^ Schallbach: Ausdrucksstarke und plastische Figuren - Schallbach - Verlagshaus Jaumann

Schallbach Ausdrucksstarke und plastische Figuren

Jürgen Scharf
Der Schallbacher Künstler Thomas Th. Willmann neben seinen Norwegen-Gemälden Foto: Jürgen Scharf

Von Großen Stehenden über Kopfstudien und Körperfragmenten bis zu einer Hommage an Marrakesch und Reiseimpressionen aus Norwegen reicht das Spektrum des Bildhauers, Malers und Zeichners Thomas Th. Willmann. Er stellte zuletzt in Schallbach aus.

75 Jahre und kein bisschen leise. Die künstlerischen Arbeiten von Thomas Th. Willmann sind ein kraftvolles Statement. Seine Schau „Querbeet“ mit knapp 50 Arbeiten aus den letzten 40 Jahren markierte den Abschluss seiner Ausstellungstätigkeit. Willmann will aber weiterhin malen, zeichnen und bildhauerisch arbeiten. Von der Radierwerkstatt bis zur Bildhauerwerkstatt ist er voll eingerichtet.

Neben den Skulpturen sind ihm Zeichnungen und Radierungen das Wichtigste in seinem Schaffen. So war die Schallbacher Retrospektive mit ausgewählten Werken aus allen Genres ein Ausschnitt aus seinem Lebenswerk.

Gern begrenzt er das Thema auf Kopf und Kopfscheibe

Bei den Skulpturen geht es Willmann um die menschliche Figur und gern begrenzt er das Thema auf Kopf und Kopfscheibe. Die Figuren, vor allem weibliche Akte, stehen in klassischer Harmonie, sind aus der Tradition geschöpfte Skulpturen. Die Großen Stehenden, die auch im Freien Eindruck machen, sind charakterisiert durch natürliche, einfache Haltung, in sich ruhende, blockhafte Geschlossenheit. In den keilförmigen Köpfen und Kopfscheiben entdeckt Willmann neue ästhetische Qualitäten und Ausdruckskraft. Viele der Kopfkreationen fallen durch bewegte Oberflächenmodellierung wie Ritzen auf. Holz, Stein (Kalkstein, Granit), Ton und Marmor sind die wesentlichen Materialien, die Willmann bearbeitet hat. Wie die Schau zeigte, ist aber auch sein malerisches, zeichnerisches und druckgrafisches Oeuvre beeindruckend.

Das Thema Krieg treibtden Künstler erneut um

Den Künstler beschäftigt jetzt wieder das Thema Krieg. Ein Triptychon von 1996, entstanden während des Balkankrieges, hat wieder bedrückende Aktualität erhalten. Symbolisiert es doch mit Schrei, gefesselten Händen, Totenschädel den Ausdruck des Leidens. Angesichts der derzeitigen Weltlage wollte Willmann dieses Werk noch einmal ausstellen.

Schlüsselwerke sind für ihn so existenzielle und epochale Inkunabeln der Kunstgeschichte wie der Leichnam Christi von Holbein im Kunstmuseum Basel oder der Isenheimer Altar von Matthias Grünewald. Regelmäßig ist Willmann nach Colmar ins Unterlinden-Museum gefahren und hat als Kunsterzieher im Leistungskurs zeitweise als Schwerpunktthema Grünewald behandelt.

Eine andere Seite des Künstlers ist die Landschaftsmalerei. Und da hat es ihn nach Norwegen gezogen. In diesen Landschaften herrschen sowohl kalte als auch warme Farben. An nördlichen Sujets hat er auch Gletscherseen in einer Serie von Bleistiftzeichnungen und kolorierten Radierungen umgesetzt. Ein Marokko-Aufenthalt hat ihn zu stärkerer Farbigkeit in drei „Babuschen“-Bildern inspiriert - eine Hommage an Marrakesch.

Künstlerischer Werdegang wird in Ausstellung deutlich

Wo Willmann künstlerisch herkommt, war in der Ausstellung gut zu sehen. Eines seiner Vorbilder ist Alfred Hrdlicka, für Willmann „ein Leuchtfeuer unter den Bildhauern an der Stuttgarter Akademie“. Als er dort in den 1970er Jahren in der Bildhauerklasse des bedeutenden Stahlbildhauers Rudolf Hoflehner studierte, stand er auch in Kontakt zu Hrdlicka, der für seine drastische und ungeschönte Darstellung der menschlichen Gestalt bekannt war. Besonders die Figuration, die Hrdlicka wieder aktualisierte, hat auf Willmann abgefärbt. Im Zeichnerischen ist er vom großen Horst Janssen beeinflusst.

Der Künstler ist auch ein leidenschaftlicher Amateurmusiker. Er spielt Kontrabass im Oberrheinischen Sinfonieorchester Lörrach, ist dort in der Vorstandsarbeit und im Orchestermanagement ausreichend beschäftigt. Und bald wird er, wie er Dirigent Ulrich Winzer versprochen hat, im Blasorchester Lure mitwirken.

  • Bewertung
    0

Umfrage

Bundeswehr

Braucht Deutschland wieder die allgemeine Wehrpflicht?

Ergebnis anzeigen
loading