Rümmingen Organisieren und zusammenhalten

Zoë Schäuble
Joachim Endters findet, dass die Rümminger Feuerwehr gut aufgestellt ist. Foto: dpa/Holger Hollemann

Vor rund einer Woche wurde er offiziell aus dem Amt verabschiedet. Auf 34 aktive Dienstjahre bei der Freiwilligen Feuerwehr Rümmingen blickt Joachim Endters zurück. Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt er, welche Erlebnisse ihm aus dieser Zeit besonders in Erinnerung geblieben sind.

Von Zoë Schäuble

Rümmingen. Die Feuerwehr ist für Endters mehr als ein Job. Den Posten des Kommandanten nun an den Nagel zu hängen, sei aber eine wohlüberlegte Entscheidung.

Frage: Herr Endters, warum möchten Sie die Wehrleitung nicht weiter übernehmen?

Es gibt ein Sprichwort: „ Hör auf, wenn es am schönsten ist.“ Das wäre aber zu einfach. Ich bin mittlerweile 52 Jahre alt und merke auch körperlich, dass ich älter werde. Die junge Generation, die der „jungen Wilden“ rückt nach und soll mit frischer Energie und frischem Wind die Führung übernehmen.

Frage: Was verbindet Sie mit Rümmingen und wie ist der Bezug zur Feuerwehr entstanden?

Nach Rümmingen bin ich im Jahr 1995, gemeinsam mit meiner Freundin, gezogen. Der Bezug zur Feuerwehr scheint in unserer Familie in den Genen zu liegen – schon mein Vater hat es mir vorgelebt, wie es ist, bei der Feuerwehr zu sein. Überhaupt ist die ganze Familie etwas „feuerwehrverrückt“. Sowohl mein Vater als auch meine beiden Brüder waren oder sind schon langjährig in Kommandanten- oder Stellvertreterposten aktiv.

Frage: Ihre ersten Schritte als Feuerwehrmann – können Sie sich daran noch erinnen?

Den eigentlichen Start in der Feuerwehr hatte ich 1988 in der Feuerwehr Roche in Grenzach Wyhlen. Dort bin ich in die Werkfeuerwehr eingetreten und habe die ersten Lehrgänge absolviert. Im selben Jahr bin ich in meinem damaligen Heimatort, Wintersweiler, eingetreten.

Der Einstieg in Rümmingen erfolgte im Jahr 2000, nach dem Sturm Lothar. Ich wollte in meinem neuen Wohnort die Feuerwehr unterstützen.

Frage: Wie bringen Sie Ehrenamt und Beruf unter einen Hut?

Ich bin Chemikant und habe die Weiterbildung zum Chemotechniker absolviert. Die ideale Ausbildung zum hauptamtlichen Schichtleiter der Werkfeuerwehr – hatte man mir gesagt. Und so machte ich 2002 mein Hobby zum Beruf. Ich war fast 18 Jahre hauptamtlicher Wachschichtleiter der Werkfeuerwehr DSM in Grenzach Wyhlen (Nachfolger der Roche). Beruf und Hobby war eines. Hätte vor zwei Jahren nicht die dringende Notwendigkeit bestanden, wieder in die Chemie zurück zu wechseln, wäre ich vermutlich heute noch hauptamtlicher Feuerwehrmann.

Frage: Wie erfahren Sie, dass die Feuerwehr gebraucht wird und wie läuft ein Einsatz üblicherweise ab?

Zunächst erfolgt die Alarmierung. Danach wird das Gerätehaus angefahren und Kontakt zur Leitstelle aufgenommen. Anschließend rücken wir aus, erkunden die Situation, priorisieren, was zuerst gemacht werden muss und leiten die ersten Maßnahmen ein. Der Einsatz wird abgewickelt und im Anschluss wird gemeinsam aufgeräumt und wir sitzen noch eine Weile zusammen.

Frage: Im Frühjahr und Sommer waren die Unwetter vergleichsweise heftig. Wie waren die Einsätze der Rümminger Wehr?

Wenn man solange in der Feuerwehr tätig ist, können einen die jüngsten Unwetter bei uns nicht wirklich schocken. Anders verhält es sich bei den Unwettern in NRW. Im Vergleich damit war es bei uns eigentlich noch harmlos. Für die betroffenen Einzelschicksale sieht es natürlich anders aus. Den Betroffenen haben wir auch gerne geholfen, soweit möglich.

Frage: Was war die größte Belastung oder Herausforderung im Amt bisher?

Es gab eigentlich nur zwei Alarmeinsätze, die mich auch im Nachhinein immer wieder mal zum Nachdenken bringen. Der eine war der Einsatz an der Kander, bei dem ein kleiner Junge in Wollbach ertrunken ist. Einsätze mit Kindern sind immer sehr emotional.

Der andere war in der Werkfeuerwehr bei einem nächtlichen Alarm Es brannte auf dem Recyclinghof in Efringen-Kirchen. Als ich nachts um zwei Uhr einrückte, lag vor meinem Spind einer meiner guten Feuerwehrkollegen bewustlos am Boden. Wir konnten ihn in der Nacht zum Glück erfolgreich reanimieren – mussten ihn aber mehrfach defibrillieren.

Frage: Und wie gehen Sie mit solchen seelisch belastenden Erlebnissen um?

Ich habe ein dickes Fell entwickelt und lasse die Dinge nicht mehr an mich ran.

Es gab bisher eigentlich nur diese beiden Einsätze, die mich nachhaltig belasteten. Da hilft eigentlich nur, darüber zu reden.

Frage: Was war das Schönste an Ihrem Amt und welche Aufgaben haben Sie als Kommandant übernommen?

Ein „Danke“ zu hören von allen, denen man geholfen hat, den Respekt und die Anerkennung der Feuerwehrangehörigen und der Gemeinde zu spüren, ist sicherlich für jeden angenehm. Auch die Zeiten außerhalb der Einsätze sind in der Feuerwehr immer sehr abwechslungsreich, spannend und schön.

Meine Hauptaufgabe als Kommandant war es, die Feuerwehr zu organisieren, den Zusammenhalt zu stärken und immer offen zu sein für Neues.

Frage: Wie ist die Rümminger Wehr ohne Sie aufgestellt?

Wer sich als Kommandant wählen lässt, muss sich beizeiten auch mit dem Gedanken an seine Nachfolge befassen.

Aus diesem Grund habe ich schon von Anfang an darauf geachtet, Führungskräfte auszubilden.

Das bedeutet, ab 2008 bis heute habe ich elf Gruppenführer und zwei Zugführer nach Bruchsal zur Landesfeuerwehrschule entsendet. In den vergangenen eineinhalb Jahren hat uns leider Corona einen Strich durch die Planung gemacht, ansonsten wären unsere beiden jetzigen Stellvertreter Zugführer beziehungsweise Gruppenführer. Ich denke, dass unsere Feuerwehr sehr gut aufgestellt ist und künftig auch ohne mich in der ersten Reihe funktionieren wird.

...ist 52 Jahre alt und wurde in Weil am Rhein geboren. Endters wuchs in Wintersweiler auf und wurde im Jahr 2003, nach seinem Umzug nach Rümmingen, zum stellvertretenden Kommandaten der Rümminger Wehr gewählt. 2006 übte er kommisarisch das Amt des Kommandanten aus. Von 2007 bis Anfang Oktober 2021 war Endters Kommandant der Rümminger Feuerwehr.

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