Schliengen Bereitschaft für Veränderung

Olaf Winter, Pfarrer der katholischen Seelsorgeeinheit Schliengen, hat im Gottesdienst seinen Weggang angekündigt. In der letzten Dekade seiner Dienstzeit sei er nochmals bereit für eine Veränderung, erklärt er.

Von Alexander Anlicker

Schliengen. Im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert der Pfarrer seine Motivation für den Wechsel der Stelle und zieht Bilanz über seine Zeit im Markgräflerland.

Frage: Herr Winter, Sie sind seit vier Jahren Pfarrer in der Seelsorgeeinheit Schliengen und haben kürzlich im Gottesdienst angekündigt, die Gemeinde verlassen zu wollen. Gibt es dafür Gründe?

Ich bin 2017 nicht mit einer zeitlichen Vorstellung nach Schliengen gekommen. Es hätten drei, fünf oder auch zehn Jahre werden können, das kann man nie genau voraussagen. Im Gespräch mit der Personalabteilung im Erzbischöflichen Ordinariat in Freiburg habe ich meine Bereitschaft signalisiert, in der letzten Dekade meiner Dienstzeit, die mit 70 Jahren endet, noch einmal bereit für eine Veränderung zu sein. Das wurde positiv aufgenommen, da es zurzeit einige verwaiste Seelsorgeeinheiten in unserem Bistum gibt.

Frage: Wie haben Sie die vergangenen vier Jahre in Schliengen erlebt?

In Schliengen haben wir im Pfarrgemeinderat und im Stiftungsrat ausgesprochen gute konzeptionelle Arbeit geleistet, in einigen Bereichen waren wir Vorreiter, zum Beispiel bei der Prävention gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche. Es gibt wenige Ehrenamtliche, die viele Aufgaben übernehmen und sich dabei zum Teil bis zur Erschöpfung für die Kirchengemeinde aufopfern. Gelebte Spiritualität, gelebter Glaube musste dafür leider oft hintanstehen.

Frage: Was werden Sie vermissten?

Vermissen werde ich das Dreiländereck und die Nähe zu Freiburg.

Frage: Wie haben Sie die Gemeinde vorgefunden und was hat sich in Ihrer Amtszeit verändert?

In den vier Jahren meiner Amtszeit habe ich gemeinsam mit der Gemeindereferentin und unseren Pensionären daran gearbeitet, den Gläubigen ein umfangreiches und verlässliches Gottesdienstangebot zu ermöglichen und dabei auf die vielfältigen Bedürfnisse einzugehen. Kirche sollte allen Gläubigen eine Heimat bieten, weshalb ich sowohl Jugendgottesdienste mit moderner Musik als auch die lateinische Messe im außerordentlichen Ritus der römisch-katholischen Kirche feiere. Wir sind neue Wege in der Tauf- und Firmpastoral gegangen und haben damit gute Erfahrungen gemacht.

Frage: Wo warten neue Aufgaben auf Sie und welche sind das?

Mir wurden vier Seelsorgeeinheiten vorgestellt, auf die ich mich bewerben konnte. Meine Entscheidung habe ich für die Seelsorgeeinheit Straßberg-Veringen im Dekanat Meßkirch-Sigmaringen getroffen. Diese Seelsorgeeinheit besteht aus zehn Pfarreien und hat 6600 Katholiken, also doppelt so viele wie in der Seelsorgeeinheit Schliengen. Die Aufgaben werden die gleichen sein wie hier.

Frage: Gibt es schon einen Nachfolger?

In der Regel wird eine Seelsorgeeinheit vom Erzbischöflichen Ordinariat neu ausgeschrieben, wenn ein Pfarrerwechsel stattfindet. Es gibt also noch keinen benennbaren Nachfolger.

Frage: Die katholische Kirche in Deutschland leidet ja schon längere Zeit unter einem Priestermangel, wie schwierig ist es einen Nachfolger zu finden?

Sie haben recht, die Personaldecke bei den Priestern wird immer dünner. Jährlich scheiden zehn Pfarrer aus dem Dienst aus, geweiht wird in diesem Jahr ein Neupriester.

Frage: Wird die Seelsorgeeinheit Schliengen Bestand haben, oder doch über kurz oder lang mit der Seelsorgeeinheit Müllheim-Neuenburg oder Kandern-Istein fusionieren müssen?

Keine Seelsorgeeinheit wird mit Blick auf die Kirchenentwicklung 2030 in ihrer bisherigen Form Bestand haben, auch Schliengen nicht. Aus den jetzt 224 Seelsorgeeinheiten mit 1053 Pfarreien werden 40 Seelsorgeeinheiten gemacht werden, die in etwa die Größe der heutigen Dekanate haben werden. Im Pfarrgemeinderat haben wir uns mit großer Mehrheit für die Ausrichtung nach Norden entschieden.

Der 1961 in Bochum geborene Olaf Winter studierte Germanistik in Münster und Freiburg sowie Theologie in Freiburg im Breisgau und im schweizerischen Fribourg. Vikarstellen in Jestetten, Illmensee, Empfingen und Villingen folgten Pfarrstellen in Stühlingen (von 2002 bis 2017) und seit 2017 in Schliengen.

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