Ringen Zurückhaltende Griffkünstler

In der kommenden Woche starten die Ringer mit der Europameisterschaft in Warschau in die heiße Phase vor den Olympischen Spielen. Eigentlich wäre demnächst auch der Zeitpunkt, wo die Amateursportler nach dem Grundlagentraining zurück auf die Matten kämen. Doch weder Vereinstraining in der Halle noch Besuche im Kraftraum sind derzeit möglich.

Lörrach (rom). Wir haben uns bei Funktionären und Trainern unserer Regionalligisten aus dem Bezirk umgehört. Ralf Wagner (RG Hausen-Zell), Kai Vögtlin (WKG Weitenau-Wieslet) und Sascha Oswald (KSV Rheinfelden) erzählen, was die Ringer derzeit so machen und ob sie die Saison überhaupt für realistisch halten.

„Ohne Zuschauer können wir das Ringen eigentlich sein lassen“, positioniert sich WKG-Trainer Kai Vögtlin klar gegen Geisterkämpfe. So lange sich die Impfzahlen nicht bessern würden, sieht er jedenfalls schwarz für Kämpfe vor Publikum. „Ohne – das ist für mich kein Ringen.“ Wer je einen Heimkampf der WKG verfolgt hat, weiß, warum. Der Fanclub „Roddys“ ist der elfte Mann.

Neben der Stimmung ist zudem auch der finanzielle Punkt für die Amateure ein weiteres Problem, wie Sascha Oswald ausführt: „Der Kampfrichter muss bezahlt werden, die Start- und Lizenzgebühren sind zu entrichten. Ohne die Eintrittsgelder und Einnahmen durch die Bewirtung an den Kämpfen legt man sogar beim Heimkampf drauf. Bei den Auswärtskämpfen, die teils hunderte Kilometer weit weg führen, sowieso.“ Ohne das Rheinfelder Trottoirfest und die Bewirtungen am Mai- und Vatertagshock fehlen dem Kraftsportverein weitere Einnahmequellen für den Sportbetrieb.

Der Sportliche Leiter der RG Hausen-Zell, Ralf Wagner, plant mit Kollege Stefan Hauschel und Chef-Trainer Sven Kiefer zumindest für die neue Saison, wenngleich die Zuversicht auch bei ihm eher zurückhaltend wirkt. „Wir haben fast ein Jahr lang keine Matte gesehen. Das schmerzt!“ Auch er sehnt sich nach einer Rückkehr zur Normalität. „Du bist im Verein, um Menschen zu treffen. Sei es im Training oder in der Vorstandschaft. Alles ist derzeit nicht möglich. Das fehlt uns allen.“ Und natürlich wäre ein Mattentraining, das, was das Ringen ausmacht, die nächste Maßnahme, die zu treffen sei, um bereit für die neue Saison zu sein.

Computer ersetzt die Ringerhalle

Die Saisonvorbereitung findet dennoch statt, wobei jeder Verein seinen eigenen Weg gefunden hat. „Sven Kiefer macht das recht cool mit dem Rechner. Er lässt sich immer wieder etwas Neues einfallen. Da wird auch mal jongliert“, grinst Wagner. Das sei natürlich nicht so das Gemeinschaftserlebnis wie gemeinsam am selben Ort, „aber die Mannschaft zieht es durch“, lobt Wagner die Sportler.

Vögtlin motiviert die WKG-Ringer mit einer Mischung aus verschiedenen Aufgaben. „Immer dienstags machen wir ein gemeinsames Online-Training. Dazu gibt es Wochenaufgaben und eine Bonusaufgabe, die über den Monat läuft. Für den April muss jeder 100 Kilometer joggen.“ Dabei motivieren sich die Sportler gegenseitig durch eine App, wo die Zwischenstände einzusehen sind. „Ich kann auch sehen, wenn gerade einer unterwegs ist“, schmunzelt der WKG-Trainer.

Beim KSV Rheinfelden versuchen sich die Sportler individuell fit zu machen, wie Oswald berichtet. Im regelmäßigen Austausch erkundigt er sich beim Team, wie die Lage ist, und hofft, im Hintergrund noch eine personelle Verstärkung für den Überraschungs-Aufsteiger bekommen zu können.

Bei der WKG gab es mit Luca Köpfer (zur RG Hausen-Zell) und Benny Vogt (TuS Adelhausen) zwei Abgänge aus den eigenen Reihen. „Bei ein paar Wunschkandidaten sieht es gut aus“, lässt sich Kai Vögtlin nur minimal in die Karten schauen.

Bei der RG konnten bereits drei rumänische Leistungsträger gehalten werden, die über die Saison auch im Wiesental bleiben. Zudem kommt Eigengewächs Maximilian Mond vom KSV Tennenbronn zurück, der zusammen mit Darius Kiefer in die „Erste“ nachrücken soll. Mit Dirk Gerspacher und Alex Rümmele wird das Jugendtrainerteam aufgestockt. Zudem laufen Gespräche für den Co-Trainer-Posten. „Immerhin ist unser Ringerraum in der Zeller Stadthalle bald fertig. Das lag uns schon lange am Herzen“, freut sich Ralf Wagner über ein Licht am Horizont.

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