Rümmingen Ein Netzwerk für bessere Mobilität

Alexandra Günzschel
Die Vertreter der einzelnen Gemeinden und der Partner des Projekts: (von links) Sebastian Wilske (Regionalverband Hochrhein-Bodensee), Jessica Fässler (Agglo Basel), Philipp Schmid (Efringen-Kirchen), Christian Renkert (Schliengen), Daniela Meier (Rümmingen), Andreas Schneucker (Binzen), Carsten Vogelpohl (Bad Bellingen), Martina Hinrichs (Landratsamt Lörrach), Christina Neu (Gemeinderätin Schallbach), Simone Penner (Kandern), Jan Münster (Energieagentur Südwest), Dietrich Hermann (Gemeinderat Wittlingen). Auf dem Foto fehlen die Bürgermeister Oliver Friebolin für Eimeldingen und Axel Moick für Fischingen. Foto: zVg/Andrea Kühne

In den beiden Korridoren „Kandertal und Oberrhein“ des Vereins Agglomeration Basel wollen zehn Gemeinden gemeinsam ein Netzwerk für nachhaltige Mobilität gründen. Bei einem Mediengespräch wurde das interkommunale Projekt in Zusammenarbeit mit regionalen Partnern gestern vorgestellt. Eingeladen hatte Rümmingens Bürgermeisterin Daniela Meier als Sprecherin des Steuerungskreises „Mobilitätsnetzwerk Kandertal-Oberrhein“.

Von Alexandra Günzschel

Markgräflerland. Dabei geht es um die konkrete Umsetzung von Maßnahmen vor Ort wie E-Ladesäulen oder Sharing-Angebote sowie die Einrichtung von Mobilitätsstandorten an zentralen Stellen, die sich für einen Umstieg auf den öffentlichen Personennahverkehr eignen. Letztlich sollen Lösungen gefunden werden, die das Zurücklegen der „ersten und letzten Meile“ auf dem Weg zum Ziel auch ohne den motorisierten Individualverkehr ermöglichen – also zum Beispiel die Fahrt mit einem E-Bike oder Car-Sharingauto zum Bahnhof. Der Netzwerkgedanke kommt hierbei zum Tragen, indem beispielsweise das Carsharing-Auto bei Bedarf auch an einer solchen Mobilitätsstation für den nächsten Nutzer stehen gelassen werden kann. Auch Bike & Ride-Angebote sind vorgesehen.

Ohnehin haben die zehn Gemeinden einen attraktiveren Radverkehr im Blick. Lücken im Radwegenetz sollen nach Möglichkeit geschlossen werden. Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung können die Orte darüber hinaus für Fußgänger sicherer machen.

„Mit dem Netzwerk können wir koordiniert vorgehen. Jede Gemeinde hat dennoch die Möglichkeit, sich auf ihre jeweiligen Schwerpunkte zu konzentrieren“, erklärte Daniela Meier das zu Grunde liegende Konzept des Projekts, für das ein Antrag auf Fördermittel aus dem Programm „Nationale Klimaschutzinitiative“ beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gestellt wurde. Der Steuerungskreis ist zuversichtlich, den Zuschlag zu bekommen, der über drei Jahre hinweg Zuschüsse in Höhe von bis zu 60 Prozent für das Programm bedeuten würde.

Hinzu kommen eine zehnprozentige Bezuschussung des Eigenanteils der Kommunen durch den Landkreis Lörrach, etwa 17 000 Euro, über die der Kreisumweltausschuss am Mittwoch berät, sowie eine Förderung durch die Agglo Basel in Höhe von insgesamt 20 000 Euro, welche die Gemeinden zusätzlich entlasten werden. Martina Hinrichs, Stabsstellenleiterin Strukturpolitik und Nachhaltige Mobilität im Landkreis Lörrach, sprach von einem Projekt mit Leuchtturmcharakter, während Jessica Fässler, Leiterin der Geschäftsstelle Agglo Basel, die Bedeutung einer nachhaltigen Mobilität im ländlichen Raum hervorhob.

Externe Fachleute sollen die Kommunen bei der Umsetzung unterstützen

Insgesamt gut eine halbe Million Euro soll in das „Mobilitätsnetzwerk Kandertal-Oberrhein“ fließen. Dieses Geld ist vor allem für externe Fachleute vorgesehen, die die Kommunen im jeweils gewünschten Umfang dabei unterstützen, geplante Maßnahmen anzuschieben und zu begleiten. Für Investitionen, etwa in den Bau von Mobilitätsstationen, will das Netzwerk gebündelt weitere Fördermittel akquirieren. Die Umsetzungsphase könnte bereits im Herbst beginnen, sofern die Gemeinderäte zustimmen und die Fördergelder fließen.

„Wir unterstützen diese interkommunale Zusammenarbeit gerne und hoffen, dass das Beispiel in der Region Schule macht“, erklärte gestern Sebastian Wilske, Direktor des Regionalverbands Hochrhein-Bodensee, der per Videoschalte beim Gespräch im Rümminger Rathaus dabei war.

Als regionaler Partner für das Projekt wurde die Energieagentur Südwest gewonnen. Geschäftsführer Jan Münster hob die Bedeutung der Mobilität für das Thema Nachhaltigkeit hervor. Bei der Suche nach gemeindeübergreifenden Lösungen hält er vor allem die personelle Unterstützung der Kommunen für wichtig. Niederschwellige ÖPNV-Angebote sollen zudem dabei helfen, den Individualverkehr zurückzudrängen.

Zwischen 30 und 75 Arbeitstage pro Jahr haben die einzelnen Kommunen an personellem Bedarf angemeldet. Rümmingen hat mit 75 Tagen das Gesamtpaket gebucht. Dies liege an der Vielzahl von Themen vor Ort, erklärte Meier, angefangen bei sicheren Gehwegen, über eine mögliche 30er-Zone und neuralgischen Verkehrsknotenpunkten bis hin zu Lückenschlüssen im Radverkehr.

Die Akteure wollen dabei keineswegs nur auf die vorhandene Nachfrage reagieren, sondern durch attraktive Angebote, etwa beim Carsharing, auch ein Umdenken bei den Einwohnern bewirken. So könnte ein geteiltes Auto zumindest den Zweitwagen ersetzen.

Zum Thema Kandertal-S-Bahn erklärte Hinrichs, dass derzeit noch auf die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie gewartet werde. Innerhalb des Mobilitätskonzepts bleibt dieses Wunschprojekt vieler Bürger eine Möglichkeit. Konzentrieren will man sich zunächst auf das „Hochfahren ergänzender Formen der Mobilität“.

Die Netzwerkgemeinden aus dem Kandertal sind Binzen, Kandern, Rümmingen, Schallbach und Wittlingen. Aus der Oberrheinregion sind es die Gemeinden Efringen-Kirchen, Eimeldingen, Schliengen, Bad Bellingen und Fischingen. Das Netzwerk ist das erste dieser Art im Landkreis Lörrach. Weitere Gemeinden können sich anschließen.

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