Rümmingen Reiterhof soll ausgesiedelt werden

Blick auf das Mattental: Hier sollen schon bald die neue Reithalle sowie weitere Stallungsgebäude und Reitplätze des Ludäscher Hofs entstehen.Foto: Zoë Schäuble Foto: Weiler Zeitung

Bereits im Dezember war das Verfahren zur Aussiedlung des Reiterhofs Ludäscher ins Mattental aufgrund eines Antrags aus der Mitte des Gemeinderats angestoßen worden. In der jüngsten Gemeinderatssitzung entschied die Mehrheit der Rümminger Räte, dass die Gemeinde wieder in Verhandlungen mit der Familie Ludäscher eintreten soll.

Von Zoë Schäuble

Rümmingen. Nachdem das im Mai 2017 vorgelegte Konzept der Familie Ludäscher, das die Erweiterung und vollständige Verlagerung ihres Reiterhofs in den Bereich westlich der Kandertalbahn vorsah, im Februar 2019 zum Erliegen kam, soll das Verfahren nun in einem zweiten Anlauf wiederaufgenommen werden.

Der Vorvertrag wurde zwischenzeitlich nach den Vorgaben des Gemeinderats mit der Familie Ludäscher geschlossen. Alle Punkte, über die in der Sitzung verhandelt wurde, könnten nicht – das betonte Bürgermeisterin Daniela Meier – vorab vertraglich zugesichert werden, da diese unter dem Vorbehalt der Erkenntnisse und Entscheidungen im weiterzuführenden Bebauungsplanverfahren stünden. „Das bedeutet, dass im Rahmen einer neuen durchzuführenden Offenlage natürlich wieder Stellungnahmen der Behörden, der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange zu den geänderten Festsetzungen eingeholt werden.“

Rückblick: Der Konflikt ums Mattental

Weil man in der Vergangenheit hinsichtlich der Erweiterungs- und Umbauvorschläge seitens des Hofs nicht übereingekommen war, hatte der Reitstall den städtebaulichen Vertrag, den „Erschließungsvertrag Bebauungsplan Mattental“ aufgekündigt. Gegenwärtig ist der Hof von Wohnbebauung umgeben. Anwohner aus dem Ziegelweg sorgten sich um den Dreck, durch die Pferde verursachten Lärm, eine erhöhte Nitratkonzentration im Grundwasser sowie eine Geruchsbelästigung durch die Dunglege. Die gegründete Initiative „Rettet das Mattental“ versperrte zunächst die Aussicht auf eine Lösung des Konflikts.

Die aktuelle Diskussion um die Verlagerung des Hofs

Um den Betrieb aber im Ort zu halten und langfristig ein Wachstum zu ermöglichen, wurde in der jüngsten Sitzung neu verhandelt. Gemeinderat Steffen Aenis verwies auf die sich neu eröffnenden Möglichkeiten für die junge Generation, die den Hof künftig führen wird: „Unter gewissen Gesichtspunkten ist eine Aussiedlung aus dem Wohngebiet durchaus sinnvoll.“

Im Lauf der vergangenen Jahre hatte Familie Ludäscher den Entwurf immer weiter abgespeckt.

Um zu verdeutlichen, auf welchem Stand die Bebauungsplanentwicklung unterbrochen wurde, hatte Städteplaner Stephan Färber von der Stadtbau Lörrach eine tabellarische Auflistung vorbereitet, die den ursprünglichen Vorschlag von 2019 mit dem aktualisierten vergleicht. Die Übersicht dient als Orientierung für die Räte, sollte es zu einem neuen Städtebaulichen Vertragsabschluss kommen. So können die Vertragsinhalte verbindlich festgelegt werden, damit die Verwaltung gegebenenfalls einen konkreten Auftrag über die Verhandlungsinhalte aufsetzen kann. „Wir müssen wissen, über was wir sprechen“, verdeutlichte Meier.

Neue Pläne sorgen für mehr Kompromisse

Über folgende Punkte wurde in der Sitzung vorbehaltlich beraten: Die Reithalle würde mit einer Fläche von 30 mal 60 Metern hinsichtlich ihrer Größe und Kubatur nicht verändert. „Allerdings werden die 600 Quadratmeter an weiterer Nutzfläche, die der Betrieb bisher nicht definiert hatte, durch das neue Betriebskonzept vollständig ausgefüllt“, erklärte Färber. Anstelle der momentan 16 Kinder, die aktuell auf dem Hof übernachten können, würden durch die Vergrößerung Mehrbettzimmer für 24 Kinder geschaffen.

Die vormals als separates Gebäude geplanten und für Personal vorgesehenen Wohnungen würden an den südlichen Stall angebaut. Anstelle von 79 Pferden wollen die Ludäschers Platz für 71 schaffen – aktuell leben auf dem Hof 55 Tiere.

Einigen konnte man sich auch hinsichtlich zwei besonders umstrittener Punkte. Die sehr aufwendige Tieferlegung der Reithalle um 50 Zentimeter soll nicht umgesetzt werden. Um jeweils 50 Zentimeter würden dafür Trauf- und Firsthöhe auf sechs und neun Meter angehoben.

Zudem hat sich die Gemeinde von der ursprünglich geplanten Dachbegrünung aller Gebäude distanziert – begrünt werden sollen jetzt nur die der Wohnbebauung gegenüberliegenden Dächer, wobei über eine Kostendeckelung von 80 000 Euro verhandelt werden soll.

„Es muss klar sein, dass wir uns hier eine Richtschnur erarbeiten – wir können aber nicht garantieren, dass alles genau so später auch im Plan stehen wird“, erklärte Bürgermeisterin Meier mit dem Verweis, dass nach der Einarbeitung der in der Sitzung besprochenen Änderungen eine erneute Offenlage des Bebauungsplans erfolgen müsse.

Verhandlung über zeitliche Fristen

Diskutiert wurden auch die zeitlichen Fristen, an die sich die Bauherren halten müssen. Nach der Fertigstellung des Bebauungsplans hat die Familie Ludäscher sechs Monate Zeit, den Bauantrag einzureichen.

Die vom Bauherren gewünschten 36 Monate zwischen Bewilligung und Fertigstellung der gesamten Anlage hat der Rat auf 24 verkürzt. Seitens der Stadtplanung waren 18 vorgesehen. Für die Verlagerung aller Betriebsteile mitsamt der Tiere sind sechs Monate vorgesehen – und damit ein Kompromiss zwischen den drei von der Verwaltung vorgeschlagenen und den zwölf vom Bauherren veranschlagten Monaten gefunden.

Der alte Hof muss nach der Verlagerung bis zum nächstfolgenden 1. März abgerissen werden, darauf verständigten sich die Räte nach ausgiebiger Diskussion. Die geplante neue Wohnbebauung muss in den folgenden zwölf Monaten geplant und in weiteren 24 umgesetzt werden.

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