiten. So wurden 2019 Verluste in dreistelliger Millionenhöhe eingefahren. Da muss die Stadt nun Einbußen bei der Gewerbesteuer hinnehmen. Da gibt es Hoffnung für die Konkurrenz, dass die kommende Mannschaftssaison in der 1. Bundesliga nicht mehr ganz so einseitig verlaufen wird.

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