Rümmingen Hoffnungszeichen für Musik

Von Gabriele Hauger

Rümmingen. „Hoffnungszeichen“. Kaum ein Titel passt besser zu den Plänen, die der Musiker und Komponist Richard Geppert nun trotz – oder vielmehr wegen – Corona verfolgt: Er organisiert ein zweitägiges Konzertfestival, an dem 30 regionale und überregionale Künstler mitwirken. Veranstalter sind der Verein Kulturo und Geri music, die Gemeinde Rümmingen ist auch mit im Boot und stellt ihre Halle kostenfrei zur Verfügung. Am 5. und 6. September sollen fünf Veranstaltungen an zwei Tagen das darbende Publikum erfreuen, sagt Geppert.

Möglich wird dies auch dank seiner guten Kontakte in die Musikbranche. Der Kartenvorverkauf startet am 6. August. Wie viele Tickets vergeben werden können, richtet sich je nach geltender Maßgabe. Aktuell dürfen dies bis zu 99 Personen pro Auftritt sein, erklärt Geppert. Wichtig ist ihm zudem: 100 Prozent der Einnahmen aus Ticketspenden und Kollekten gehen an die Künstler. Denn die seien vielfach in ihrer Existenz gefährdet und könnten das Geld dringend gebrauchen.

Das Programm ist vielfältig. Dabei kann er so manchen bekannten Namen aus dem Hut zaubern. Die Zusagen seien allesamt schnell und spontan gekommen. Kein Wunder, haben doch die meisten Musiker seit Monaten keine Engagements mehr.

Auftakt ist am Samstag, 18 Uhr, unter dem Motto „Viele Stühle – viele Künstler“ mit rund zehn Sängern. Um 20 Uhr geht es mit einer Saturday Night weiter, die Party-Charakter haben dürfte. Mit dabei unter anderem Karl Frierson, ein „verrückter Entertainer“, der schon mal in Rümmingen zu Gast war und vom Publikum gefeiert wurde.

Bei einer Matinee am Sonntag ab 10.30 Uhr soll ein Füllhorn schöner Musik ausgeschüttet werden. Operettenmelodien, Chansons, dazu ein Auftritt mit Trompeter Kevin Pabst oder Oliver Fabre mit Flamenco, um nur einige Beispiele zu nennen.

Der Sonntag ab 18 Uhr dürfte mit seinem Motto „Große Stimmen – große Lieder“ sicher am stärksten nachgefragt sein, vermutet Geppert. Hier werden bekannte Melodien aus Pop, Rock und Oper gesungen, interpretiert von Sängern wie Nadja Weis oder David Morell. Als Abschluss gibt es dann „A Night of Musicals“ , die größten Melodien dieses Genres, ansprechend in Szene gesetzt.

Geppert will mit dem Festival ein „Konjunkturprogramm für unsere Herzen“ starten. Er erfährt derzeit am eigenen Leib, welche Konsequenzen Corona für Kulturschaffende hat: Seine für diesen Sommer geplante Schweizer Musiktheater-Produktion „Wie im Himmel“, für die er als Komponist und musikalischer Leiter gesetzt war, wurde auf unabsehbare Zeit gecancelt. Die Liste von ähnlich gelagerten Künstler-Schicksalen lässt sich fortführen. Die Lörracher Sängerin Celine Huber wurde bei der Fertigstellung ihrer neuen LP ausgebremst. Darius Merstein, gefeierter Musicaldarsteller, verlor nach nur drei Aufführungen von „The King and I“ in Wien seinen Job als Hauptdarsteller – ohne Restgage. Der Schweizer Sänger David Morell wollte gerade seine Solo-Karriere starten, und Karl Friersons geplante Tournee durch Osteuropa wurde abrupt gestoppt. Die Misere fehlender Engagements treffe die Künstler, aber auch ihre Familien oftmals hart, erklärt Geppert. Ein Musiker erzählte ihm, dass er nicht einmal die Kosten für seine Rückfahrt von einem geplanten Engagement bezahlen konnte. Er kennt sogar einen Fall von Suizid aus Verzweiflung über die Lage. „Keine Perspektive, kein Geld“ – auch darum will er ein Hoffnungszeichen setzen.

Das zweitägige Fest soll dennoch keinesfalls ein Ort des Jammerns oder des Protests werden. Im Gegenteil: „Wir wollen lachen, Spaß haben, Gefühle ausdrücken, und zeigen, dass Musik Mut machen kann.“ Froh ist er zudem über die vielen positiven Rückmeldungen auf seine Idee: Ob Musiker, Gemeinde oder Publikum, von allen Seiten stößt er mit seinem Konzertprojekt auf offene Ohren. Aufgrund seines Spendenaufrufs zur Deckung der Veranstaltungskosten via soziale Medien kamen bereits 4500 Euro zusammen. Geppert verfolgt das ehrgeizige Ziel von 12000 Euro. Den Erlös aus dem Ticketing möchte er komplett an die Sänger weitergeben, gestaffelt nach Bedarf. „Da herrscht unter den Musikern ein toller Zusammenhalt“, freut sich Geppert.

Zur Wahrung der Hygienevorschriften wurde ein ausgeklügeltes Ticketsystem organisiert, ähnlich dem Boarding in Flughäfen. Dieses sei je nach Corona-Situation wandelbar.

Wichtig ist ihm vor allem das gemeinsam Erleben und Feiern von Musik und Lebensfreude, dass vielen Menschen so sehr fehle. Wenn andere Veranstalter die Idee der Hoffnungszeichen-Konzerte aufnehmen sollten, würde er sich freuen – vor allem für die Künstler.

 Spendenfragen, Infos sowie Ticketanfragen per Mail an hoffnungszeichen@geri-music.de

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