Schliengen Aus Fehlern lernen: Von der Pleite zum Erfolg

Foto: Alexander Anlicker Foto: Weiler Zeitung

Im wahrsten Sinne des Wortes Lehrgeld bezahlt hat der Schliengener Matthias Barny zu Beginn seiner Selbstständigkeit. „Ich habe damals jeden Fehler gemacht, den man machen kann“, sagt er. Er hat aber auch aus den Fehlern gelernt und führt heute ein erfolgreiches Handwerksunternehmen.

Von Alexander Anlicker

Schliengen. Seine Erfahrungen will er nun mit seinem jüngsten Projekt Handwerks-Mentor, einem Online-Kurs, an Interessierte weiter geben, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt.

Frage: Herr Barny, wie entstand die Idee für das Projekt Handwerks-Mentor und den Online-Kurs?

Ich habe mit Anfang 20 als Trockenbauer in einem Unternehmen gearbeitet und wollte im Akkord arbeiten. Dafür habe ich mich vor 25 Jahren als Subunternehmer selbstständig gemacht, im Baunebengewerbe ging dies auch ohne Ausbildung und Meisterbrief. Gerade zu Beginn habe ich so gut wie keinen Fehler ausgelassen, denn ich hatte weder das technische Know-how, noch kaufmännische Kenntnisse. Es war mir aber auch klar, dass bei allen Fehlern ich selbst der Schuldige bin. Rückblickend kann ich nun sagen, dass diese Fehler und Erfahrungen mich enorm bereichert haben, weil ich aus jedem Fehler, auch wenn dieser noch so schmerzhaft und teuer war, meine Lehren gezogen und sehr viel Positives mitgenommen habe.

Vor vier bis fünf Jahren sind Unternehmer aus dem Handwerk zu mir gekommen und haben mich um Rat gefragt Ich bin im Eins-zu-Eins-Coaching schon seit vier Jahren tätig. Ich mache das gerne und habe nie etwas dafür verlangt. Etwa ein Jahr lang habe ich nun einen Online-Kurs erstellt.

Frage: Sie haben also einiges an Lehrgeld zahlen müssen?

Ich habe 1996 die M.Brendlin GmbH unter meinem Geburtsnamen gegründet und hatte 1999 Schulden im mittleren sechsstelligen Bereich ohne Gegenwert. Ich hatte wenig Ahnung von Kalkulation und hinzu kamen Zahlungsausfälle.

Frage: Wie sind sie aus den Schulden herausgekommen?

Durch Reflexion und weiterkämpfen. Mit den Gläubigern habe ich einen Sanierungsplan gemacht und die Schulden abgearbeitet. Im Jahr 2006 folgte noch einmal eine schwierige Phase, wo die Firma zu schnell auf 60 Mitarbeiter wuchs, aber die Struktur nicht mitgewachsen war. Heute ist die Firma ein erfolgreiches Handwerksunternehmen für die Bereiche Innenausbau und Brandschutz mit 25 Mitarbeitern, ich kann mir meine Kunden aussuchen und erhalte monatlich neue Bewerbungen, ohne dass wir überhaupt Mitarbeiter suchen.

Frage: Sie haben als Quereinsteiger begonnen, warum haben Sie letztlich doch noch den Meisterbrief gemacht?

Ich habe im Jahr 2004 die Ausbildung zum Brandschutztechniker absolviert und 2008 dann einen Kurs zum Industriemeister für Akustik und Trockenbau. Fürs „Ego“ und um zu zeigen, dass ich es kann.

Frage: Wie muss man sich den Online-Kurs vorstellen?

Ich habe insgesamt 50 Videos gemacht, darunter 40 Lernvideos zum Unternehmertum und zehn zum Thema Immobilieninvestment. Diese sind alle gleich aufgebaut. Ich erzähle eine erlebte Geschichte über ein Thema, mit eigenen Erfahrungen und Fehlern. Im zweiten Teil betrachte ich das Thema aus der Adlerperspektive und im dritten Teil gibt es für die Teilnehmer eine Schlussaufgabe, beispielsweise was man anders machen kann. Dazu gibt es dann auch Arbeitsblätter.

Frage: Können Sie Beispiele für einzelne Lektionen nennen?

Ein Thema ist die Heiß-Kalt-Analyse, da geht es unter anderem um die Frage, ob ein Kunde zum Unternehmen passt. Ein anderes ist das Erzeugen von Teamgeist. Meine Kollegen sind am Unternehmen beteiligt und wir zahlen seit Jahren 15 Monatsgehälter, weil sie es wert sind.

Frage: An wen richten sich die Lernvideos?

Der Online-Kurs richtet sich an Handwerker, die Unternehmer werden wollen sowie an Menschen, die bereit sind, die Extra-Meile zu laufen. Man muss bereit sein, Zeit in die Ausbildung zu investieren und auch bereit für Veränderungen.

Weitere Informationen: zum Online-Kurs unter www.handwerks-mentor.de

ist 48 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er ist Geschäftsführer der M.Brendlin GmbH, die in den Bereichen Innenausbau und Brandschutz tätig ist und 25 Mitarbeiter zählt. Parallel dazu entwickelt und realisiert er Immobilienprojekte im Raum Südbaden

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