Schallbach Halb Schallbach müsste mitmachen

Silke Hartenstein
An sich ging es bei den Haushaltsvorberatungen im vergangenen Oktober nur um eine neue Heizanlage für die Schulsporthalle. Nun zieht das Ganze größere Kreise. Foto: Silke Hartenstein

Ein Nahwärmenetz für Schallbach war ein großes Thema im Bürgermeisterwahlkampf. Nun macht Bürgermeister Christian Iselin Tempo: Einstimmig beschloss der Gemeinderat am vergangenen Donnerstag das Einholen verschiedener Angebote für das Erstellen eines Wärmenetz-Quartierskonzepts.

Von Silke Hartenstein

Schallbach. Was ein solches Quartierskonzept ist, darüber informierten Geschäftsführer Rolf Pfeifer und Projektleiterin Floriane Abedi von endura kommunal. Das Dienstleistungsunternehmen mit Standorten in Freiburg und Wunsiedel in Bayern ist aktiv in der interkommunalen Wärmeplanung für den Landkreis Lörrach und erstellte bereits Quartierskonzepte für Weil, Rheinfelden und Steinen. Für das im ländlichen Raum gelegene Schallbach würden sich Holzhackschnitzel als Hauptenergieträger im Wärmenetz anbieten, hieß es.

Gemeinderätin Bettina Kiefer fragte, ob dafür auch genug Holz da sei. Für Schallbach auf jeden Fall, sagte Pfeifer: „Wenn Sie die Ersten sind, dann schon.“

Pfeifer zählte mehrere Argumente für ein Wärmenetz auf. So führte der Klimawandel bereits mehrmals zu Starkregenereignissen in Schallbach. Baden-Württembergs Landesregierung wiederum hat das Ziel, bis 2040 klimaneutral zu werden. Eines der Instrumente zum Erreichen dieses Ziels ist die CO2-Abgabe von derzeit 25 Euro pro Tonne Kohlendioxid. 2025, so Pfeifer, wären es bereits 55 bis 65 Euro pro Tonne.

Zudem kämen auf die Verbraucher steigende Gaspreise aufgrund starker Nachfrage zu: „Mehr als 630 Gasversorger haben für 2022 Preiserhöhungen von durchschnittlich 25,5 Prozent angekündigt.“ Auch bei den Heizölpreisen geht die Kurve aktuell steil nach oben. Nach 30 Jahren Betriebszeit seien Ölheizkessel in Wohn- und Kommunalgebäuden auszutauschen, so Pfeifer, und ab 2026 seien bei einem solchen Austausch keine neuen Ölheizungen mehr erlaubt.

In Schallbach würden 48 Prozent der Haushalte mit Öl beheizt, die Hälfte der Heizanlagen seien älter als 25 Jahre und derzeit müssten bei einer neuen Heizanlage 15 Prozent der Heizleistung aus regenerativen Energiequellen kommen.

Erstellung eines Konzepts förderfähig

Laut Berechnung von endura kommunal würde das Erstellen eines Schallbacher Quartierkonzepts rund 63 000 Euro kosten, davon würden 75 Prozent über die KfW gefördert, somit betrage der Anteil der Gemeinde 15 750 Euro brutto. Für das Erstellen des Konzepts brauche es etwa ein Jahr.

Wie Projektleiterin Abedi ausführte, habe ein energetisches Quartierskonzepts vier Ziele: Energieversorgung und Verringerung von Luftschadstoffen, Hausbesitzer sollen zu Energiesparmaßnahmen bewegt und für nachhaltige Mobilität gewonnen werden, etwa durch Ladesäulen für E-Fahrzeuge. Für das Erreichen dieser vier Ziele brauche es das aktive Handeln der Gemeinde.

Zum Ablauf der Erstellung eines Quartierskonzepts gehörten als nächste Schritte eine Infoveranstaltung für die Bevölkerung, die Erhebung von Daten bei Verwaltung und Bürgern und die Überprüfung, ob ein Nahwärmenetz überhaupt wirtschaftlich ist.

Auf dieser Grundlage, so Pfeifer, könne dann ein Netzbetreiber gesucht werden, sei es ein Energieversorgungsunternehmen oder ein privater Betreiber. Wie er klarstellte, sei ein Wärmenetz in Schallbach nur dann wirtschaftlich, wenn mindestens die Hälfte aller Hausbesitzer mitmachten. Ein solches Netz erstrecke sich eventuell zuerst nur auf drei Straßen rund um ein kommunales „Ankergebäude“ mit hohem Wärmebedarf und wachse nach und nach, wenn Heizanlagen in Gebäuden weiterer Straßen ausgetauscht werden müssten – und: Wenn man schon Rohre verlege, könne man Glasfaserkabel gleich mit verlegen.

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