Schallbach Loriot-Kopien mit Original-Nähe

Weiler Zeitung
Finaler Plot des Loriot-Abends bei den Schallbacher Kulturtagen war der Sketch vom obskuren TV-Interview des Lottogewinners Lindemann mit (von links) Karin Drändle, Birgit Bayerlein, Klaus Koska und Ina Koska. Foto: Walter Bronner Foto: Weiler Zeitung

Kulturtage: Schopftheater-Team brilliert in Schallbach mit Sketchen und Solonummern

Loriot – oft kopiert, doch nie erreicht. Wirklich nicht? Ein Loriot-Abend wie der bei den Schallbacher Kulturtagen in der vollbesetzten Kirche gibt zu berechtigen Zweifeln Anlass. Denn so, wie die Tumringer Schopftheater-Truppe ihrem universellen Humoristen-Idol huldigt, ist das Bühnengeschehen hautnah am Original angedockt.

Von Walter Bronner

Schallbach. Birgit Bayerlein, Karin Drändle sowie Ina und Klaus Koska zelebrierten nun eine erlesene geistvolle Witzparade mit jenem komödiantischem Esprit, mit dem einst Vicco von Bülow, Evelyn Hamann & Co. das Film- und Fernsehpublikum beglückten. Vor allem der fast im Dauereinsatz agierende Klaus Koska gab dem genialen Vorbild nahezu identische Züge. Solo etwa als phrasendreschender Politiker mit herrlich falsch pointierter Mimik und Gestik oder als moderner Lyriker, der in der Dichterlesung mit kurioser Inbrunst sein „Kraweel, kraweel!“ herausposaunte. Desgleichen zeigte er sich mit wechselnden – und in bester Spiellaune agierenden – Partnerinnen als unverstandener Ehemann, der mit der Gattin hadert, weil etwas mit dem Frühstücks-Ei nicht stimmt oder mit ihr vor dem kaputten Fernseher die möglichen Alternativen zur gewohnten Abendunterhaltung ergebnislos durchhechelt. Des Weiteren ließ er sich mit ihr bei der Eheberatung in die „Grundformen des Küssens“ einweisen, beim Nichtstun (Stichwort: „Hermann, was machst du da?“) wurde er von der Angetrauten mit beharrlicher Penetranz zu irgendwelchen Aktivitäten „ermuntert“ oder führte eine müßige Debatte mit der Gemahlin über die Wahl des passenden Abendkleids. Was insgesamt die schlüssige Beweiskette ergibt: „Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen!“

Herrlich komisch gab sich das Damentrio (ohne Mann) unter anderem in den Szenen, bei denen die Pseudo-Kompetenz von Finanzexpertinnen demonstriert wurde und neue Forschungsresultate zu den Möglichkeiten vorgestellt wurden, Frauen in Kaninchen zu verwandeln und Politiker auf Amöbengröße einzudampfen.

Hinreißend war auch Birgit Bayerlein als TV-Moderatorin bei der Ansage „Was bisher geschah“ zu einer britischen Krimiserie. Dann waren da auch noch das groteske Interview mit dem vermeintlichen Astronauten, der sich als stupider Verwaltungsbeamter entpuppte, die Aktenzeichen-XY-Parodie (Drändle), die nach belanglosen Vorgängen von 1912 fahndete, und immer wieder die auf große Opern bezogenen Zwischenmoderationen, bei denen die Damen wechselweise Mozarts „Entführung“ und „Figaro“, Verdis „Rigoletto“, „Othello“ und „Macht des Schicksals“ sowie Leoncavallos „Bajazzo“ als Indizienbeweise für das aktuelle Chaos im Spannungsfeld von Mann und Weib ausdeuteten. Den finalen Plot lieferte das Quartett mit dem Sketch von der aus dem Ruder laufenden Aufzeichnung des TV-Interviews mit dem tumben Lottogewinner Erwin Lindemann.

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