Von Walter Bronner

Die Kirchengeschichte eines Dorfes beschränkt sich nicht nur auf relevante Fakten und nüchterne Zahlen, sondern wird auch durch Nebensächlichkeiten und Anekdoten lebendig.

Schallbach. Rudolf Schöpflin, der frühere Bürgermeister von Schallbach, und Ex-Lehrerin Gisela Sütterlin, seine ehemalige Ratskollegin und Vorsitzende des Gesangvereins präsentierten am Mittwoch im Rahmen der „Schallbacher Kulturtage“ eine solchermaßen gewürzte geistliche Dorfchronik vor stattlichem Publikum in der frisch renovierten Dorfkirche.

Eingebettet war ihr Vortrag in ein Konzert des gemischten Chors, der unter Leitung von Alexander Sehringer eine beeindruckende Liedauslese aus seinem breit gefächerten Repertoire darbot. Versierter instrumentaler Begleiter an E-Piano und Drums war Tilmann Fehse. Er konnte seine Trommelkünste effektvoll entfalten im zweimal dargebotenen elementaren afrikanischen Song „Amezaliwa“. Zu Ohrenschmeichlern von berückendem Schmelz gerieten zudem „Coquest of Paradise“, „Das Morgenrot“, „Amacing Grace“ und die orthodoxe Hymne „Tebje pojem“. Mit der „Ode an die Freude“, den vielsagenden Songs „Ihr von Morgen“ und „Hört ihr wie das Volk erklingt“, den gefühlsbetonten Weisen „Wir hatten eine gute Zeit“ und „Nur ein Lächeln“ sowie dem Evergreen „Va pensiero“ stellte der Chor zudem sein vokales Gestaltungsvermögen eindrücklich unter Beweis.

Imposant auch das Wissen des Referenten-Duos, das den dörflich-kirchlichen „Werdegang“ von 1275 an beleuchtete, wobei Schallbach erst in der Reformation eigenständige Pfarrei wurde, Kriegs- und Notzeiten auch dem Bauzustand der Kirche zusetzten, untätige Behörden die Lage verschlimmerten und endlich (1743) im neu erbauten Gotteshaus erstmals ein Kind getauft und ein junges Paar „copuliert und eigesegnet“ werden konnten.

Spätere Baumaßnahmen erwiesen sich nicht immer als vorteilhaft, wie die Renovierung von 1975 belegte. Sie verhalf dem historischen Chorgestühl und anderen denkmalwürdigen Sakralelementen zu neuer Würde. Aufschlussreiche Ausführungen widmeten die Vortragenden den Glocken, der Orgel, dem Pfarrhaus und dem Friedhof. Und zu alldem hatten sie etliche Anekdoten in petto, wie der im Kirchenbuch vermerkte unsägliche Zustand des „stillen Örtchens“ im Pfarrhaus, wo anno 1705 eine 13-köpfige Kinderschar herumtobte. Der Gewölbekeller diente nach 1945 als Rübendepot, später als Gemeinschaftsgefrieranlage, sodann als Jugendraum.

Amüsantes zu berichten war auch von der einstmals strengen Sitzordnung, einschließlich Geschlechtertrennung bei Gottesdiensten und von den Streichen der Läutebuben. Als solcher war auch Rudolf Schöpflin einst aktiv und hat nie vergessen, wie eines Sonntagmorgens ein Kirchengemeinderat die Buben wegen ihrer Nachlässigkeit rüffelte. In diesem Moment ließ der Storch vom Turmdach seinen Kot auf den Hut des Scheltenden platschen. Das Gelächter der Buben war laut und schadenfroh, die dafür kassierten Ohrfeigen heftig – und zudem gab es tags darauf in der Schule noch ein paar Tatzen von Lehrer und Organist Gustav Blatz.