Schallbach Nahwärmenetz bleibt großes Ziel

In Schallbach steht ein Bürgermeisterwechsel an: Zum 1. Dezember wird Christian Iselin das Ehrenamt in der kleinen Kandertalgemeinde von Martin Gräßlin übernehmen. Am Sonntag gewann er die Wahl mit beachtlichen 64,3 Prozent. Iselin hat schon viele Ideen, aber auch Respekt davor, was nun auf ihn zukommt, wie er im Gespräch erkennen lässt.

Von Alexandra Günzschel

Schallbach. Am Redaktionstelefon ist dem frisch gewählten Bürgermeister die Müdigkeit noch ein wenig anzumerken. Schlecht geschlafen hat er eigenen Angaben zufolge nicht – nur eben sehr kurz. „Es ist spät geworden. Wir saßen noch bis 3 Uhr morgens am Feuer zusammen. Das war toll“, berichtet Iselin von der Wahlparty, die sich bis in die Nacht hinein zog.

Wenige Stunden später beantwortet er die ersten Fragen, die sein neues Amt mit sich bringt. Was wollen Sie nach Ihrer Amtseinführung im Dezember als erstes angehen? Welche großen Herausforderungen sehen Sie auf die Gemeinde zukommen?

Wie sich im Gespräch herausstellt, sind es vor allem drei große Themen, die Iselin bewegen: der Breitbandausbau, der Hochwasserschutz und die Chancen für ein Nahwärmenetz im Dorf.

„Es heißt, die Ortschaften kommen zuerst dran, die gar nicht oder nur sehr schlecht mit Internetzugängen versorgt sind“, bemerkt Iselin und wundert sich darüber, dass für Schallbach offenbar eine ausreichende Versorgung angenommen wird. „Das ist aber nicht so“, stellt er fest und will es beweisen.

Iselin schwebt eine schnelle Bestandsaufnahme vor. Bürger mit schlechten Verbindungen können sich melden, ein Techniker soll deren Aussagen überprüfen. Mit diesen Daten will er dann an den Zweckverband Breitbandversorgung herantreten, „damit Schallbach nicht noch weiter nach hinten rutscht“. Nach derzeitigem Stand ist Schallbach beim Breitbandausbau erst im zweiten Halbjahr 2023 dran.

„Der Hochwasserschutz liegt mir am Herzen“, sagt Iselin außerdem. Neben dem großen Maßnahmenpaket, das der Gemeinderat jüngst beschlossen hat, und für das zunächst Fördergelder beantragt werden sollen, setzt er weiter auf Eigeninitiative aus dem Dorf. Nach drei Jahren will er die Reisigwälle, die auf seine Initiative hin angelegt wurden, wieder instandsetzen, um die Zeit zu überbrücken, bis die großen Maßnahmen greifen. „Nicht, dass noch etwas passiert, während wir auf die Förderung warten“, so Iselins Befürchtung.

An anderen Stellen rund ums Dorf hält er es für möglich, die Wassermassen nach einem Starkregenereignis etwa durch Erdhügel so umzuleiten, dass sie nicht mehr so viel Schaden anrichten können. Im Endeffekt plädiert der Bürgermeister in spe aber für ein Gesamtkonzept. „Da kommt noch einiges auf uns zu“, ist er sich sicher.

Festhalten will Iselin an seiner Idee eines Nahwärmenetzes für Schallbach in Verbindung mit einer Hackschnitzelheizung. Er verweist auf ein Projekt in Höllstein, wo ein Nahwärmenetz in Verbindung mit dem Breitbandausbau entsteht.

„Möglicherweise ist ein solches Projekt aber auch für einen Grundversorger wie die Badenova interessant“, sagt Iselin. Es könnte auch im Zuge der Verlegung von Oberleitungen in die Erde mit in Angriff genommen werden. Die Gemeinde müsse ja nicht unbedingt der Träger sein. Das sei fast nicht zu finanzieren, so die Überlegungen des designierten Bürgermeisters.

An die Gemeinderatssitzungen will er offener herangehen als sein Vorgänger. Das hat Iselin oft betont. Freuen würde er sich, wenn auch der eine oder andere Gemeinderat mal ein Projekt in die Hand nimmt. Ein bisschen Unterstützung, sagt er, könne er als ehrenamtlicher Bürgermeister sicherlich gut gebrauchen.

Für Iselin am Ratstisch nachrücken wird übrigens der selbstständige Zimmerermeister Jan Westermann.

Schallbach hatte bei der jüngsten Kommunalwahl eine Einheitsliste, was Iselin für einen Fehler hält. Als es noch drei verschiedene Listen gab, habe es deutlich mehr Kandidaten für den Gemeinderat gegeben, hat er festgestellt.

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