Schallbach Ein innovativer Traditionschor

Weiler Zeitung
Gut aufgestellt präsentierte sich der Schallbacher Gesangverein beim Finale der dörflichen Kulturtage in der St. Peter- und-Paul-Kirche. Foto: Walter Bronner Foto: Weiler Zeitung

Kulturtage: Finale mit heimischem Gesangverein, Jugendchor und Anekdoten zur Dorfgeschichte

Dass die Schallbacher Kulturtage nicht nur auf gastierende Künstler angewiesen sind, sondern auch heimische Kräfte für einen schönen Abend aufbieten können, belegte das Abschlusskonzert mit dem Gesangverein und Jugendchor des Dorfs. In der wieder vollbesetzten Kirche erfreuten am Samstagabend die Sängerinnen und Sänger mit vorwiegend modernen Liedern.

Von Walter Bronner

Schallbach. Seit der junge Dirigent Alexander Sehringer hier das musikalische Zepter schwingt, hat sich der Verein ein deutlich verändertes Repertoire zugelegt. Das läuft dem Publikumsgeschmack keineswegs zuwider, wirkt andererseits aber auch nicht im Geringsten geschmäcklerisch.

Die Vorträge der von Tillmann Fehse am Klavier souverän begleiteten Gesänge zeigten auch, dass die mehr als 40 Sängerinnen und Sänger mit echter Begeisterung bei der Sache sind. Traditionelles Liedgut verschmähen sie ebenfalls nicht, wie etwa die fesselnde Interpretation von Roberts Prachts „Das Morgenrot“ belegte. Und mit „Je ne l’ose dire“ wurde sogar ein deftiger Folklorehit der französischen Renaissance angestimmt.

Den Schwerpunkt indes bildeten angesagte Vocals aus dem Rock-, Pop- und Musical-Genre, wie der Song „Hör’ auf zu weinen“ aus Phil Collins’ „Tarzan“-Musical oder Udo Lindenbergs Seelentröster „Ich trag’ dich durch die schweren Zeiten“. In gleicher Weise überzeugte die ambitionierte Singgemeinschaft mit Michael Jacksons hymnischen Titel „Heal the world“, dem Beatles-Evergreen „Imagine“ und Udo Jürgens‘ Zukunftshymne „Ihr von Morgen“ nebst einer durch apartes Flötenspiel der jungen Laurina Fuchs angereicherten Ballade.

Zwischendurch zelebrierte die siebenköpfige Girl-Group des Jugendchors ihre dezent choreografierten Auftritte mit populären Poptiteln wie „A thousand year“, „Only time“ oder „No roots“.

Ehrung für Eva Grether

Eine Überraschung gab es für Nachwuchssängerin Eva Grether, die für zehn Jahre Singen im Jugendchor eine Urkunde des Deutschen Chorverbands erhielt. Überreicht wurde diese zusammen mit einer Freikarte für den Europapark von der Präsidentin des Obermarkgräfler Chorverbands, Doris Ludin.

Auf Programmzettel und -ansagen wurde ganz verzichtet, dafür steuerte Vorsitzende Gisela Sütterlin drei anekdotisch arrangierte Textblöcke zur Geschichte des Dorfes mit Bezug zum jeweiligen überregionalen Zeitgeschehen bei. Was sie an schicksalhaften Einzelbeispielen nachwies und das Publikum zuweilen damit recht amüsierte, war eine einzige Beweiskette dafür, dass die so genannte „gute alte Zeit“ alles andere als gut war.

Die zitierten Aufzeichnungen im Familiendorfbuch schildern sehr drastisch, wie die drangsalierte Bevölkerung während des 30-Jährigen Kriegs und späterer Kriege litt, wie sie einst hilflos grassierenden Seuchen ausgeliefert war oder eine Klimakatastrophe im frühen 19. Jahrhundert Hungersnöte und Auswanderungswellen auslöste.

Und die belustigenden Aufzeichnungen der kirchlichen und weltlichen Obrigkeit über Maßregelungen unbotmäßiger Mitbürger oder Umgang mit vor Ort gestrandeten Fremden waren für die seinerzeit Betroffenen auch alles andere als Spaßerlebnisse.

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