Schallbach Die Wucht des Wassers bremsen

Schallbach - Die Ärmel hochgekrempelt: Am Samstagvormittag herrschte Hochbetrieb am Hang gen Fischingen. Hier legten rund 40 Schallbacher Bürger Reisig- und Erdwälle an. Die Wälle im Gewann „Rohr“ sollen bei Starkregen die Wucht des herab strömenden Wassers bremsen und Schlamm sowie organisches Material festhalten.

In den vergangenen Jahren strömten nach Starkregen immer wieder Massen von schlammigem Wasser hinab ins Dorf. Dies verursachte im Dorf Schäden und schwemmte zugleich wertvolles Ackerland weg.

Landwirte-Trio ergreift Initiative

Was man künftig wo und wie dagegen tun kann, ist Bestandteil des seit Frühjahr 2017 laufenden Leuchtturmprojekts des Landkreises Lörrach „Erosionsereignisse durch Starkregeln im Markgräflerland“ (Erol). Bis jedoch im Rahmen von Erol Maßnahmen beschlossen und umgesetzt werden, dauerte es den drei Schallbacher Landwirten Christian Iselin, Manfred Sütterlin und Florian Lindemer zu lange. Das Trio, das im „Rohr“ Flächen bewirtschaftet, setzte sich mit der Gemeinde in Verbindung und verpasse seiner Planung beim jüngsten Treff mit Landwirten, Landschaftsgärtnern und dem Förster den letzten Schliff. Auch die Ergebnisse des runden Tischs 2018 mit Bürgermeister Martin Gräßlin, Landwirten und Rolf Hess vom Fachbereich Landwirtschaft flossen in das Konzept mit ein.

25 Meter lange Reisigwälle und Erdwall samt Drainage

Nun legten viele Helfer quer zum oberen Hangbereich zwei 25 Meter lange, einen Meter breite und 0,8 Meter hohe Reisigwälle an. Das Reisigmaterial aus Schallbachs Gärten und von der Straßenmeisterei in Wollbach wird von Akazienpfosten fest gehalten. Dazu kam ein Erdwall samt Drainage und Durchlass gegen Staunässe.

„Die Wälle liegen in der Rinne, in der das Wasser herab läuft“, stellte der von den Helfern zum Bauleiter ernannte Christian Iselin fest. Im unteren Hangbereich nah an der Straße gen Fischingen wurde eine lange Grube samt Drainagerohren und Entwässerungsschacht angelegt.

Rückhaltevermögen von 500 Kubikmetern

Dort wird zudem ein Streifen Elefantengras gepflanzt, dazu kommt ein winkelförmiger Reisigwall von zwei mal 15 Metern Länge. Insgesamt schaffe man ein Rückhaltevermögen von 500 Kubikmetern, stellte Iselin fest.

Zu den Helfern kamen jede Menge Traktoren und Bagger, teils von den Landwirten, teils von den Schallbacher Betrieben Gärtnerei Ruckdäschel und Grün- und Baumschnitt Blauel gratis zur Verfügung gestellt. Einheimische und Zugezogene, Junge und Alte, vom Starkregen Betroffene und nicht Betroffene packten gemeinsam mit an, auch Bürgermeister Martin Gräßlin und die Gemeinderäte waren mit dabei – bis auf die, die zeitgleich die Holzanlieferung für das Scheibenfeuer beaufsichtigten.

Vom Einsatz der Helfer beeindruckt

„Ich bin beeindruckt“, freute sich Gräßlin über die vielen Helfer. Er rechnet mit maximal 3000 Euro Materialkosten, diese trägt die Gemeinde. Zudem verliert die Gemeinde fortan 270 Euro pro Jahr Pachteinnahmen für ihr bislang als Acker genutztes Stück Land, auf dem jetzt eine weniger erosionsgefährdete Wiese angelegt wird. Ob alles so funktioniert wie vorgesehen, wird sich erst beim nächsten Starkregenereignis zeigen. Zum Abschluss jedenfalls genossen die Helfer mit einem guten Gefühl den Imbiss, den die Gemeinde gestiftet hatte.

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