Schallbach Der Gemeindewaage auf der Spur

Auf den ersten Blick sieht sie aus wie ein x-beliebiger Stromkasten: die Schallbacher Brückenwaage an der Ecke Dorfstraße / Im Hofacker. Doch es lohnt sich, genauer hinzusehen. Helmut Ebner aus Schallbach hat dies getan. In seiner gerade frisch gedruckten Broschüre hat er auf 50 Seiten Erkenntnisse über die alte Wägeeinrichtung zusammengetragen.

Von Alexandra Günzschel

Schallbach. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Ebner als Hobbyhistoriker betätigt.  Erst kürzlich hat er in einem 80 Seiten starken DIN A4-Heft „Die Geschichte der Familie Kern“ aufgearbeitet. Demnächst soll die vierte Auflage dieser Abhandlung über seinen ehemaligen Arbeitgeber, die Lörracher Firma Kern, erscheinen.

Die Recherchen dafür weckten schließlich das Interesse des Schallbachers an der denkmalgeschützten Brückenwaage mit einer Tragkraft von 7600 Kilogramm im Ort. Ebners Vermutung, die Waage könnte von der Firma Kern hergestellt worden sein, bestätigten sich indes nicht.

Doch wer hatte die Wägeeinrichtung dann gebaut? Des Rätsels Lösung fand der Hobbyhistoriker schließlich im Schallbacher Rathaus. Unterlagen wiesen die Maschinen- und Waagenfabrik Hermann Brand aus Karlsruhe als Hersteller aus.

Und noch eine weitere große Überraschung hielten die alten Aktenordner bereit: Denn die Waage stammt entgegen bisheriger Vermutungen nicht aus den 1930er-Jahren, sondern wurde bereits 1902 hergestellt, wie Rechnung, Quittung und Frachtbrief aus dem Sommer desselben Jahres belegen. 810 Mark und 50 Pfennig musste das Bürgermeisteramt Schallbach seinerzeit für die Neuanschaffung bezahlen.

Vieles – etwa Getreide, Trauben oder auch Vieh – wurde früher mit Brückenwaagen gewogen. Einige der alten Wägeprotokolle hat Ebner aufgetan. Genauso wie alte Fotografien oder auch Anzeigen haben sie Eingang in „Die Geschichte der Schallbacher Brückenwaage“ gefunden. Auch der Herstellerfirma sind einige Seiten gewidmet.

Im Jahr 1999 stillgelegt

Die Stilllegung der öffentlichen Gemeindewaage wurde im Jahr 1999 beschlossen. Dafür, dass die Waage kaum noch gebraucht wurde, erschienen die Reparaturkosten in Höhe von 4000 Mark einfach zu hoch.

Zwei Jahre später – im Juli 2001 – wurde die Brückenwaage von fünf Einwohnern ehrenamtlich restauriert. Im selben Jahr wurde sie unter Denkmalschutz gestellt.

Am Ende waren es 30 alte Ordner im Archiv des Schallbacher Rathauses, die bei seinen Nachforschungen den Durchbruch brachten, wie Ebner berichtet. Sein Dank gilt aber auch den vielen Schallbachern, die ihm hilfreich zur Seite gestanden hätten; Namentlich nennt er Hebbi Sinz, Frieder Glaser, Gisela Sütterlin und Monika Spohn vom Rathaus. „Ohne ihre Mithilfe, die der Feuerwehr, dem Stadtarchiv Karlsruhe und weiteren Ansprechpartnern wäre meine Arbeit nicht möglich gewesen“, betont der Autor.

Und so gingen erst einmal ein paar Exemplare ans Rathaus, als Ebner seine historische Abhandlung über die Brückenwaage endlich in gedruckter Form in den Händen hielt.

„Die Geschichte der Schallbacher Brückenwaage“ mit vielen Fotografien kann für sechs Euro erworben werden. Interessenten können sich bei Helmut Ebner per E-Mail melden: ebnerh@gmx.de.

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