Schallbach (sih). Von ihrem Stützkorsett befreit, lädt Schallbachs Kirche Peter und Paul seit elf Tagen wieder zu Gottesdiensten und mehr ein.

Mit Thomas Willmanns Ausstellung und Armin Zwergers Lesung ist die Kultur bereits eingezogen, mit dem Konzert „Gospel & More“ brachten am Samstag vier Musiker das frisch restaurierte Innere der Kirche zum Schwingen – und mit ihrer Idee, geistliche Lieder in ihrer mitreißenden nordamerikanischen Form in den sakralen Raum zu bringen, stießen die Veranstalter der Schallbacher Kulturtage auf guten Anklang.

Insgesamt stand der gut besuchte Konzertabend im Zeichen der Markgräfler Lebensart. Das begann mit Sekt und Häppchen unter dem rosa Blütenbaum, ging weiter mit einem energiegeladenen Konzert und mündete in einer sich im Rhythmus wiegenden Zuschauermenge, die die Gospels begeistert mitsang.

Das Versprechen des Konzerttitels „Gospel & More“ wurde eingelöst. Sich auf Gospels zu beschränken, wäre angesichts des Potenzials von Sandy Williams Stimme auch eine reine Verschwendung. Wandelbar, geschmeidig und durchweg überzeugend wechselte die Sängerin von Gospel zu Jazz, von Samba zu Bossa Nova und Rumba bis zur souligen Version von „Hallelujah“ des Singer-Songwriters Leonard Cohen.

Mit Pianist Henry Uebel hatte sie einen Begleiter, der ebenso souverän und geschmeidig die Stile wechselte und sein Talent und seine Spielfreude in den zahlreichen Improvisationsparts voll auslebte. Dass beide seit vielen Jahren bestens aufeinander eingespielt sind, war nicht zu überhören.

Dazu kam mit Andreas Möhring ein versierter Drummer, der insbesondere den lateinamerikanischen Songs eine Menge Drive verlieh. Was er als Solist kann, zeigte er mit einer energiegeladenen Schlagzeug-Einlage zum burlesk-temporeichen „Honky Tonk Town“. Noch mehr Fülle schuf E-Bassistin Cornelia Hossfeld mit ihrem souveränen Spiel.

Mit dem Kirchenlied „Amazing Grace“ eröffnete Sandy Williams den Abend a capella und bereits vom ersten Ton an entfaltete sich der Zauber ihrer voluminösen geschulten Stimme. Phrasierung, Intonation, Rhythmusgefühl und die Fähigkeit, sich mit Gesang und vollem Körpereinsatz in die jeweilige Gefühlslage des Songs hineinzubegeben: Hier stimmte einfach alles. Auch als charmante Ansagerin machte Williams eine gute Figur und bereitwillig folgte das Publikum ihrer Aufforderung, mitzuklatschen, mitzuwippen und zuletzt, beim Gospel-Medley mitzusingen.

Und da es zum Ende des Konzerts die Zuschauer bereits von den Kirchenstühlen gerissen hatte, ergaben sich auch die Standing Ovations von selbst.

Die Schallbacher Kulturtage in der Kirche gehen heute, Montag, 9. Mai, um 19.30 Uhr weiter mit Gusty Hufschmids Film „Das südliche Markgräflerland“.