Rümmingen Granitsteine aus Indien lassen weiter auf sich warten

Noch immer wartet die Gemeinde auf Granitsteine aus Indien, um den Dorfplatz endgültig fertigstellen zu können.                                                                                                                                                                              Foto: Jutta Schütz Foto: Weiler Zeitung

Rümmingen (jut). Warum auf dem neuen Schmuckstück im Ort, dem Rümminger Dorfplatz Granitsteine aus Indien verlegt werden sollen, hat sich bis heute so manchem Bürger noch nicht ganz erschlossen – wie so oft aber spielt der Preis eine Rolle. Billig aber heißt in dem Fall auch: Es dauert. Und das Warten auf den indischen Granit geht nun in die nächste Runde, die eventuell bis zum Frühjahr dauert.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung war die Granitlieferung aus Indien wieder einmal Thema. Verärgert sind mittlerweile Bürgermeisterin Daniela Meier und alle Gemeinderäte über die immer weiteren Lieferverzögerungen, die zudem mit widersprüchlichen und unzuverlässigen Informationen verbunden sind. „Es ist einfach ein Trauerspiel“, bekannte Meier gegenüber den Räten, denn ursprünglich hätten die Granitsteine bereits zum Dorfjubiläum eingefügt sein müssen – dann hieß es, sie würden im August kommen. Der Sommer ist nun lange vorbei und die Steine immer noch nicht da.

Der Gehweg vor dem Platz wurde kurz vor dem Dorfjubiläum als Notlösung asphaltiert, der Weg zur Kirche und zum Kindergarten ist mit alten Steinen belegt. Wegen der fehlenden Granitsteine konnten unter anderem auch Strahler nicht eingefügt werden.

Die fehlenden Steine, die eine glatte Oberfläche haben und damit Rollatoren und dem Schieben von Kinderwagen wenig Widerstand entgegensetzen, wären zwar nicht mehr in Deutschland, aber in Europa erhältlich gewesen, allerdings zu einem höheren Preis. Der entsprechende Granit, den die Gemeinde gerne aus der Nähe von Malsburg bezogen hätte, wo er aber nicht mehr abgebaut wird, wurde dann über einen Bauunternehmer bei einem großen regionalen Händler bestellt, „auf den ich mittlerweile richtig sauer bin“, sagt Meier. Denn der wiederum hatte die Steine nicht auf Lager, sondern orderte sie aus Indien, da diese dort offenbar trotz der Transportkosten preiswerter waren als europäische Ware. Granit aus Indien ist ungefähr um ein Drittel billiger als europäischer (siehe Infokasten).

„Soll“ war in der Gemeinderatssitzung das meistgebrauchte Wort, was den Verbleib des indischen Granits angeht. Eine erste Charge auf Paletten „soll“ mittlerweile im Weiler Rheinhafen angekommen sein. Die zweite und dritte Lieferung „sollen“ bis zum 10. Dezember in Rotterdam ankommen, von wo aus sie dann zwei Wochen brauchen „soll“, um im Weiler Hafen einzutreffen.

Mehrere Gemeinderäte fragten nach, ob die erste, angeblich in Weil am Rhein bereits angekommene Charge „denn mal zu besichtigen sei“. Meier und Landschaftsarchitekt Klaus Scheuber hofften, dass eine Besichtigung möglich ist.

Einziger Trost: Durch die Verzögerungen gibt es keine Mehrkosten für die Gemeinde: Die Platzkosten sind mit 350 000 Euro festgeschrieben.

Indien ist einer der Haupthersteller und der Hauptexporteure von Granit. Indischer Granit ist wegen seiner Farbmuster, der sehr guten Qualität und der niedrigen Preise nicht nur in Europa, sondern weltweit beliebt. Häufig wird er auf öffentlichen Plätzen und Gehwegen verlegt. Privatkäufer bevorzugen ihn bei Grabsteinen. Kritik allerdings gibt es immer wieder an den Arbeitsbedingungen in vielen indischen Granit-Steinbrüchen. Dazu haben Nicht-Regierungs-Organisationen im August eine Studie veröffentlicht, die Missstände aufdeckt. Nachzulesen ist eine Zusammenfassung im Internet unter www.indianet.nl/pdf/TheDarkSitesOfGranite-zusammenfassung.pdf

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